Selbstdarstellung braucht Eigeninitiative

von Redaktion LZ
Freitag, 04. Juni 2004
LZ|NET. Wer andere für sich gewinnen will, braucht ein nötiges Maß an Selbstdarstellung. Wer Aufmerksamkeit erweckt, kann andere für sich begeistern. Diese Idee macht sich zunehmend auch der Einzelhandel zu eigen.



Deutschland leidet nicht unter Nachwuchsmangel. Aber der Einzelhandel leidet an einem schlechten Image. Die angebotenen Ausbildungsberufe im Handel sind bei Schülern häufig genug Dritt- und Viertwunsch.

Um das Ansehen des Einzelhandels zu verbessern, tut Information Not. Gefragt ist Eigeninitiative. Somit suchen Unternehmen zunehmend den direkten Kontakt zu ihrem potenziellen Nachwuchs. Eine Marketingplattform bieten Recruiting-Messen und Foren aber auch eigene Veranstaltungen.

Metro trifft Schüler und Studenten sowie deren Lehrer auf der eigenen Tagung "Meeting Metro", während beispielsweise Rewe und Aldi auf Recruiting-Messen oder Absolventen-Kongressen auf Kontaktsuche sind.

Die Unternehmensgruppe Tengelmann ist Mitglied des Initiativkreises Ruhrgebiet. In diesem Rahmen engagieren sich verschiedene Unternehmen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, mit dem Nachwuchs den Dialog zu pflegen.

Dazu gehört auch der Besuch von Gymnasien. Dort zeigt Kaiser's Tenglemann, was das eigene Unternehmen bieten kann. So schilderte bereits Bernd Ahlers seinen eigenen Berufsweg, der ihn bis ihn den Konzern-Vorstand führte.

Theorie und Praxis

In dieses Projekt sind auch die entsprechenden Lehrer integriert. Schnöde ist alle Theorie. Veranstaltet werden somit auch Betriebsbesichtigungen.

Auf Grund des Lehrstellenmangels in Deutschland haben die Initiativ-Bewerbungen spürbar zugenommen - sowohl postalisch als auch online, bestätigt Ute Meier, Bereichsleiterin Personal bei der Kaiser' Tengelmann AG in Viersen.

Ein Problem sei, dass manche Bewerber kaum eine Vorstellung von ihrem Berufsziel im Einzelhandel hätten. An erster Stelle wollen sie einen Ausbildungs- beziehungsweise Arbeitsplatz haben. "Wir müssen schauen, ob und wo wir sie einsetzen können", sagt Meier.

Bei der eigentlichen Bewerberauswahl spielen verschiedene Kriterien eine Rolle, erläutert sie. Dazu gehören sowohl soziale Kompetenzen als auch Zeugnisse. "Mitbringen muss man auf alle Fälle Spaß an der Filialarbeit."

Abiturienten hätten zum Teil nicht die rechte Vorstellung, was eine Führungskraft im Einzelhandel tatsächlich bedeute. Ein Marktleiter müsse beispielsweise Ergebnisse einer Projektarbeit vor einem Führungskräfte-Gremium präsentieren können, Umsatzanalysen anfertigen und auch mal ein Regal vor Ort einräumen.

"Die Dienstleistung am Kunden steht jedoch immer an erster Stelle", sagt Meier und damit hätten zuweilen Abiturienten und Akademiker so ihre Schwierigkeiten.

Damit sie wissen, was in der Berufswelt des Einzelhandels auf sie zukommt, dürfen sie sich an so genannten Schnuppertagen oder in einem Praktikum ausprobieren.

Nachwuchs intern ausbilden

Bei der Besetzung der Positionen Marktleiter und Distriktmanager rekrutiert Kaiser's Tengelmann den Nachwuchs aus den eigenen Reihen.

Rund die Hälfte der Abiturienten wird an den Berufsakademien ausgebildet, die andere Hälfte durchläuft das interne Abiturienten-Ausbildungsprogramm und erwirbt den IHK-Abschluss Handelsfachwirt.

Interne Förderkreise stehen aber auch Quereinsteigern und anderen Mitarbeitern offen, die eine Karriere im Einzelhandel anstreben, so Bettina Gläser-Krahn, sie ist zuständig für die Personalentwicklung bei Kaiser's Tengelmann.

Diese überwiegend praktisch orientierte Form der Berufsvorbereitung nehme tendenziell zu.

Um Potenziale auch gezielt entwickeln zu können, werden Laufbahnplanungen gemacht. So könne frühzeitig festgestellt werden, welche Mitarbeiter beispielsweise für die Position eines Abteilungsmanagers aufgebaut werden können.

Weitergebildet wird nach dem Baukastenprinzip. "Uns kommt es vor allem darauf an, zielorientiert zu arbeiten und die Waage zwischen theoretischer und praxisorientierter Ausbildung zu halten, so Gläser-Krahn.

Bei der Besetzung von Marktleiterpositionen gibt es Abstufungen. Begonnen wird mit kleinen Märkten, es folgen mittlere und später Großflächen mit entsprechend großer Personalverantwortung. Die nächste Hürde ist die Position des Distriktmanagers.

Trainee für den Vertrieb

Um den akademischen Nachwuchs für den Einzelhandel gewinnen zu können, will Kaiser's Tengelmann das Trainee für den Vertrieb stärker beleben. Die Erfahrungen der vergangenen Jahre betrachtet Ute Meier im Rückblick mit gemischten Gefühlen.

"Wir hatten auf beiden Seiten Akzeptanzprobleme", sagt sie. Doch nun soll diese Ausbildungsform speziell für den Vertrieb wieder in den Fokus rücken.

Insgesamt, so die beiden Personalerinnen, sei es für ganz bestimmte Positionen manchmal nicht einfach, den oder die Richtige zu finden, was zum Teil auch am Image des Einzelhandels liege.

Sie plädieren dafür, dass sich der Einzelhandel in Deutschland gemeinsam um ein besseres Ansehen bemühen sollte und gleichzeitig Spielräume zur Selbstdarstellung nutzen muss.

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