"Bachelors sind noch rar"

von Redaktion LZ
Freitag, 04. Juni 2010
Michael Möller
Rewe Group
Michael Möller

Lebensmittel Zeitung: Herr Möller, hat Rewe bereits erste Bachelor- und Master-Absolventen unter Vertrag genommen?

Michael Möller: Unter den Praktikanten und Werkstudenten der Rewe Group finden sich bereits eine Reihe von Bachelor- und Master-Studenten. In der Kölner Zentrale wurden bisher allerdings erst wenige Bachelors fest eingestellt. Sie konkurrieren natürlich mit Kommilitonen, die ein duales Studium bei uns absolvieren. Auch Master-Absolventen sind in der Zentrale noch rar gesät. Dies liegt daran, dass zurzeit viele Spezialistenfunktionen zu besetzen sind, die eine gewisse Berufserfahrung voraussetzen.

LZ: Wie ist es um die Ausbildung der Bachelor-Absolventen bestellt?
Möller: Hier fundierte Aussagen zu treffen, fällt nicht leicht. Der Beobachtungszeitraum ist noch zu kurz. Die Studenten klagen über volle Lehrpläne, Schwierigkeiten des Wechsels zwischen den Universitäten und darüber, dass Auslandsaufenthalte nur schwer zu realisieren sind. Außerdem herrscht Verwirrung darüber, unter welchen Bedingungen ein Master-Abschluss angestrebt werden kann.

LZ: Sind Bachelor-Studiengänge verschulter als die vormalige Diplom- oder Magisterausbildung?


Möller: Bei den eingehenden Bewerbungen fällt auf, dass die Anzahl der Praktika oder weiteren Berufserfahrungen wie beispielsweise Werkstudententätigkeiten stark rückläufig ist. Gerade die praktischen Erfahrungen sind aber ein wichtiges Bewertungskriterium im Rekruitingprozess.

LZ: Lassen sich einzelne Abschlüsse und Hochschulen überhaupt noch miteinander vergleichen?

Möller: Da haben sie recht. Seitens der Unternehmen muss eine neue Bewertung der Qualifikationen und Qualität der Studieninhalte der einzelnen Universitäten vorgenommen werden. Erfahrungswerte über die Universitäten und Fachhochschulen sind zum Großteil obsolet. Hochschul-Rankings, die auf dem Markt erhältlich sind, lösen dieses Problem nur zum Teil, da sie lediglich Studienbedingungen bewerten und nicht die Qualifikationen der Absolventen messen können.

LZ:
Ist der Berufsstart für Bachelors schwerer als für Diplomer?

Möller: Für Bachelor-Absolventen ohne vorherige Ausbildung oder ohne anschließendes Master-Studium kann der Einstieg ins Berufsleben aufgrund geringerer praktischer und theoretischer Erfahrungen schwieriger sein als für Diplomabsolventen.

LZ:
Wirkt sich die Reform auf die Höhe der Einstiegsgehälter aus?

Auch hier ist der Beobachtungszeitraum zu kurz, um eine fundierte Aussage zu treffen. Bisher hat die Bologna-Reform nicht zu einer strukturellen Anpassung der Einstiegsgehälter geführt. Alle Trainees erhalten derzeit, unabhängig vom erreichten Abschluss, ein identisches Gehalt. Eine Veränderung der Gehaltsstruktur ist jedoch nicht auszuschließen. 
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