Ausbildung Initiative für mehrstufige Berufsbildung

von Redaktion LZ
Freitag, 20. September 2013
LZnet. Die Deutsche Gesellschaft für Personalführung (DGFP) und die HR-Alliance wollen die Berufsausbildung reformieren, attraktiver und flexibler machen. Eine neue duale Schulform soll Orientierung bieten und den Übergang erleichtern.
Obwohl das deutsche System der dualen Berufsausbildung von der Politik als Exportschlager gefeiert wird, bescheinigen die Personalorganisationen DGFP und HR-Alliance ihm mangelnde Attraktivität und Flexibilität. Seit Jahren gehe die Zahl der Auszubildenden kontinuierlich zurück, was nicht nur durch den demografischen Wandel zu begründen sei.

Zum einen drängen immer mehr junge Menschen in die akademische Bildung. Und zum anderen finden Jugendliche keinen Ausbildungsplatz oder brechen den Einstieg vorzeitig ab. Insbesondere das ungenutzte Potenzial bildungsferner Bevölkerungsgruppen gelte es künftig stärker in den Ausbildungsmarkt zu integrieren.

Thomas Sattelberger, Vorstandschef der HR-Alliance und Ex-Telekom- Personalvorstand, ist überzeugt, dass sowohl die Unternehmen als auch die Politik gefordert sind, sich aktiv für die Berufsausbildung einzusetzen, um den drohenden Fachkräftemangel zumindest abzumildern.

Mittelfristig müsse man dafür auf verschiedenen Ebenen ansetzen. Zur Verbesserung der Ausbildungsfähigkeit aller Jugendlichen müssten bereits die Schulen herangezogen werden. Die Personalorganisationen haben ein gemeinsames Memorandum entwickelt, mit dem sie an Unternehmen und Politik herantreten wollen.

Mangelnder Einblick in die Welt der Wirtschaft

Als wesentlichen Grund für das Scheitern beim Berufseinstieg haben sie mangelnde Einblicke von Schülern und Lehrern in die Wirtschaft ausgemacht. Es fehle schlicht an Orientierung und Perspektive. Deshalb setzen sie sich für eine engere Kooperation von Unternehmen und Schulen ein, die mehr und frühere Praktika, Exkursionen und Projekttage ermöglichen.

Ein weiterer Konzeptbaustein ist die "duale Schule". Dabei sollen Schüler der achten und neunten Klasse bereits tiefe Einblicke in den beruflichen Alltag bekommen, indem sie zwei Tage pro Woche im Unternehmen aktiv sind. "Wenn wir für diese Idee in absehbarer Zeit ein Pilotprojekt umsetzen, könnte es in zehn Jahren flächendeckend den Übergang ins Berufsleben verbessern", ist Sattelberger voller Hoffnung.

Um insbesondere schulschwache Jugendliche erfolgreich in die Ausbildung zu bringen, rät Katharina Heuer, Geschäftsführungsvorsitzende der DGFP, den HR-Verantwortlichen in den Unternehmen, gerade bei der Azubi-Suche eine stärken- und potenzialorientierte Auswahl zu treffen. Die Schulnoten sollten dagegen weniger Beachtung finden, denn sie würden keinen Aufschluss darüber geben, ob ein Jugendlicher motiviert eine Ausbildung durchlaufen kann.

Schulnoten nicht überschätzen

Auch das Ausbildungssystem selbst muss aus Sicht der Personalprofis weiterentwickelt werden, um der sinkenden Zahl potenzieller Azubis und dem Bedürfnis der Unternehmen nach Praxisnähe Rechnung zu tragen. Sie fordern deshalb mehrstufige Ausbildungswege. Eine kürzere Basisausbildung könnte möglicherweise die Abbrecherquote reduzieren.

Ambitioniertere Kandidaten könnten eine anspruchsvollere Profilausbildung machen und später weitere Bildungsstufen ergänzen, die auch im Rahmen eines Studiums angerechnet werden können. Die Experten für Human Resources versprechen sich davon mehr erfolgreiche Berufsabschlüsse und eine höhere Durchlässigkeit der Bildungssysteme.

Sie haben Fragen oder Anmerkungen zu diesem Artikel?
Schicken Sie eine Email an die Redaktion.

Hier können Sie die Nutzungsrechte an diesem Artikel erwerben.

Meistgelesen

stats