Interview "Instagram und Snapchat sind zurzeit die idealen Social-Media-Kanäle"

von Redaktion LZ
Freitag, 24. April 2015
Armin Trost, Professor für HR- Management an der Business School der Uni Furtwangen
LZ-Archiv
Armin Trost, Professor für HR- Management an der Business School der Uni Furtwangen
Herr Trost, Ikea hat das Foto-Portal Instagram für das Azubimarketing entdeckt. Was sagen Sie dazu?
Instagram, aber auch Snapchat, sind für dieses Thema derzeit ideale Social-Media-Kanäle. Wichtig ist die Kommentarfunktion zu den geposteten Fotos. Darüber können Dialoge geführt werden, etwa zur Ausbildungssituation im Unternehmen. Und wenn, wie auf #ikeaazubi beabsichtigt, die eigenen Leute mit potenziellen Bewerbern ins Gespräch kommen, ist das genau der richtige Ansatz.





Viele Unternehmen setzten bislang eher auf Facebook.

Für die Jüngeren ist Facebook mittlerweile tot. Denn wenn auch Eltern und Großeltern dort ein Profil haben, können sich Schüler darüber nicht mehr differenzieren. Der Kanal ist nicht mehr attraktiv.



Heißt das, Arbeitgeber sollten ihre Facebook-Aktivitäten einstellen?

Nicht unbedingt. Denn sie erreichen dort die Eltern – eine entscheidende Zielgruppe. Mit Blick auf die Schüler allerdings würde ich von Facebook abraten.



Wie sollten Unternehmen grundsätzlich mit Schülern in Kontakt treten?

Arbeitgeber sollten mit ihren eigenen Auszubildenden in den Dialog treten, sie um Rat fragen, sich auf sie einlassen und versuchen zu verstehen, wie sie ticken. Dann kann man gemeinsam mit ihnen in Workshops Ideen zur Personalgewinnung erarbeiten. Mit diesem Ansatz aber tun sich gerade sehr hierarchisch organisierte Unternehmen extrem schwer.



Welche Kontaktpunkte sind entscheidend?

Unternehmen müssen an die Schulen gehen. Und zwar nicht mit dem Ausbildungsleiter, der Folien präsentiert, sondern mit den eigenen Azubis, die den Schülern Rede und Antwort stehen. Die können das viel besser und authentischer – und die Schüler trauen sich, ihnen die Fragen zu stellen, die sie wirklich interessieren.



Schülermarketing steht bei fast allen Betrieben bereits auf der Agenda.

Aber viele machen den Fehler, bloß Informationen "reinzubuttern", in der Hoffnung, es kommt was zurück. Man gewinnt Schüler nicht, wenn man direkt mit ausbildungsrelevanten Inhalten kommt.



Sondern?

Man muss erst einmal Sympathiepunkte sammeln. Ziel ist, als Arbeitgeber "nett" gefunden zu werden. Das erreicht man am besten über möglichst informelle Veranstaltungen, bei denen man sich beschnuppern kann.



Was ist für Sie das schlimmste No-Go?

Wenn der Personalleiter in Kurzarmhemd und Krawatte auf Youtube erzählt, wie "cool" es in seinem Unternehmen zugeht!cd/lz 17-15

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