Ein großes Rad im Personalmarketing drehen

von Redaktion LZ
Freitag, 23. September 2005
LZ|NET. Crossover im Lehrbetrieb - eine Überkreuz-Verbindung zwischen Praxis und Theorie. Das praktizieren Handelsunternehmen in Kooperation mit drei Hochschulen. Sie übernehmen pro Semester einen Seminarblock und geben mittels Fallstudien Studenten Einblick in die Welt des Handels.



Deutschen Handelsunternehmen ist der Bedarf an qualifizierten Hochschulabsolventen bewusst. "Wir müssen uns auch an Akademiker wenden und den Nachwuchs nicht ausschließlich aus eigenen Reihen rekrutieren", sagt Heiko Müller, Personalleiter bei der Douglas Holding AG, Hagen.

Die Prozesse im Einzelhandel seien mit Einführung des Steuerungs- und Managementsystems EVA (Economic Value Added) und der Internationalisierung komplexer geworden - auch in der IT und Logistik.

Demographische Entwicklung

"Vor diesem Hintergrund und der demographischen Entwicklung in Deutschland müssen wir uns frühzeitig im Wettbewerb um den Nachwuchs positionieren", sagt Katja Hoppmann, Referentin für Personalmarketing bei der Rewe-Zentral AG in Köln. So entstand die Idee, Handelswissen anhand praxisorientierter Fallstudien an Hochschulen zu vermitteln.

Der Netzwerkgedanke bestimmt die Initiative: "Einem Handelsunternehmen allein fehlt es an Personalkapazität und Zeit, um ein ganzes Semester lang einen Seminarblock zu gestalten", sagt Tanja Preuß, Personalreferentin bei der Douglas Holding AG. "Aber in einer Kooperation ist eine solche Aufgabe zu schultern." Gehalten werden die Seminare in der Regel von Abteilungs- und Bereichsleitern.

Das Engagement begann im Sommersemester 2004 an der International School of Management (ISM) in Dortmund, wo sich erstmals Rewe und Douglas aktiv an der Lehre beteiligten. "Die Hochschule zeigte sich sehr aufgeschlossen gegenüber der Idee, Praktiker mit ins Boot zu nehmen", so Preuß.

Vielfalt der Themen

Es folgten die Handelslehrstühle der Universitäten Münster und Köln, wo Rewe, Metro (Kaufhof und C+C), Douglas und Tchibo Seminare bestreiten. Die Themen sind vielfältig. Sie reichen von der Sortimentsgestaltung über Personalmanagement bis hin zu Standortanalysen.

Die Resonanz der Studenten auf die praktischen Lehrveranstaltungen sei groß, sagt Hoppmann: "Die Seminarplätze an den Universitäten sind limitiert und regelmäßig überbucht."

Das Projekt dient dem Wissenstransfer und dem Personalmarketing. Die Effekte sind gleichermaßen positiv: Zum einen eröffnen sich den Studenten Einblicke in die praktische Welt des Handels; gleichzeitig kann das angeschlagene Einzelhandelsimage ins Positive gewendet werden.

"Der akademische Nachwuchs nimmt uns auf diesem Weg deutlich stärker als potenzieller Arbeitgeber wahr", sagt Hoppman. Erste Kontakte werden für Praktika, Examensarbeiten und Trainee-Stellen geknüpft.

Wenig Trainee-Stellen

"Wir drehen ein großes Rad für eine kleine Anzahl an Trainee-Plätzen", betont Müller. Rewe, Kaufhof und Douglas besetzen beispielsweise jährlich je rund ein Dutzend Plätze. Die Schwerpunkte sind unterschiedlich gewichtet. Douglas und Kaufhof fokussieren den Vertrieb, während Rewe zentrale Verwaltungsaufgaben in den Mittelpunkt ihrer Trainee-Programme rückt.

Ihre Fallstudien-Reihe setzen die Handelsunternehmen fort - in unterschiedlicher Zusammensetzung. Die Gemeinschaft der Akteure, in der sich Douglas, Rewe und Metro als federführend sehen, versteht sich nicht als Closed Club. Ihm könnten sich Wettbewerber ebenso anschließen wie andere Hochschulen und Universitäten.

Die Initiative ist als eine Ergänzung zum universitären Lehrbetrieb und zum bisherigen Ausbildungsengagement der Händler gedacht. Die Rekrutierung des Nachwuchses aus eigenen Reihen wird auch künftig eine wesentliche Rolle spielen.

Kontakte zu Berufsakademien

Schließlich unterhalten alle Handelsunternehmen enge Kontakte zu Berufsakademien. Im September ist beispielsweise die erste Generation von BA-Studenten der Douglas-Vertriebsschiene Thalia in Plauen und Mannheim an den Start gegangen.

"Die Fallstudien-Reihe an den Universitäten ist ein Multichanel-Projekt mit Zukunft", so Silvia Ross, zuständig für das Hochschulmarketing bei Kaufhof.



Fallstudien-Reihe 2005
ISM Dortmund

Fallstudien-Reihe 2005
Universität Köln

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