Kommentar Karrierefrauen willkommen

von Redaktion LZ
Donnerstag, 05. September 2013
LZnet. Die Otto Group will mehr Frauen in Top-Positionen bringen. Das Ziel verfolgen auch andere. Otto aber geht neue Wege. Beim ersten gruppenweiten Diversity-Tag kommen weit mehr als hundert Managerinnen zusammen, die es bereits in die zweite oder dritte Führungsebene des Versandspezialisten geschafft haben.
Sie diskutieren über Stolpersteine und Lösungsansätze, damit weibliche Talente künftig weniger Gegenwind auf dem Karriereweg bekommen. Das Treffen gilt intern als Auftakt zum Aufbruch des vermeintlich schwächeren Geschlechts.

Dabei geht es weniger um Emanzipation oder Selbstverwirklichung, sondern vielmehr um die langfristige Wirtschaftlichkeit des Unternehmens. Der demografische Wandel wird die Hamburger – wie auch andere Unternehmen – in rund 15 Jahren gleich doppelt treffen: Ganze Mannschaften von Führungskräften kommen ins Rentenalter, während der Nachwuchs knapp wird. Wer das Potenzial seiner Belegschaft optimal nutzen will, muss schnellstmöglich die Weichen stellen, um alle Talente gleichermaßen zu entwickeln.

Beim Treffen der Otto-Vorreiterinnen wird einmal mehr deutlich: Nur mit den richtigen Rahmenbedingungen können auch weibliche Führungskräfte Beruf und Familie flexibel vereinbaren. Dabei reicht es nicht, sich mit Formalitäten zu befassen. Kulturwandel tut Not. So bringen flexible Arbeitszeiten oder Homeoffice-Angebote in der Praxis nur dann Erleichterung, wenn sie sich nicht negativ auf die Anerkennung auswirken. Wenn Leistung mehr zählen soll als Anwesenheit, muss es Manager und Managerinnen geben, die dies vorleben.

Kinder sind jedoch keineswegs das einzige Karrierehindernis. Das Ungleichgewicht auf der Chefetage hat viele Gründe. Frauen fehlen Vorbilder und Ermunterung – aber oft auch Selbstbewusstsein und Mut zum Risiko. Wer Karriere machen will, muss aus der Deckung kommen. Ein klares „ja“ zur Verantwortung kann Wunder wirken. Mentoring und zielgerichtetes Networking helfen dabei.

Otto hat ein Signal gesetzt, dass solches Verhalten willkommen ist. Doch der Wille zur Veränderung ist nur ein Anfang. Jetzt müssen Taten folgen. Die Personalentscheidungen der nächsten Zeit werden zeigen, ob der Vorstandswunsch in der Führungskräftewirklichkeit ankommt. (Silke Biester)

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