Jobsuche findet zunehmend im Internet statt

von Redaktion LZ
Freitag, 06. August 2004
LZ|NET. Online-Jobbörsen kämpfen um Stellenanzeigen und InserentenDie digitalen Akteure schalten monatlich Tausende von Anzeigen. Dazu gehören auch Offerten von Handelshäusern und Industrieunternehmen.



Das Internet - einst einem kleinen Nutzerkreis vorbehalten - ist ein Medium, das von Arbeitgebern und Arbeitnehmern gleichermaßen genutzt wird. Laut des europäischen-amerikanischen Marktforschers Jupiter haben derzeit in Deutschland 20,4 Millionen Haushalte (53 Prozent) einen Internetanschluss. Diese Zahl soll bis 2007 auf schätzungsweise 60 Prozent ansteigen.

Wer einen Arbeitsplatz sucht oder anbietet, hat die Wahl zwischen rund 400 Stellenbörsen in Deutschland. Konzerne und rund 80 Prozent des Mittelstandes sind im Internet präsent.

Sie haben häufig eigene Karriereseiten und nutzen sie zur Akquise des Nachwuchses und Annoncierung von Stellenangeboten. Um die Reichweite zu erhöhen, nehmen sie Jobbörsen für ihre Offerten in Anspruch.

Grund sind vor allem eine Kostenreduktion und ein vereinfachtes Bewerbungsprozedere durch elektronische Selektion.

Vom Manager bis zum Kassierer

Lidl ist neben Plus und dem Otto-Versand einer der Kunden von Jobscout24. Der Discounter schreibt pro Jahr mehr als 100 Stellen aus - vom Marktleiter über Substituten und Manager bis hin zum Kassierer, sagt Harald Lenz, Geschäftsführer von Jobscout24.

Diese Kooperation besteht seit zwei Jahren. Exklusivverträge gibt es nicht. Lidl schreibt außerdem Stellen bei dem amerikanischen Anbieter Monster aus, wo auch Tesa, Markant, Alnatura und Nike Bereichsleiter, Category Line Manager oder Sortimentsentwickler suchen.

Monster annonciert über den deutschen Markt hinaus auch internationale Jobangebote. Deutscher Marktführer ist Jobpilot, wo Unternehmen wie Coca-Cola, Bonduelle, Coop und Nestlé digitale Anzeigen schalten. Der Dienstleister wurde im Frühjahr diesen Jahres von Monster übernommen.

Weder Jobpilot noch der Wettbewerb beschränken sich auf spezifische Branchen, auch wenn bestimmte Berufsfelder unterschiedlich stark vertreten sind. Ein solcher Fokus ist nicht gewollt: "Controller sind nicht auf eine bestimmte Branche festgelegt, wenn sie sich beruflich neu orientieren", sagt Lenz.

Anzeigen kombinieren

Während sich Stepstone zusätzlich mit einem speziellen IT-Karriereportal präsentiert. Eine Kombination aus Zeitungs- und Online-Annonce bietet Wettbewerber Stellenanzeigen.de mit dem so genannten "Kombiprodukt".

Eine gedruckte Anzeige erscheint bei einem der dreißig Kooperationspartner. Die digitale Annonce ist in der Regel vier Wochen präsent. Von diesem Modell machen vor allem kleine und mittelständische Händler Gebrauch.

Diese Kundengruppe sei ähnlich wie Handwerker unsicher, ob eine reine Online-Anzeige tatsächlich die richtigen Kandidaten erreicht, erklärt Angela Wolf, Pressesprecherin von Stellenanzeigen.de, zu dessen großen Kunden Melitta und Miele zählen.

Konsequent auf Online-Anzeigen setzt ein Unternehmen bei Jobscout24. "Wir haben einen deutschen Möbelhausfilialisten mit 8 000 Mitarbeitern, dessen Personalchef keine postalischen Bewerbungen mehr möchte", so Lenz.

Kostenvorteile im Internet

Hintergrund sei ein klares Kostenmanagement, denn das gesamte Absageprozedere koste pro Vorgang bei einer Vollkostenrechnung zwischen 5 und 8 Euro. Bei mehr als 200 Interessenten pro Stelleninserat, summieren sich das erheblich.

Die Vorteile einer digitalen Offerte liegen auf der Hand: Während eine Stellenanzeige im Netz bis zu acht Wochen präsent sein kann, steht sie in der Zeitung in der Regel nur einmal.

Die meisten Jobbörsen bieten zudem Personalmanagementsoftware zur Bewältigung eingehender Bewerbungen. Dazu gehören auch standardisierte Bewerbungsmasken. Je höher die ausgeschriebene Position, um so eher gestalten die Bewerber ihre digitalen Unterlagen selbst.

Zur Selektion können Stellenanbieter bestimmte Suchprofile hinterlegen, um geeignete Bewerber leichter zu filtern. Stellengesuche werden automatisch in dieses Prozedere integriert.

Viele Dienstleister bieten ihren Kunden einen Vorauswahlservice. Die eingehenden Bewerbungen werden gesichtet und zum Teil telefonisch "überprüft". So entsteht eine Kandidatenhitliste, die dem Kunden an die Hand gegeben wird.

Alternative zur klassischen Anzeige

An diesem Punkt endet in der Regel der Service. Jobbörsen sind keine Personalberatungsunternehmen. Und damit stoßen sie auch an ihre Grenzen. Top-Positionen, sprich die ersten drei Führungsebenen eines Konzerns wie Metro, können und werden auf diesem Wege nicht besetzt.

Online-Stellenmärkte sind eine Alternative zur klassischen Anzeige. Es bleibt abzuwarten, ob sie sich mittelfristig durchsetzen. Auf Datenschutz achten dabei alle Anbieter. Jobscout24 arbeitet mit dem Fraunhofer Institut zusammen.

Mit deren Hackern wurde ein sportlicher Wettbewerb ausgelotet: "Wir haben einen Preis von 5 000 Euro ausgelobt, wenn sie es schaffen, bei uns reinzukommen", sagt Lenz. "Das versuchen sie seit drei Jahren vergeblich".

Im Wettlauf

Im Wettrennen mit den Jobbörsen um Inserenten haben Zeitungen noch die Nase vorn: Laut einer Untersuchung der Index Internet und Mediaforschung GmbH, Berlin, platzieren 55,07 Prozent der Unternehmen ihren Stellenanzeigen ausschließlich in Printmedien und 32,93 Prozent im Internet. 12 Prozent nutzen beide Medien für ihre Offerten. Das ist das Ergebnis einer Marktanalyse von 43 Quellen (6 kommerzielle Online-Jobbörsen und 37 Print-Quellen) aus dem 1. Quartal dieses Jahres.

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