Ideenmanagement lockt Reserven

von Redaktion LZ
Freitag, 26. November 2004
Gute Ideen bringen bares Geld für die Unternehmen. Beiersdorf, Tchibo und Procter & Gamble praktizieren das Instrument "Ideenmanagement". Die Modelle wurden auf dem MMM-Kongress vorgestellt.



Ideenmanagement führt zu nachweisbaren und messbaren Erfolgen: Laut Umfrage des Deutschen Instituts für Betriebswirtschaft (dib), Frankfurt, betrugen die ausgewiesenen Einsparungen im Jahr 2003 insgesamt 1,16 Mrd. Euro. 152 Mio. Euro Prämie wurden für die Vorschläge ausgeschüttet, im Durchschnitt wurde jeder Verbesserungsvorschlag mit 204 Euro honoriert.

Die Vorteile mitdenkender Mitarbeiter macht sich die Beiersdorf AG seit über 20 Jahren zu Nutze. "Man muss sparen, wo man kann", so leitet Bernd Aschmutat, Leiter der Ideenbörse, seine Erläuterungen zum Ideenmanagement bei dem Hamburger Konzern ein.

Die Ideenbörse, hervorgegangen aus dem Betrieblichen Vorschlagswesen, verzeichnet heute 2 000 Verbesserungsvorschläge pro Jahr, eingereicht von 4 500 Mitarbeitern. "Allein im vergangenen Jahr betrug der Nutzen für das Unternehmen über 2 Mio. Euro", so Aschmutat.

Gut die Hälfte der Vorschläge, nämlich 55 Prozent, werden umgesetzt. Davon sind 14 bis 15 Prozent "rechenbare" Vorschläge - das heißt, die Verantwortlichen können den Nutzen für das Unternehmen exakt quantifizieren.

Der findige Mitarbeiter erhält daraus 20 Prozent als Prämie. Bei den restlichen 85 Prozent handelt es sich um kleinere Verbesserungen. Insgesamt 425 000 Euro gibt Beiersdorf dafür aus. 21 bis 22 Prozent der Mitarbeiter reichen derzeit ihre Ideen ein.

Vorschläge erarbeiten

Damit sich mehr Arbeitnehmer beteiligen, wird bei Beiersdorf viel getan: So kümmert sich mit Aschmutat noch ein weiterer Kollege hauptberuflich um die Ideenbörse. Gesteuert wird das ehemalige Betriebliche Vorschlagwesen über das Intranet. Jeder Mitarbeiter hat Zugriff durch seinen Account.

Dort ist erklärt, was die Ideenbörse ist und wie sie funktioniert. Weil sich die Vorschläge nicht allzu oft wiederholen sollen, werden in den "News" die prämierten Ideen vorgestellt. Nach nur zwei Klicks kann der Mitarbeiter sein Modell einfügen. "Das schafft Transparenz", so Aschmutat.

Bei der Bearbeitung der Vorschläge hapere es allerdings noch ein wenig. Um auch die Gutachter zu motivieren, werden Gutachter-Jahrespartys veranstaltet. Die fleißigsten werden mit Pokalen und Reisen belohnt.

Das Ideenmanagement hat einen festen Platz bei Beiersdorf. Doch eingebracht werden, dürfen die Ideen ganz flexibel - nämlich zentral, dezentral oder aber in den KVP (Kontinuierlicher Verbesserungs-Prozess)-Arbeitsgruppen. Voraussetzung dafür ist immer, so Aschmutat, dass Vorgesetzte Raum für Ideen schaffen.

Im Kosmetik-Konzern sei das Ideenmanagement zur Chefsache geworden, weil es in die Unternehmensziele miteinbezogen wurde.

Ähnliches gilt für die Hamburger Tchibo Frisch-Röst-Kaffee GmbH, die ebenso wie Beiersdorf zur Tchibo Holding gehört: Wie Corinna Wilckens ausführt, seit März 2003 Leiterin Personal-Projekte und seit wenigen Wochen Leiterin Organisation bei Tchibo, war die Einführung des Ideenmanagements im Jahr 2002 ein Vorschlag des Vorstandes.

Ideen im Internet sammeln

Heute ist "Kolibri", wie das Projekt heißt, im Bereich Personal angesiedelt und in der Betriebsvereinbarung verankert. Zu Beginn habe es zwei bis drei Verbesserungsvorschläge pro Monat gegeben. Heute verzeichnet Corinna Wilckens zwei bis drei pro Tag.

Die Frage, warum das Unternehmen auch hier erfolgreich ist, sei einfach zu beantworten: So bestehe ein Committment mit dem Top-Management, es werde aktives Marketing betrieben und zudem seien die Prämien ein Anreiz für die Arbeitnehmer. 25 Prozent des Nutzens für das Unternehmen werden dem einfallsreichen Mitarbeiter ausgezahlt.

Bei der Vorgehensweise will Tchibo von Beiersdorf lernen: Ein webbasiertes Ideenmanagement solle bald angeschafft werden, so Wilckens. Derzeit müssen Ideen noch den Vorgesetzten mitgeteilt und der Fachbereich identifiziert werden, dem der Vorschlag zu Gute kommt.

Liegt die Prämie bei über 600 Euro, muss sich die Ideenkomission darum kümmern. Manchmal wird auch der umgekehrte Weg gewählt: So wurden im Juli und August alle Mitarbeiter zu innovativen Produktideen im Bereich Kaffee befragt. Vier davon wurden prämiert und werden weiterverfolgt, um demnächst auf den Markt gebracht zu werden.

Unternehmen, die von den Gedankenblitzen ihrer Mitarbeiter partizipieren wollen, rät Wilckens, die Führungskräfte frühzeitig in diesen Prozess mit einzubinden und sie zu schulen. Tchibo selbst veranstaltet Top-Down-Schulungen und Workshops zum Ideenmanagement.

Prämierung ist gefragt

Bei Procter & Gamble dagegen sind Ideen Pflicht. Nach den Worten von Oliver Conradi, Personalleiter Procter & Gamble Manufactoring GmbH, Groß Gerau, gibt es "konkrete Erwartungen an den Mitarbeiter, Ideen zu produzieren". Als Bestandteil des Arbeits- und Entwicklungsplans für das Jahr gehören Verbesserungsvorschläge zu den definierten Zielen.

Es gäbe Abteilungen, die drei bis vier Vorschläge in unterschiedlichen Zeiträumen von jedem Einzelnen forderten. Umsetzbare Einfälle gehören bei Procter & Gamble zudem als leistungsabhängige Komponente zur Bezahlung. Die Ergebnisse werden in regelmäßigen Gesprächen gemessen.

Zusätzlich zum betrieblichen Vorschlagswesen wurde 2000 das Kaizensystem eingeführt, das in Teams umgesetzt wird. Die Bedeutung verrät die Ähnlichkeit mit dem Ideenmanagement: Kai heißt Veränderung, Wandel, Zen bedeutet zum Besseren, im positiven Sinn.

Jährlich gehen bis zu 150 Vorschläge ein, die Hälfte davon wird prämiert. Die Prämienhöhe pro Jahr belaufe sich auf 10 000 bis 15 000 Euro. Für eine Einzelprämie würden maximal 7 700 Euro bezahlt. "Auch hier wird eine hundertprozentige Teilnahme erwartet", so Conradi. Verlangt wird mindestens ein Kaizen pro Quartal entsprechend der Anzahl der Teammitglieder.

(ba)

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