Ikea lockt Studienabbrecher an

von Redaktion LZ
Freitag, 05. April 2013
Lieber was Handfestes: Ikea bietet jungen Menschen, denen die theoretische Ausrichtung eines Studiums nicht liegt, vielfältige Karriereperspektiven.
Ikea
Lieber was Handfestes: Ikea bietet jungen Menschen, denen die theoretische Ausrichtung eines Studiums nicht liegt, vielfältige Karriereperspektiven.
LZnet. Ikea spricht Studienabbrecher gezielt an. Für eine Karriere bei dem schwedischen Möbelgiganten ist der Bruch im Lebenslauf kein Makel. Die Verantwortliche für Employer Branding, Beate Mini, zieht Bilanz.
Jedes Jahr brechen in Deutschland rund 55.000 Studenten ihre Hochschulausbildung ab. In einigen Studiengängen hält gerade mal die Hälfte bis zum Abschluss durch. Doch was früher als Defizit galt, stellt heute für viele Unternehmen kein Problem mehr da. Die meisten Handelsunternehmen lehnen diese Bewerber nicht grundsätzlich ab. Sie bieten ihnen wie auch anderen, die das Abitur oder eine vergleichbare schulische Qualifikation mitbringen, einen Ausbildungsplatz.

So war es lange auch bei Ikea. Inzwischen weiß man, dass aus dieser Personengruppe motivierte und leistungsstarke Mitarbeiter rekrutiert werden können. Aus den guten Erfahrungen zog Beate Mini, Managerin Employer Branding, Retention & Health, Konsequenzen: Sie erweiterte das Personalmarketing um die Ansprache von Studienabbrechern.

Pragmatisch und kostenbewusst

Umwege sind keine Fehler, wenn man daraus lernt, so die Überzeugung im Hause Ikea. "Uns sind Leute lieber, die merken, dass sie auf dem falschen Weg sind, und die Konsequenzen ziehen", sagt Beate Mini. "Denn was bringt es, bis zum Schluss bei etwas durchzuhalten, das einem überhaupt nicht liegt?"

Die Personalerin hat etwas übrig für berufliche Querentwicklungen. "Wenn jemand sein Studium aufgibt, ist das für uns interessant", sagt die Managerin. "Solch ein Bruch im Lebenslauf zeigt uns, dass diese Person auch unbequeme Entscheidungen treffen kann."

Für sie ist das ein Anlass, im Vorstellungsgespräch genauer nachzufragen, wie es dazu gekommen ist und was derjenige lieber machen möchte. Wenn ein Bewerber die Uni als zu theoretisch empfindet und lieber praktisch etwas umsetzen möchte, spreche das allemal für einen Job im Handel. "Wir krempeln die Ärmel hoch, sind pragmatisch und kostenbewusst", charakterisiert Mini ihren Arbeitgeber.

Grundsätzlich komme es bei dem Möbelriesen weniger auf Abschlüsse, Noten oder Fachrichtungen an, als vielmehr auf die Persönlichkeit. Egal ob abgebrochenes oder abgeschlossenes Studium – etliche Positionen wurden schon mit Germanisten, Geografen, Theologen, Architekten, Theaterwissenschaftlern oder Betriebswirten besetzt, deren Fachwissen sich zweifelsohne stark unterscheidet. "Wichtiger ist es, dass man Entscheidungen treffen kann und Lust hat, Verantwortung zu übernehmen."

Ausbildung mit drei Abschlüssen

Ikea ist zwar nicht das einzige Handelsunternehmen, das Studienabbrechern den Einstieg ermöglicht. Auch andere Unternehmen der Branche sind dabei durchaus aufgeschlossen. Außergewöhnlich ist jedoch, dass die Schweden diese Gruppe ganz gezielt ansprechen: Auf der Homepage befindet sich in der Rubrik "So kannst du starten" ein dicker roter Button für Studienabbrecher neben anderen für Schüler, Studenten und Absolventen. Darüber hinaus investiert Ikea in Online-Marketing: Beispielsweise ist das Unternehmen mit einem eigenen Profil bei dem Web-Portal www.studienabbrecher.com vertreten.

Das besondere Angebot für die Zielgruppe: Nach einer dreijährigen Ausbildungszeit hat man gleich drei Abschlüsse in der Tasche: Kaufmann im Einzelhandel, Ausbildereignung und Handelsfachwirt. Danach werden die Kandidaten direkt auf der ersten Führungsebene als Teamleiter beispielsweise in Verkauf, Logistik oder Kundenservice eingesetzt.

Der weiteren Karriere sind keine Grenzen gesetzt, versichert Mini. Einer der Store-Manager, der die Gesamtverantwortung für eine Filiale trägt, hatte etwa sein Studium aufgegeben, bevor er zu Ikea kam. Die besten Chancen für die berufliche Laufbahn hätten Mitarbeiter, die nicht nur engagiert arbeiten, sondern auch Mobilität mitbringen. Wer nicht auf einen Standort fixiert ist, könne möglicherweise auch international eine Aufgabe übernehmen.

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