"Motiviert und lernfähig"

von Redaktion LZ
Freitag, 04. Juni 2010
Ulrike Detmers
Mestemacher
Ulrike Detmers
Lebensmittel Zeitung: Frau Detmers, hat die Großbäckerei Mestemacher schon Bachelor-Absolventen eingestellt?
Ulrike Detmers: Ja, haben wir – einige wenige.

LZ: Und wie zufrieden sind Sie mit dem Ausbildungsniveau der Unternehmenseinsteiger? Wurden die von den Unternehmen erhofften Ziele wie etwa kürzere Studienzeiten erreicht?


Detmers: Die rekrutierten Nachwuchskräfte besitzen ausbaufähiges Basiswissen, sind motiviert und lernfähig. Wir bei Mestemacher fördern die Weiterentwicklung dessen, was die jungen Menschen mitbringen. Wir passen die Qualifikationsprofile an unsere Anforderungen an durch Mentoring und zeitliches sowie abteilungsgegliedertes Hineinführen in den späteren Funktionsbereich. So lernen die Neulinge abteilungsübergreifendes Denken und Unternehmenskultur kennen.

LZ: Wo liegen deren Stärken?

Detmers: Die Fähigkeiten in der Informations- und Kommunikationstechnologie sind bei der Generation Facebook gut und schnell ausbaufähig. Für ein modernes und international agierendes Unternehmen wie die Mestemacher-Gruppe sind diese fachlichen Qualifikationen nützlich.

LZ: Und wie beurteilt die Wissenschaftlerin Ulrike Detmers die junge Absolventengeneration?

Detmers: Dynamisch und internationalisiert. Die Studierenden sind anspruchsvoll und bevorzugen die Verbindung von Theorie und Praxis.

LZ: Kritiker beklagen, Bologna habe zu einer Verschulung des Studiums geführt. Stimmt das?

Detmers: Der Leistungsdruck hat sicher zugenommen. Die Talente werden damit aber meiner Erfahrung nach gut fertig. An den Hochschulen ist zu ihrer Entlastung die psychologische und fachliche Unterstützung durch Tutorenarbeit gestärkt worden. Wer dann in die höheren Sphären des akademischen Bereichs aufsteigen will, macht den Master-Abschluss.

LZ: Einige Beobachter monieren, dass es dem akademischen Nachwuchs infolge der Straffung des Lehrstoffs und der zeitlich recht rigide angelegten Lehrpläne an Fachwissen und Lebenserfahrung fehlt. Wie sind Ihre Erfahrungen?

Detmers: Das fachliche Grundwissen ist da und kann vertieft werden. In der Wissensgesellschaft ändert sich vieles in immer kürzeren Zeitabständen. Das Grundwissen muss sowieso ständig aufgefrischt werden. Die Absolventen sind eher pragmatisch und international orientiert. Sie zieht es vor allem in die größeren Städte.

LZ: Zahlen Unternehmen den im Vergleich zu früher jüngeren Hochschulabsolventen niedrigere Einstiegsgehälter?

Detmers: In der Regel nicht. Es kommt natürlich maßgeblich auf die Qualifikation an. Die Berufseinsteiger sind akademisierte Gesellen und können und müssen ihren Marktwert durch Berufserfahrung und Spezialkenntnisse steigern.

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