Betriebswirtschaft und Kunst

von Ulla Bosshammer
Freitag, 09. Juli 2010
Miriam Gottfried
Miriam Gottfried
Nach einem Studium mit Seminaren in Kunst und Kultur Regale einräumen – will man das? Diese Frage bekommt Miriam Gottfried öfter gestellt. Die 24-Jährige ist Absolventin der Alanus-Hochschule und arbeitet bei dm, dem Drogeriemarktfilialisten aus Karlsruhe.
Seit Kurzem leitet sie eine Filiale. Nun kümmert sie sich darum "dass der Laden läuft", wie sie ihre Tätigkeit salopp zusammenfasst. Dass die Filiale tipptopp aussieht, die Ware am rechten Platz steht, die Kunden gut bedient werden.

Miriam Gottfried zählt zu den Ersten, die einen neu geschaffenen Studiengang abgeschlossen haben. Erstmals vor drei Jahren bot die Alanus-Hochschule eine Kombination aus Betriebswirtschaftslehre und Kunst an. Im Prinzip ein duales Studium, bei dem sich Phasen der Theorie und längere Einsätze in der Praxis abwechseln – mit einer ganz besonderen Note. Denn es fordert Phantasie auch in der Ökonomie. Und die Studenten belegen neben BWL Seminare in Bildhauerei oder Malerei.

Das Karlsruher Unternehmen ist einer der Praxisbetriebe der Hochschule. Und Götz W. Werner, Gründer von dm, einer derjenigen der das außergewöhnliche Projekt mit ins Rollen gebracht hat. Er sieht in der Kreativität eine wichtige Tugend im unternehmerischen Alltag. Uninspirierte Konzepte halten seiner Meinung nach dem harten Wettbewerb nicht mehr Stand.

Kreativität als unternehmerische Tugend

Mit Gottfried arbeiteten 14 weitere Alanus-Studenten während ihrer Praxisphasen in Filialen von dm. "Wir hatten das Glück, Pioniere zu sein, die Ersten, die diesen Studiengang durchliefen", urteilt sie im Nachhinein. Dadurch entstand viel Freiraum. Denn das Procedere formte sich gerade. Die umtriebige Gottfried gab sich nicht damit zufrieden, die Arbeit in der Filiale kennenzulernen. Sie wollte das gesamte System verstehen – und traf bei dm auf große Offenheit.

So begleitete sie Gebietsverantwortliche, war unterwegs mit dem Projektleiter Bau, fuhr mit den Akquisiteuren zu möglichen Standorten und schnupperte in der Zentrale in möglichst viele verschiedene Ressorts. "Das alles hat mir ein Gesamtbild vermittelt, wie das Unternehmen tickt", blickt sie zurück.

Für die frisch gebackene Filialleiterin stand von Anfang an fest, dass sie nach dem Hochschulabschluss bei dm bleiben wollte. Ihr gefällt das typische Sortiment, dass es dort neben Drogeriewaren Bio- und Naturkosmetikartikel gibt. Und auch die Kultur bei dm schätzt sie. Sie passt zu ihrer Vorstellung vom Umgang unter Kollegen. Größtmögliche Eigenverantwortung lautet das Prinzip.

Prinzip größtmöglicher Eigenverantwortung

So bestimmen etwa die Mitarbeiterinnen – meist sind es Frauen – ihre Arbeitszeiten selbst. Der Einsatzplan wird einige Wochen zuvor ausgehängt. Darin trägt jede ihre Zeiten ein. Der Rest wird verteilt. Dieses Vorgehen baut darauf, dass man neben eigenen Wünschen die Belange der Kollegen sowie der Filiale berücksichtigt.

"Das funktioniert gut", bestätigt Gottfried diese Form der Organisation. "Alle sind aufgefordert, fair zu sein. In bestimmten Abständen muss jeder mal früh oder spät ran oder samstags arbeiten", erklärt sie. Und weil sie Frühaufsteherin ist, trägt sie sich gerne zur ersten Schicht ein: "Dann komme ich mal eher raus." Schließlich ist man bei dm auch als Filialleiterin in erster Linie Mensch.
(ub)

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