Retter in der Not

von Judit Hillemeyer
Freitag, 25. September 2009
In Krisensituationen setzen Unternehmen auf Hilfe von außen. Ein Retter in der Not ist der Interimsmanager. Experten übernehmen zeitgebunden Managementaufgaben in einem Unternehmen. In Deutschland gestaltet sich der Anbietermarkt für Interimsmanagement heterogen. Er ist von unterschiedlichen Anbietertypologien geprägt. Neben Dienstleistern mit Fokus auf die Besetzung individueller Top-Positionen agieren in dem Markt auch einige, die auf hohe Qualifikationen spezialisiert sind, so die Lünendonk-Trendstudie 2009.



Häufig werden Interimsmanager im Krisenmanagement, zur Überbrückung von personellen Ausfällen oder zeitweise als Bereichsleitung eingesetzt, um einen Unternehmensteil zu sanieren. Sie gelten als Feuerwehr der Betriebsführung, die eine oft unliebsame Umstrukturierung, Schließung oder Abwicklung eines Unternehmens übernehmen.

"Je nach Marktlage verändern sich die Anforderungen an Interimsmanager", sagt Holger Dahl, Geschäftsführer der Amadeus GmbH. Ganz oben auf der Hitliste der gesuchten Spezialisten stehen derzeit Sanierer. Das bestätigt auch Harald Heil, Geschäftsführer der Greenwell Gleeson Germany. Während es zuvor um Mandate zur Ertragssteigerung ging, steht heute die Rettung eines Unternehmens im Vordergrund wie bei Opel, Escada, Schiesser und Karstadt.

Verstärkte Projektarbeit

"Die Konsumgüterwirtschaft ist im Verhältnis zur Automobil- und Textilindustrie weniger von Sanierungsaufgaben betroffen", so Jörg Schön, Partner der Kodas GmbH, Executive Search mit Schwerpunkt in der Konsumgüterbranche. In jüngerer Zeit werden Interimsmanager verstärkt im Rahmen von Projektarbeit eingesetzt, wenn die eigenen Kapazitäten des jeweiligen Unternehmens nicht ausreichen. Gleiches gilt für Spezialthemen, für die ein Unternehmen Kapazitäten nicht auf Dauer vorhalten muss.

Wie beispielsweise bei einer Werksverlagerung, erläutert Schön. In der Konsumgüterindustrie werden auch Positionen mit einem Interimsmanager besetzt, wenn durch Kündigung eine Funktion neu besetzt werden muss, aber die Rekrutierung einen längeren Zeitraum in Anspruch nimmt. In der Regel überbrückt ein Interimsmanager eine Zeitspanne von acht bis neun Monaten, sagt Schön.

Die Zurückhaltung der Deutschen beim Interimsmanagement im Verhältnis zu den Niederlanden und Großbritannien habe sich vor allem bei international agierenden Unternehmen gelegt.

Positionen zügig besetzen

Die größere Kundenbranche ist die Automobil- und Zulieferindustrie mit 23,6 Prozent. Die Konsumgüterwirtschaft ist zurückhaltender. In den vergangenen zwei Jahren betrug der Branchenanteil im Interimsmanagement rund 12 Prozent. Der Einzelhandel gilt für das Interimsmanagement als eher schwierig. Hier würden am liebsten Mandate an Manager mit Stallgeruch vergeben.

Laut Lünendonk haben in Deutschland im vergangenen Jahr etwa 8 000 Interimsmanager ein Umsatzvolumen von etwa 1 Mrd. Euro erwirtschaftet. Rund ein Drittel der Nutznießer sind mittelständische Firmen bis zu 5 000 Mitarbeitern. Besetzt werden vor allem Positionen auf der ersten Führungsebene.

Im Wesentlichen wurden die Freiberufler in den Bereichen Finanzen, kaufmännische Leitung und Controlling (33,6 Prozent) eingesetzt. 20,5 Prozent waren im General Management aktiv, nur knapp 8,7 Prozent in der Produktion und Fertigung, gefolgt von Personalwesen (7,7) und Einkauf (7,3).

Die Positionen müssen zügig besetzt werden. Alle Anbieter verfügen über einen eigenen Pool und sie unterhalten ein mehr oder weniger großes Netzwerk. Ein Mandat wird in der Regel innerhalb von 10 bis 22 Tagen vergeben.

Die meisten Anbieter schätzen laut Lünendonk den Markt für das Jahr 2009 optimistisch ein. Sie erwarten ein Marktwachstum von durchschnittlich 7,2 Prozent. (juh)

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