Kamps hilft beim Sprung ins "warme Wasser"

von Judit Hillemeyer
Freitag, 22. Juli 2005
Kamps Akademie in Essen
Kamps Akademie in Essen
Das Ausbildungs-Center der Kamps Akademie wurde vergangenen Freitag offiziell in Essen eingeweiht. Mit der Einrichtung will die Konzern-Sparte Bakeries ihren Franchisenehmern theoretische und praktische Starthilfe geben.



Kamps will expandieren. In Nordrhein-Westfalen sollen 70 neue Läden entstehen, in Hamburg 30 und in Berlin 20. Jaap Schalken, zuständiger Kamps-Vorstand für die Bakeries GmbH, sieht seine Wachstumsstrategie in einer Kombination aus "Qualitätsoffensive, Innovation, Service und Preis".

Durch "Beratungs- und Verkaufskompetenz erreichen wir eine starke Kundenbindung und damit mehr Umsatz". Die Ausbildung an der Kamps Akademie ist für ihn "der Schlüssel zum Erfolg", denn dort werden künftige Existenzgründer auf ihren Job als Franchisenehmer vorbereitet.

Wie hoch das Anteil derjenigen gewesen ist, die in der Vergangenheit an der Selbstständigkeit scheiterten, weil ihnen beispielsweise betriebswirtschaftliche Kenntnisse fehlten, wollte Schalken nicht verraten. Branchenübergreifend liegt die Aufgabequote beim Franchising bei geschätzten 8 Prozent. Auch über Etat und Investition bezüglich der Akademie schwieg sich das Unternehmen aus.

Der Essener Oberbürgermeister Dr. Wolfgang Reiniger ließ sich lobend über die neue Einrichtung aus, von der er sich vor allem Arbeitsplätze verspricht. Dass Essen als Akademie-Standort gewählt wurde, hat mehrere Gründe: Die Stadt biete städtische Infrastruktur bei gleichzeitig geringen Lebenshaltungskosten im Vergleich zu anderen Großstädten. Ein weiterer Grund ist, dass ein Teil der Immobilie, die in der Essener Innenstadt liegt, Kamps gehört.

Den Existenzgründern, die die Kamps Akademie erfolgreich absolvieren, soll der Sprung ins "warme Wasser ermöglicht werden", sagt Schalken. Als Franchisegeber liefert das Unternehmen den neuen Shop-Betreibern die komplette Geschäftsausstattung, in die rund 90.000 Euro investiert würden.

Backshop Kamps
Der Franchisenehmer muss 2.500 Euro Startkapital mitbringen sowie eine Bankbürgschaft in Höhe von 10.000 Euro für den Warenwert hinterlegen. Das Startkapital beinhaltet auch die Akademiekosten. Die Franchisegebühr beträgt 5 Prozent vom Umsatz.

Bis dato wurden neue Partner dezentral in ausgesuchten Läden auf ihre künftigen Aufgaben vorbereitet. Heute werden sie innerhalb von vier Wochen zum Backshop-Leiter ausgebildet: Drei Wochen widmen sich der praktischen Ausbildung vor Ort in einem von 70 ausgesuchten Läden und eine Woche der theoretischen Grundlagenbildung.

Auf dem Lehrplan stehen die Auswertung betriebswirtschaftlicher Zahlen, Bestellvorgänge, Kassenabwicklung und Personaleinstellungen, erläutert Akademieleiterin Antonie Götz-Lemke. Am Ende steht ein Abschlusstest.

Durch die "intensive Schulung" haben auch Branchenfremde gute Chancen, "erfolgreich einen Laden zu führen", betont Schalken. Die Kurse an der Akademie bestehen in der Regel aus 12 bis 18 Personen. Vom Erstkontakt bis zum ersten Laden vergingen insgesamt drei bis vier Monate.

Für die Rekrutierung geeigneter Personen ist Jens Wallmeier, einer von vier Franchise-System-Managern, verantwortlich. Er erhält pro Monat rund 80 Bewerbungen. Im ersten Bewerbungsschritt werden die Interessenten angerufen. Das Interview konzentriert sich auf Intention und Motivation, Franchise-Partner bei Kamps zu werden.

Persönliche Kompetenz

Im darauf folgenden Vorstellungsgespräch geht es um persönliche Kompetenzen des Kandidaten. Entscheidend seien jedoch die Schnuppertage in einem Backshop, so Wallmeier.

Hier zeige sich, ob der Bewerber Freude am Verkaufen und im Umgang mit Kunden hat sowie das "nötige Stehvermögen" besitzt. Wer diese Phase erfolgreich durchlaufe, werde an der Akademie aufgenommen.

Die Einrichtung dient nicht nur der Aus- sondern auch der Fortbildung. So können sich dort auch etablierte Ladenbesitzer in Sachen Kundenservice, Sortiment und Warenkunde, Arbeitsrecht und Mitarbeiterführung weiterbilden.

Zur Unterstützung dient ein "Systemsupport". Regionale Gebietsverkaufsberater betreuen die Franchisenehmer und laden zum regelmäßigen Erfahrungsaustausch ein. Sie beraten in allen Fragen rund um das Geschäft.

Berater helfen

Dabei geht es um Gestaltung und Organisation von Verkaufsaktionen und Kundenservice. Die Funktion der "Berater" besteht nicht nur aus Beratung, sondern auch aus Kontrolle. Durch kontinuierliche Besuche stellen sie sicher, dass das Unternehmenskonzept einheitlich umgesetzt wird.

Den Neulingen unter den Franchisenehmern stehen während der ersten Wochen außerdem erfahrene Selbstständige als Mentoren zur Seite. Zur Leistungssteigerung startete Kamps am 1. April dieses Jahres die "Cent Ralley" - eine von vielen Verkaufsmeisterschaften.

Die Verdienstmöglichkeiten eines Existenzgründers unter dem Dach von Kamps liegen bei 220 Stunden pro Monat je nach Standort, Ladengröße und Anzahl der Mitarbeiter zwischen 2.500 und 10.000 Euro vor Steuern.

Das Unternehmen rechnet mit jährlich 600 Akademie-Teilnehmern. Auf finanzielle Unterstützung dürfen diejenigen hoffen, die sich an der Kamps Akademie auf ihre Selbstständigkeit vorbereiten. (juh)

Sie haben Fragen oder Anmerkungen zu diesem Artikel?
Schicken Sie eine Email an die Redaktion.

Hier können Sie die Nutzungsrechte an diesem Artikel erwerben.

Meistgelesen

stats