Influencer Marketing Otto bildet 161 Jobbotschafter aus

von Julia Wittenhagen
Freitag, 26. Januar 2018
Corporate Influencer: Nutzen Social Media, Messen und Kongresse ganz gezielt, um potenziellen Bewerbern die Arbeit bei Otto schmackhaft zu machen.
Otto
Corporate Influencer: Nutzen Social Media, Messen und Kongresse ganz gezielt, um potenziellen Bewerbern die Arbeit bei Otto schmackhaft zu machen.
Mitarbeiterempfehlungsprogramme mit Erfolgsprämie gibt es in vielen Unternehmen. Der Versandhändler Otto ist im Oktober einen Schritt weitergegangen: Seitdem können sich Beschäftigte darin schulen lassen, wie sie als Jobbotschafter, neudeutsch "Corporate Influencer", noch professioneller über Arbeit und Arbeitgeber sprechen können.

Influencer für das Bewerbermarketing einzusetzen und dabei auf die eigenen Mitarbeiter zurückgreifen: Diese Idee ist beim Versandhändler Otto auf fruchtbaren Boden gefallen. Für die Begleitseminare haben sich schon 161 der 4 500 Mitarbeiter angemeldet. Je nachdem, ob man als Co-Recruiter, Socializer, Multiplikator, Fachexperte, Ideengeber oder Kontakter aktiv werden möchte, darf man Seminare zum Thema Social Media, HR-Kommunikation, Präsentation oder Personaldiagnostik auswählen. Nicht jeder wisse sofort, wie er seine Rolle ausfüllen kann. "Deshalb haben wir die Trainings aufgesetzt", erklärt Angelina Peipers, die bei Otto für Personalmarketing zuständig ist. Sie liefern Tipps, Tricks und das Handwerkszeug zur Außendarstellung, etwa zu Bildrechten oder Bildbearbeitung in den sozialen Medien. Was die Mitarbeiter daraus machen, "zensieren und kontrollieren wir nicht. Wir lassen die Kommunikation laufen, damit sie lebendiger wird", so Peipers.

Angelina Peipers: Bei Otto für Personalmarketing zuständig
Otto
Angelina Peipers: Bei Otto für Personalmarketing zuständig

Passend zu persönlicher Neigung und beruflicher Ausrichtung werden die freiwilligen Jobbotschafter dazu befähigt, auf Branchenveranstaltungen, Fachmessen, offiziellen Otto-Karriereseiten oder privaten Social Media Accounts über aktuelle Themen und Jobchancen bei dem Versender zu sprechen, mit Bewerben in Kontakt zu treten bis hin zur Begleitung ihres Vorstellungsgesprächs.

Atilla Wohllebe mit Hauptjob im Digital Push Marketing hat sich gleich für fünf Module entschieden. "Ich finde den Ansatz der persönlichen Ansprache spannend, weil ich selbst genau so zu Otto kam", sagt er. Zurückkam, muss man sagen, denn er kannte das Unternehmen bereits, war dann aber zwei Jahre für eine andere Firma tätig. "Bis mich auf einer Messe meine ehemalige Ausbildungsleiterin auf eine freie Stelle in ihrem Team ansprach, von der ich überhaupt nichts wusste, um die ich mich also auch niemals beworben hätte."

Atilla Wohllebe: Der Fachmann für Online-Marketing hat gleich fünf Trainings belegt
Berti Kolbow-Lehradt
Atilla Wohllebe: Der Fachmann für Online-Marketing hat gleich fünf Trainings belegt

Jetzt schreibt er selbst gelegentlich auf Facebook über seine Arbeit, postet bei Twitter witzige News aus der Firma, wie kürzlich die von der Patenschaft für Alpakas, und erzählt auf Messen und Konferenzen, wie es ist, bei Otto zu arbeiten. Im entsprechenden Training zur Arbeitgeberkommunikation habe er Anregungen bekommen und erfahren, wie Otto selbst kommuniziert. "Ob ich mich daran halte, ob die Fachbegriffe zu meinem Followerkreis passen, ist dann aber meine Entscheidung. Denn es geht ja vor allem darum, authentisch zu bleiben", sagt Wohllebe. Das gelte auch für die gewählten Social Media Kanäle.

Snapchat und Instagram nutzt der 26-Jährige nur selten. "Facebook und Twitter sind meine Kanäle. Dort spreche ich darüber, was meine Aufgabe ausmacht und ich stelle auch heraus, dass wir mit sehr modernen Technologien arbeiten, von denen viele Entwickler und ITler träumen." Instrumentalisiert fühlt er sich nicht. "Es geschieht alles auf freiwilliger Basis und ich finde es sehr reizvoll, dass ich Einfluss auf mein kollegiales Umfeld nehmen kann." Da er gern bei Otto arbeite und ein kommunikativer Typ sei, trage er gern dazu bei, dass sein Arbeitgeber mehr Reichweite bekommt. Wäre eine Stelle im Team frei, könnte er sich durchaus vorstellen, bestimmte Facebook-Follower direkt anzuschreiben. "Ich habe auch schon mal meinen besten Freund aus der Kindheit geworben."

Was so viele Mitarbeiter zur Beteiligung am Corporate-Influencer-Programm motiviert, weiß Angelina Peipers: "Sie können auf zukünftige Kollegen Einfluss nehmen, aber auch ihre Kompetenzen erweitern und ihr persönliches Umfeld", sagt sie. "Wer etwa als fachlicher Botschafter für IT agiert, kann selbst zur Marke werden."

Wie stark sich Mitarbeiter engagieren, bleibt ihnen überlassen. Ein Socializer kann zwei Veranstaltungen im Monat besuchen oder zwei in drei Monaten, passend zur Projektphase in seinem Job. "Auf jeden Fall geben wir ihm die Zeit, neben dem Fachjob auch als HR-Botschafter zu arbeiten", sagt Peipers. In die Außendarstellung durch viele Gesichter stecke Otto nicht ohne Grund Zeit und Geld: "Das ist etwas, was Bewerber heute einfordern. Sie wollen konkrete Informationen über ihren nächsten Arbeitgeber und Nähe zu seinen Mitarbeitern."

Die Vision hinter dem Jobbotschafterprogramm sei, "dass jeder, der hier eingestellt wird, vorher einmal Kontakt zu Mitarbeitern außerhalb der Personalabteilung hatte". Denn: "Die echten Einblicke vermitteln vor allem persönliche Begegnungen auf Konferenzen, bei Hochschul-Events oder beim Mittagessen mit zukünftigen Kollegen." Ob und wie intensiv der Kontakt stattgefunden hat, fragen die Recruiter bei jedem neuen Mitarbeiter zu Beginn ab.

Steigen durch das Corporate-Influencer Programm die Bewerberzahlen, könnte es auf die gesamte Otto Group ausgedehnt werden.

Wie man Influencer-Programme aufsetzt

Welche Mitarbeiter sind als Influencer für die gesuchten Jobprofile besonders relevant? Lässt man sie völlig unabhängig von der Unternehmenskommunikation auf eigenen Accounts bloggen oder müssen sie sich abstimmen? Welche Themen sind erlaubt, welche Tonalität erwünscht? Solche und andere Grundsatzfragen sollte man klären, bevor die Mitarbeiter selbst aktiv werden sollen. Das empfiehlt Mynewsdesk, ein schwedischer Anbieter von zentralen Unternehmensplattformen für digitale PR, Blog-Beiträge sowie Aktivitäten in externen Kanälen wie Facebook oder YouTube. "Treffen sie sich regelmäßig mit ihren Influencern", rät Mynewsdesk auch. Dies halte die Social Media Aktivität lebendig, kläre, welche Maßnahmen zum Erfolg führen und vermittle den Beteiligten Wertschätzung für ihre Extraaufgabe.
Zu möglichen Schulungsinhalten gehöre in jedem Fall Wissen um soziale Medien und Zielgruppen, um Content-Erstellung und Verbreitung in unterschiedlichen Kanälen. Formulierungsbeispiele und Checklisten zu Textlängen, Markennamen, gewünschter Bildsprache gebe auch ungeübten Mitarbeitern Sicherheit.

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