Expansion sichert Arbeit

von Judit Hillemeyer
Freitag, 06. Januar 2006
Die Expansion im Ausland bringt neue Jobs im Inland. Diese Erkenntnis geht aus "Unternehmertum Deutschland" hervor, einer Mittelstandsuntersuchung des Lehrstuhls für Mittelstand, Existenzgründung und Entrepeneurship (Lemex) der Universität Bremen sowie der Wissenschaftlichen Hochschule für Unternehmensführung (WHU) in Vallendar bei Koblenz und der Unternehmensberatung McKinsey.



Für die Studie wurden bundesweit 5.000 Unternehmen des industriellen Mittelstandes mit einem Umsatz zwischen 50 Millionen Euro und drei Milliarden Euro zu den Themen Strategie, Führung, Finanzierung, Internationalisierung und Innovation befragt.

In der öffentlichen Diskussion wird mittelständische Aktivität im Ausland meist mit dem Wegfall von Jobs im Inland assoziiert. Doch die Realität sehe anders aus: Für jeden Arbeitsplatz, den erfolgreiche deutsche Mittelständler im Ausland schaffen, entstehen mehr als zweieinhalb Jobs im Inland.

Jörg Freiling, Professor am Fachbereicht Wirtschaftswissenschaft der Uni Bremen und einer der Autoren der Studie, warnt allerdings vor einfachen Rezepten. Ein unüberlegtes Internationalisieren um des Internationalisierens willen führe nicht zum Erfolg.

Erfolgreich investieren

Dies wird deutlich beim unterschiedlichen Abschneiden von gut und schwach positionierten Mittelständlern. Die besten 40 Prozent der Unternehmen aus den untersuchten Branchen haben von 1998 bis 2003 durchschnittlich jeweils 166 Arbeitsplätze im Ausland aufgebaut.

Gleichzeitig schufen sie 431 neue Jobs in Deutschland. Bei den weniger erfolgreichen Mittelständlern sieht die Rechnung anders aus: Sie bauten im Durchschnitt 100 Stellen je Unternehmen in Deutschland ab, während ihre Mitarbeiterzahl im Ausland jeweils um 28 stieg.

Erfolgreiche Mittelständler, so die Untersuchung, sind auf allen relevanten Märkten präsent; nicht nur mit Vertrieb, sondern auch mit Produktion, Einkauf und immer häufiger mit Forschung und Entwicklung.

Die Verlagerung von Arbeitsplätzen ins Ausland bereitet dennoch Kopfschmerzen. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) spricht bereits von einer "brisanten Entwicklung für den Innovationsstandort Deutschland".

Jobverlagerung macht Angst

Der kostenbedingten Produktionsverlagerung folge die Verlagerung von Wissen, so der DIHK. Bereits ein Drittel aller Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes baue seine F&E-Kapazitäten im Ausland auf - zu Lasten der deutschen Standorte.

Nach Darstellung der Welt rufen sowohl Gewerkschaften als auch Industrievertreter nach dem Staat. Dieser solle bei der Verlagerung von Arbeitsplätzen und F&E-Investitionen gegensteuern.

So solle das Offshore-Outsourcing nicht mehr mit EU-Mitteln gefördert werden. Außerdem müssen dem Steuerdumping in der EU ein Ende bereitet werden.

Beim Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI) sieht man dies anders und fordert stattdessen "eine grundsätzlich innovationsfreundlichere Politik in Deutschland, die private Investitionen in moderne Technologien stärker und gezielter fördert".

Deutsche erfinden, Japaner vermarkten

Michael Müller, Geschäftsführer der Neusser a & o-Gruppe und Wirtschaftssenator im Bundesverband mittelständische Wirtschaft fordert eine Erhöhung der deutschen Innovationskraft, um den Verlust von Wettbewerbsfähigkeit zu stoppen.

"Deutschland ist gut in der Grundlagenforschung - aber die Umsetzung in vermarktungsfähige Produkte dauert zu lange", sagt Müller. "Vor allem die Massenproduktion hochtechnischer Konsumprodukte ist in Deutschland schwach ausgebildet."

So wurden zwar die technischen Grundlagen für die weltweit erfolgreiche Kopiertechnik wie auch für die MP3-Technik in Deutschland geschaffen.

Aber serienfähige und weltweit erfolgreiche Produkte machten daraus Japaner und Amerikaner. "Wir müssen in Deutschland endlich ein entspannteres Verhältnis zu Technik, Fortschritt, Wissenschaft und Entdeckertum bekommen." (juh)

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