Junioren sind eines Tages Chef

von Judit Hillemeyer
Freitag, 13. Oktober 2006
Junioren-Tagung in Köln, Foto: ZGV
Junioren-Tagung in Köln, Foto: ZGV
Die Zukunft gehört dem Nachwuchs. Rund 140 Junioren trafen sich vergangene Woche in Köln. Unter dem angelsächsischen Netzwerkjargon "Future 4 U" luden der Zentralverband Gewerblicher Gruppen (GVZ) und die Akademie Deutscher Genossenschaften (ADG) zum dreitägigen Informationsaustausch.



Das Forum, das zum dritten Mal seine Pforten öffnete, thematisierte den Generationswechsel. Zielgruppe ist der kooperierende Mittelstand in Handel, Dienstleistung und Handwerk. Die Veranstaltung dient der Kontaktpflege und bietet den Blick über den Tellerrand.

Podiumsdiskussion: Martin Schmuck (ZDF), Jens Kettler (Edeka), Peter Kochs (Rewe), Daniel Kullmann (EK/Servicegroup), Stefan Touchard von Grant-Schuh (v.l.), Foto: ZGV


Auf dem Podium stellten vier Handelsvertreter ihre internen Förderprogramme vor. Das Junioren-Aufstiegsprogramm Edekas dient seit mehr als 75 Jahren der Nachwuchsförderung mit dem Ziel, junge Kaufleute in die Selbstständigkeit zu führen.

Jens Kettler, Leiter des Edeka-Bildungswesens beschrieb den notwendigen Enthusiasmus im Einzelhandel als "das Brennen in den Augen". Rewes Struktur ist anders. Nicht die Partner-Kaufleute stehen im Blickpunkt, erläuterte Peter Kochs, Personalentwickler der Rewe Group, sondern von rund 6 900 Azubis die Geeignetsten zu Assistenten oder Marktmanagern zu qualifizieren.

Qualifikation ist viel wert

Das Junioren-Programm von Garant-Schuh fördert die Qualifikation zum Fach- beziehungsweise zum Betriebswirt. Nach der zweieinhalbjährigen Ausbildung folgt ein Praktikum im In- und Ausland, so Dr. Stefan Touchard, Geschäftsführer EBG Einzelhandels-Beratungs-Gesellschaft, einem Tochterunternehmen der Schuh-Garant.

Die Gruppe "Youngnetwork" der EK/Servicegroup ist ein Netzwerk, so Unternehmenssprecher Daniel Kullmann. Der Begriff Junior sei dabei weit gefasst. Er reiche von 18 bis 48 Jahre, was sich aus der Übernahme familiengeführter Unternehmen ergebe.

Die Initiative lebt von Treffen, Betriebsbesichtungen und Workshops. Die Übernahme familiengeführter Betriebe verlaufe selten konfliktfrei, weiß Dr. Matthias Händle, von den Jungen Unternehmern im MMM-Club. Das emotionale Beziehungsgeflecht biete viel Sprengstoff. Für ihn ist der Generationswechsel "eine Hol- und keine Bringschuld" des Nachfolgers.

Konzeptionelle Planung

Die Herausforderung einer Unternehmung sieht Managementberater Dr. Karl Eggers im Marketing. Der Begriff dürfe nicht auf Produktwerbung reduziert werden. Es handele sich vielmehr um einen Prozess konzeptioneller Planung für den Vertrieb von Gütern und Dienstleistungen.

Dazu zählten Marktanalysen, Preisgestaltung, Absatzförderung. Dabei muss die Befriedigung der Kundenbedürfnisse mit der eigenen Wertschöpfung einhergehen.

Bedürfnislage und Wertvorstellungen variieren je nach Generation, erläuterte Dr. Claudius Schmitz, Hochschullehrer an der Fachhochschule Gelsenkirchen. Die Zielgruppe muss klar definiert sein. So bewege sich die jüngere deutsche Generation zunehmend in Richtung "emotionale Unbekümmertheit".

Der eigene Mitarbeiterstamm sollte sich aus Kreativen, Rechnern, Machern und Sozialtypen zusammensetzen, denn entwickelte Ideen müssen sich rechnen und umgesetzt werden. Und Sozialtypen sorgten fürs gute Arbeitsklima. (juh)

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