Köln statt Moskau

von Ulla Bosshammer
Freitag, 30. April 2010
Frauen sind im Logistikressort noch rar gesät. Nachwuchsmanagerin Juliane Partsch ist eine von ihnen. Sie arbeitet seit kurzem an einen anspruchsvollen Projekt mit, dem Umbau der Rewe-Logistik.
Auf nach Moskau, dachte sich Juliane Partsch, und suchte nach Unternehmen, die in dieser Region unterwegs sind. Da stand sie kurz vor dem Abschluss ihres Studiums "Cultural Engineering", eine Kombination aus Kulturwissenschaft, Wissensmanagement und Logistik.

Russisch hatte sie bereits in der Schule gelernt, Auslandssemester und Praktikum in Nischni Nowgorod verstärkten ihr Faible für das Land. Eher zufällig stieß sie auf die Rewe. Nach einem Einkauf schaute sie sich die Homepage an. Und stellte fest, dass der Händler den Einstieg in Russland vorbereitete. Statt in Moskau aber landete sie in Köln.

Doch ihre Aufgabe dort ist nicht minder spannend wie die Expansion auf fremdem Terrain. Als Referentin von Vorstand Frank Wiemer arbeitet sie an Deutschlands anspruchsvollstem Logistikprojekt mit. Mehr als 600 Millionen Euro gibt die Rewe aus, um ihre Beschaffung und Warenverteilung auf modernste Strukturen umzustellen. Ein wichtiger Baustein ist die Trennung der Verteilstrukturen von Discounter Penny und Rewe-Vollsortimenter. 2012 soll das Megaprojekt abgeschlossen sein.

Vor kurzem hat Partsch ein zweijähriges Rewe-Group-Traineeprogramm beendet, in dem sie vor allem in der zweiten Hälfte einen starken Schwerpunkt auf die Logistik legte. "Das Bodenständige daran gefällt mir", sagt sie. Zwei Monate lang packte sie im Logistiklager Großbeeren bei Berlin mit an. Später führte sie eine Station nach Österreich, um im Lager in Wiener Neudorf internationale Luft zu schnuppern. Denn über die Zentrale in Wien steuert die Rewe-Tochter Billa das Osteuropageschäft. Auch in Bulgarien war sie für kurze Zeit.

Wie jedes Einstiegsprogramm legt auch das der Rewe-Group Wert auf Erfahrungen im alltäglichen Geschäft einer Filiale. Und obwohl die 26-Jährige keine Handelserfahrung hatte, blieb der oft beschworene Praxisschock aus. Wohl weil sie sehr offen und mit viel Neugierde auftrat. Außerdem half sie mit bei der Integration der Extra-Supermärkte in Berlin. Da musste sie neuen Mitarbeitern Kultur und Systeme erklären, die sie sich selbst gerade erarbeitet hatte. Sie erfuhr von deren Ängsten und half sie zu zerstreuen.

Inzwischen ist ihr Moskau-Traum in weite Ferne gerückt. Doch die Option auf einen internationalen Einsatz bleibt. Zumal die Nachwuchsmanagerin perfekte Voraussetzungen dafür mitbringt.
(ub)

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