Interview "Führungskräfte müssen sich auch auf Schwierigkeiten einlassen"

von Redaktion LZ
Dienstag, 22. Dezember 2015
Jörg-Detlef Gauger, WfbM-Geschäftsführer
WfbM
Jörg-Detlef Gauger, WfbM-Geschäftsführer
Die Werkstätten für behinderte Menschen (WfbM) betreiben seit Sommer 2015 einen "Nah & Frisch"-Markt in Burhafe. Der Nahversorgungsmarkt bietet auf 500 qm rund 8.000 Artikel. Mittelfristig sollen dort bis zu zwölf Menschen mit Handicap beschäftigt werden.

Herr Gauger, welche Aufgaben übernehmen Menschen mit Handicap im Markt in Burhafe?

Grundsätzlich sollen alle im Marktalltag anfallenden Aufgaben gleichermaßen von dort tätigen Menschen übernommen werden - egal ob mit oder ohne Handicap. Vom Verräumen der Ware, über die Arbeit an der Kasse bis hin zum Lieferdienst. Dennoch ist es natürlich insbesondere bei Mitarbeitern mit einer Einschränkung wichtig, genau darauf zu achten, was sie im Zuge ihrer persönlichen Fähigkeiten und Möglichkeiten leisten können und sie entsprechend einzusetzen.

Was war die Motivation, das Inklusionsmodell der WfbM zu unterstützen?

Behinderte Menschen sind ein wertvoller Teil der Gesellschaft, darum sollten wir ihnen alle Chancen bieten, sich in das "normale" Leben zu integrieren – auch auf dem Arbeitsmarkt. Unsere Erfahrungen bei der Beschäftigung von Menschen mit Handicap und insbesondere in Inklusionsmodellen sind durchweg positiv. Die Menschen sind stolz, dass sie innerhalb ihrer Möglichkeiten einen Beitrag leisten können und freuen sich über ihre Arbeit. Die Zusammenarbeit von Menschen mit und ohne Behinderung funktioniert in unseren Betrieben sehr gut. Die Menschen ergänzen und unterstützen sich und wir haben ein sehr harmonisches Arbeitsklima.

Welche Anforderungen stellen die Mitarbeiter an Führungskräfte und Kollegen?

Die Zusammenarbeit von Menschen mit und ohne Behinderung erfordert von den Kollegen und insbesondere von Vorgesetzten ein besonderes Feingefühl. Respekt und Wertschätzung füreinander sowie die Fähigkeit, die Leistungsmöglichkeiten der Menschen mit Handicap richtig einzuschätzen, sind ebenfalls essentiell. Die Kollegen müssen bereit sein, sich auf diese Zusammenarbeit mit allen ihren Besonderheiten und manchmal auch Schwierigkeiten einzulassen, sonst kann Inklusion langfristig nicht funktionieren.

Was sollte man bei der Beschäftigung von Menschen mit Handicap beachten?

Wer Menschen mit Handicap beschäftigt, sollte sich sehr intensiv mit den arbeitsrechtlichen Vorgaben auseinandersetzen, um zunächst die Basis für die Beschäftigung dieser Kollegen zu schaffen. Zudem muss man sich bewusst machen, was die Beschäftigung von Menschen mit Handicap auch im Bereich der persönlichen und sozialen Kompetenzen bedeutet. Insbesondere bei einem Inklusionsmodell müssen auch die Vorgesetzten und Kollegen nach diesen Kriterien ausgewählt werden, um eine erfolgreiche Zusammenarbeit zu gewährleisten.

Und wo findet ein solches Inklusionsmodell Unterstützung von außen?

Für das Inklusionsmodell in Burhafe haben wir mit der Markant Nordwest, einer Tochter der Bünting-Gruppe, einen starken Partner gefunden. Markant hat eine hohe regionale Identität und ein ausgeprägtes regionales Verantwortungsbewusstsein sowie weitere Märkte in diesem Modell. Darum sind wir froh, dass Markant Nordwest uns zur Seite steht.

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