Schöne Aussichten für Arbeitgeber

von Judit Hillemeyer
Freitag, 07. September 2007
Fachkräftemangel und demographische Entwicklung führen unter den deutschen Arbeitgebern zum Wettbewerb um Hochschulabsolventen. In den Gunstbezeugungen der Studenten hat zwar die Automobilindustrie deutlich die Nase vorn, aber die Konsumgüterbranche rückt stetig auf.



Obwohl die Dominanz deutscher Automobilhersteller und Unternehmensberater als Wunscharbeitgeber unter Studenten ungebrochen ist, gewinnen Handelsunternehmen und Konsumgüterhersteller langsam aber stetig an Attraktivität.

Das lässt sich am jüngsten Absolventenbarometer ablesen, das das Berliner Trendence Institut erstellt. Befragt wurden zum neunten Mal angehende Wirtschaftswissenschaftler und Ingenieure zum Thema Berufseinstieg und den für sie attraktivsten Arbeitgeber.

Aus studentischer Perspektive ist BMW auf Platz eins der Wunscharbeitgeber schlechthin - wie bereits im vorangegangenen Jahr. Porsche folgt auf dem zweiten Rang in der Business Edition beziehungsweise auf dem dritten Platz in der Engineering Edition, in der Audi an zweiter Stelle steht. Bei den Studierenden und Absolventen der Wirtschaftswissenschaften ist mit Pricewaterhouse Coopers auf Platz drei, gefolgt von KPMG sowie Ernst & Young auf den Plätzen vier und fünf die Beliebtheit von Wirtschaftsprüfungsgesellschaften ungebrochen.

Interessante Aufgaben

Langfristig gesehen, so die Analysten, haben jedoch Handelsunternehmen und Konsumgüterhersteller bei den angehenden Wirtschaftswissenschaftlern deutlich an Attraktivität gewonnen. Besonders hervorzuheben sind Tchibo (Platz 23), Dr. Oetker (33) und Metro (32). Diese drei haben ihr Image in den vergangen fünf Jahren kontinuierlich verbessert und sind somit dauerhaft in der Gunst der Studenten gestiegen. Sie werden von den Studenten besonders mit den Attributen "Kollegialität" und "attraktive Arbeitsaufgaben" verbunden. Überraschend ist die Entwicklung der Discounter: Aldi-Süd fällt von Platz 27 im Jahr 2006 auf Position 45 und Lidl von Rang 72 auf 89 ab.

Nachdem die Mehrzahl der Studierenden in den vergangenen Jahren wenig hoffnungsvoll in ihre berufliche Zukunft blickte, sind sie in diesem Jahr wieder zuversichtlicher in Bezug auf ihre Karriere. "Die positive Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt und die Präsenz des Fachkräftemangels in der Öffentlichkeit führen dazu, dass sich die Studierenden weniger Sorgen um ihre berufliche Zukunft machen als in den letzten Jahren", erläutert Manja Ledderhos vom Trendence Institut. "Nur 17 Prozent sind der Meinung, dass es in diesem Jahr schwierig sein wird, eine Arbeitsstelle zu bekommen. 2006 erwarteten dies immerhin noch mehr als die Hälfte der Befragten.

Gebrochen scheint der Trend zur Bescheidenheit beim Geld. Fiel das erhoffte Jahresgehalt 2006 mit durchschnittlich 40.200 Euro bei den Wirtschaftswissenschaftlern beziehungsweise 42.000 Euro bei den Ingenieuren noch relativ genügsam aus, erwarten die Absolventen 2007 mit 42.000 Euro beziehungsweise 43.800 Euro durchschnittlich wieder mehr Gehalt pro Jahr. Den Berufseinsteigern ist gegenüber einem langfristig hohen Verdienstpotenzial ein gutes Einstiegsgehalt wieder wichtiger geworden.

Privates und Karriere

Gehalt allein ist nicht alles: Die Mehrzahl der Studierenden und Absolventen will ihr Privatleben nicht für die Karriere zurückstellen. Über 80 Prozent der Befragten empfinden eine Work-Life-Balance als "sehr wichtigen" oder "wichtigen" Faktor bei der Arbeitgeberwahl. Eine sichere Anstellung ist für die Absolventen ebenfalls ein entscheidendes Kriterium bei der Wahl ihres künftigen Arbeitgebers. 49 Prozent der Befragten empfinden die Sicherheit der Anstellung als "sehr wichtig" und immerhin 38 Prozent als "wichtig".

Von der Idee eines lebenslangen Arbeitgebers hat sich diese Generation längst verabschiedet. Ihr ist "bewusst, dass eine lebenslange Unternehmenszugehörigkeit nicht mehr die Regel ist und Erwerbsbiographien heute durch mehrere Arbeitgeberwechsel und verschiedene Tätigkeitsbereiche geprägt sind", so Ledderhos. Die Befragten erwarten im Laufe ihres Berufslebens bei durchschnittlich sechs Arbeitgebern zu arbeiten und nach vier Jahren ihren ersten Arbeitgeber zu verlassen. (juh)

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