Industriekapitäne auf Zeit

von Judit Hillemeyer
Freitag, 03. April 2009
Hans Rolf Niehues
Hans Rolf Niehues
Wirtschaftskrise, knappe Ressourcen, zunehmender Wettbewerb - die mittelständisch geprägte Lebensmittelindustrie steht vor großen Herausforderungen. Personelle Lücken und der Zwang zur Restrukturierung erhöhen in den Führungsetagen den Druck. Diese Konstellation ist ein Türöffner für das Interim-Management.



"Der Interim-Manager ist ein Katalysator für einen notwendigen Veränderungsprozess", so Hans Rolf Niehues von Unternehmens-Partner in Rheine. Bevor er sich als Manager auf Zeit selbstständig machte, war er wie viele seiner Kollegen lange Zeit in der Industrie und im Handel beschäftigt.

Uwe Sacher
Uwe Sacher
"Besonders die Lebensmittelindustrie ist stark automatisiert und dennoch gezwungen, die Kosten weiter zu senken, sagt Interim-Manager Uwe Sacher. Zu den dringlichsten Aufgaben gehören aus seiner Sicht die Prozessoptimierung durch ein professionelles Prozess- und Changemanagement. "Sortimente müssen gestrafft und Prozesse methodisch effizienter gestaltet werden - und das in einem Wirtschaftsrahmen, in dem die Leitplanken enger gesteckt sind", beschreibt Sacher die Lage der Unternehmen.

Bei schrumpfenden Margen würden die Spielräume enger. Hierarchien und soziale Verflechtungen seien die häufigsten Hemmnisse, die es Unternehmen schwer machen, Prozesse von innen heraus anzustoßen und erfolgreich umzusetzen, so Niehues.

Im Gegensatz zu Unternehmensberatern, die in einer Stabsstelle angesiedelt sind, übernehmen die Interim-Manager Ergebnisverantwortung für ihre Arbeit in einer Linienposition. Sie verlassen das Unternehmen, sobald das Problem gelöst und eine stabile neue Unternehmens- oder Bereichsführung etabliert ist beziehungsweise nach dem Relaunch der betreffenden strategischen Geschäftseinheit.

Dass zunehmend deutsche Unternehmen die Scheu vor einem externen Impresario verlieren, bestätigte kürzlich der Arbeitskreis Interim Management Provider (AIMP) in Frankfurt. Er registriert eine Tendenz zu einer größeren Nachfrage nach Sanierungs- und Restrukturierungsmanagern. Dies sei Ausdruck der Finanz- und Wirtschaftskrise. Zudem seien immer weniger festangestellte Führungskräfte wechselwillig, so dass oft wichtige Stellen unbesetzt blieben. Das sei nicht nur in Deutschland so.

Ralf Guttek
Ralf Guttek
"Meine Aufgabe sehe ich darin, mit den internen Experten eine Neuausrichtung des Unternehmens auf die Beine zu stellen", sagt der Marketingspezialist Ralph Guttek, der unter anderem schon bei Quelle la Source in Frankreich tätig gewesen ist. Für ihn spielt Kundenorientierung eine ebenso wesentliche Rolle wie die Unternehmenskultur und das Personal.

Susanne Hofmann
"Die Mitarbeiter sind ein wesentlicher Bestandteil des Changemanagements", bestätigt Susanne Hofmann. Die Geschäftsführerin der Pfennigs-Feinkost GmbH in Sarstedt führt die Business Unit Regionalmarken/Foodservice im deutschen Bereich des britischen Unic-Konzerns. Das Interim-Geschäft kennt sie nicht aus eigenem Einsatz, sondern aus vielfältiger Nutzung - auch im derzeitigen Konzernumfeld: "Der Einsatz von Interim-Managern kann in der Projektarbeit sehr hilfreich sein", findet sie. Doch für Hofmann ist die Geschäftsleitung "der Motor aller Veränderungsprozesse".

Bernhard Maatz
Bernhard Maatz
Die Aufgabe des Vermittlers eines Managers "besteht vor allem in der Auswahl eines geeigneten Kandidaten - aus betriebswirtschaftlicher und psychologischer Sicht", betont Bernhard Maatz, Geschäftsführer der Rem Plus GmbH in Stuttgart. Nach Beendigung eines Mandates sind neu gefasste Strukturen noch anfällig. Für Hofmann müssen deshalb Veränderungen in erster Linie nachhaltig gelebt werden.

Leicht ist der Stand eines kommissarisch Bevollmächtigten nicht. Problematisch wird es, wenn Branchenfremde zu lange für die Einarbeitung brauchen, das vorhandene Führungsteam den Externen nicht akzeptiert, die Investitions- und Sanierungsentscheidungen von den Banken nicht getragen werden.

Häufig werden Ältere als Interim-Manager tätig, die bereits in verschiedenen Unternehmen als Führungskraft aktiv waren. Zunehmend drängen auch Frauen in diese Männerdomäne. Die Bandbreite der Manager auf Zeit reicht von erfahrenen Fachleuten bis hin zu Generalisten mit langjähriger Branchenerfahrung.

Angesiedelt ist das Interim-Management in Deutschland vorwiegend im Bereich größerer mittelständischer, industrieller Unternehmen. Die meisten Einsätze werden derzeit über das persönliche Netzwerk vermittelt, nur 20 Prozent von Providern, schätzen Branchenkenner. (juh)

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