Multiplikatoren der Wissensvermittlung

von Judit Hillemeyer
Freitag, 06. Oktober 2006
Foto, Ikea
Foto, Ikea
Die interne Weiterbildung des Personals übernehmen bei Ikea zunehmend eigene Mitarbeiter. Dafür werden ausgewählte Führungskräfte zu zertifizierten Trainern ausgebildet. Sie multiplizieren ihr Wissen und Können.



Allgemein sorgen im deutschen Einzelhandel sowohl interne als auch externe Trainer für die Weiterbildung der Mitarbeiter. Für die innerbetriebliche Erstausbildung sind beispielsweise bei Kaiser's Tengelmann zehn und bei Tegut fünf Ausbilder hauptberuflich verantwortlich. "Für rund 1.000 Auszubildende wäre eine externe Qualifizierung kaum finanzierbar", so Ute Meier, Leiterin der Personalentwicklung bei Kaiser's Tengelmann.

Zusätzlichen werden vier Trainer für Fachseminare beschäftigt. Bei Tegut übernehmen rund 40 Mitarbeiter neben ihren normalen Funktionen Fachseminare. Dafür wurden sie extern geschult, erklärt Karl-Heinz Brand, Geschäftsleitung Mensch und Arbeit. Externe Trainer werden bei allen Handelsunternehmen zu ganz spezifischen Themen engagiert.

Ziel ist Unabhängigkeit

Einen Schritt weiter geht das Einrichtungshaus Ikea. Dort erhalten ausgewählte Führungskräfte eine vollwertige, zertifizierte Trainerausbildung. Ikea will sich damit zunehmend unabhängig von externen Trainer machen. Bislang wurden mehr als 60 Mitarbeiter von "Team Connex" ausgebildet.

"Unser Ziel war von Anfang an, den Wissensaustausch im Unternehmen zu fördern", erklärt Anna Hemmingson, verantwortlich für Weiterbildung bei der Ikea Deutschland GmbH & Co. KG. Das Training findet in heterogenen Gruppen statt - unabhängig von Standort, Funktionen, Fachbereich und Abteilung. Gestärkt werde damit außerdem das interne Netzwerk. "Nach der Abschlussprüfung halten und pflegen die meisten Kandidaten den Kontakt zu einander", so die Weiterbildungsleiterin.

Von der Ausbildung profitieren Arbeitgeber und -nehmer. Führungskräfte, die das Trainerzertifikat erworben haben, fühlten sich persönlich gestärkt und wertgeschätzt. Sie seien begeistert von der Weiterbildung, in der sie einen "großen persönlichen Entwicklungsschritt" sehen, so Hemmingson. "Nach der Ausbildung führen sie ihre Mitarbeiter anders und sind hochmotiviert."

Ikea entschied sich von Beginn an für eine vollständige Trainerausbildung. Sie wurde nicht von Team Connex individuell auf das Handelsunternehmen zugeschnitten.

Kostenvorteile nutzen

Neben den Kostenvorteilen im Vergleich zu externen Trainern haben interne deutlich bessere unternehmensspezifische Kenntnisse. Und: Sie sind nicht nur Theoretiker. Als Führungskraft sind sie täglich mit der Praxis konfrontiert. In diesem Kontext kennen sie die Stärken und Schwächen ihrer Mitarbeiter und sind mit deren Bedürfnissen vertraut.

Die Ausbildung umfasst fünf Unterrichtsmodule. Sie beinhaltet 16 Präsenztage, Eigeninitiative und ein Praxisprojekt. Ingesamt erstreckt sie sich über rund sechs Monate. Für das Praxisprojekt konzipiert jeder Kandidat ein eigenes Fachseminar inklusive Unterrichtsmaterial und eines Trainerleitfadens. Auf die Abschlussprüfung legen die Ikea-Kandidaten selbst Wert - als Lohn für Zeit, Mühe und Engagement.

Um die Trainerausbildung kann sich grundsätzlich jede Führungskraft bewerben - vom Team-, über den Abteilungsleiter bis hin zum Einrichtungshaus-Chef. Sie steht prinzipiell allen offen, doch nicht jeder ist dafür geschaffen. Mit den Interessenten führt Hemmingson zunächst ein Eignungsgespräch.

Outdoor-Sequenz, Foto:Ikea
Outdoor-Sequenz, Foto:Ikea
Entwickelt wurden dafür verschiedene Kriterien. Für die Teilnehmer folgt eine Orientierungsphase - unter anderem in einer Outdoor-Sequenz.

Außerdem beschäftigen sich die Kandidaten mit dem künftigen Anforderungsprofil eines Trainers, mit zentralen Begriffen und Modellen der Psychologie. Und sie nehmen eine individuelle Standortbestimmung vor.

Außerdem steht die Formulierung der persönlichen Projektarbeit auf dem Plan. In weiteren Einheiten geht es um Lernmethoden, Kontrollen, Didaktik, Moderation und Präsentation sowie Rhetorik.

Präsenzunterricht Trainerausbildung, Foto: Ikea
Ein weiterer Baustein widmet sich der Gruppendynamik und dem Konfliktmanagement. Im Rahmen der Zertifizierung werden die Projektarbeiten sowie eine Lehrprobe des Teilnehmers beurteilt.

Im Prinzip könnten die Ikea-Trainer mit dem Zertifikat als freiberufliche Trainer arbeiten. Mit der Ausbildung ist vertraglich weder eine temporäre Bindung noch eine finanzielle Beteiligung verknüpft. "Bisher wurden wir von keinem enttäuscht", sagt Hemmingson.

Die zertifizierten Trainer stehen im Intranet, worauf alle Häuser in Deutschland zugreifen können. So kann eine Führungskraft, die für ihre Abteilung ein bestimmtes Training braucht, direkt oder über die HR-Abteilung den Experten engagieren.

Die ausgebildeten Trainer haben in den vergangenen vier Jahren mehr als 5 600 Mitarbeiter unterrichtet. Die Multiplikation von Fach- und Sachwissen funktioniert bei dem Möbelhaus übergreifend. Zu den weichen Effekten dieser Form der Weiterbildung gehören verbesserte Arbeitsprozesse sowie eine erhöhte Arbeitsmotivation.

Und: Die Lernerfolge sind vielfach reproduzierbar. Ziel des Einrichtungshauses ist es, sich mittelfristig weitestgehend von externen Trainern unabhängig zu machen. (juh)

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