Mitarbeiter als Aushängeschild

von Judit Hillemeyer
Freitag, 05. Dezember 2008
Eine Zielgruppe, zwei Wege. Rewe und Aldi Süd werben auf ihren Karriereseiten im Internet um Schulabgänger und Hochschulabsolventen. Ihre Konzepte sind ähnlich, ihre Wirkung unterschiedlich. Rewe setzt auf "Authentizität", Aldi Süd auf "Professionalität".



Wer eine Lehrstelle oder einen Job sucht, verschafft sich den ersten Eindruck eines potenziellen Arbeitgebers online - idealerweise auf der Karrierewebsite des anvisierten Unternehmens. Aldi Süd und Rewe haben eigene Karriereseiten im Internet konzipiert. Bei der Gestaltung erzielen die beiden Unternehmen unterschiedliche Wirkung.

Ziel ist es, über das Medium Internet das eigene Unternehmen zur Arbeitgebermarke zu machen. Die eigenen Mitarbeiter werden dabei zu Videobotschaftern. Aldi Süd setzt dabei konzeptionell auf "Professionalität", Rewe auf "Authentizität".

Mit ihren unterschiedlichen Ansätzen, "spiegeln sich beide Arbeitgeber als Marke auf ihren Karriereseiten wider", findet Markus Eicher, Geschäftsführer der Wbpr GmbH in Unterföhring. Er beschäftigt sich mit der Gestaltung von Karriereseiten im Internet - ohne diese der beiden Händler konzipiert zu haben. Aldi Süd nutzte einen Düsseldorfer Dienstleister, Rewe arbeitete mit der Nexum AG zusammen.

Ein Casting für die Kollegen

Die Kölner sprechen mit dem Azubiportal in erster Linie Abiturienten an und werben für ihr Ausbildungsprogramm. Die Mülheimer sind breiter aufgestellt. Sie fokussieren Schulabgänger aller Schulformen und Hochschulabsolventen, was den Nachwuchs angeht.

"Karriere ist eine Gerade", so lautet die Losung von Aldi Süd. So gradlinig sich der Discounter als Händler gibt, so will er auch als Arbeitgeber verstanden werden. Jeden "Tag ein bisschen besser" heißt es bei Rewe. Das Azubiportal der Kölner mutet im Vergleich verspielter an.

Bilder sagen mehr als tausend Worte. Echte Mitarbeiter aus dem Unternehmensalltag gelten als Indikator für ein gutes Betriebsklima. Profis vor der Kamera sind sie nicht. Aldi Süd entschied sich für eine Mischform.

Ein professioneller Schauspieler schlüpft in die Rolle eines Bereichsleiters. Er bewegt sich in einem abstrakt reduzierten Markt und erzählt von seinem Werdegang und seinen Arbeitsaufgaben - mit einem kleinen Augenzwinkern.

Aldi setzt auf Mischform

Andere Funktionen, wie die des Marktleiters und Auszubildender, werden von echten Mitarbeitern repräsentiert. Insgesamt zwölf Hauptdarsteller schildern unter www.aldi-sued.de in Wort und Bild ihren Arbeitsalltag und wirken dabei erstaunlich routiniert vor der Kamera. Begleitet werden sie von zahlreichen Statisten. Speziell trainiert wurden sie für diesen Auftritt nicht, heißt es in Mülheim.

Auch Rewe lässt eigene Azubis auftreten. Sie wirken im Vergleich zu den Aldi-Kollegen weniger routiniert, aber authentischer. "Dieser Effekt ist bewusst gewählt", sagt ein Unternehmenssprecher. Acht Auszubildende treten vor die Kamera und berichten unter der Internetadresse www.rewe.de/ausbildung über ihre Erfahrungen während ihrer Ausbildung.

Werbung im eigenen Interesse

Für den Webauftritt veranstaltete der Kölner Konzern eigens ein Casting. 130 Mitarbeiter bewarben sich als Models, 60 wurden eingeladen und schlussendlich acht ausgewählt. Diese Vorgehensweise hat den Effekt "der internen Mitarbeiterbindung", erläutert ein Unternehmenssprecher. Hauptfigur des Azubiportals ist René.

Er absolviert derzeit eine Ausbildung zum Kaufmann im Einzelhandel und führt als Videomoderator durch die Bewerberseite. Bei Aldi Süd gab es kein Casting. Die Auserwählten stammen aus der Gesellschaft Adelsdorf bei Nürnberg. "Man kennt sich eben", sagt eine Unternehmenssprecherin.

Karriereseiten sind ein Baustein des Employer Branding. Der Arbeitgeber tritt mit externen Interessenten in einen Dialog und zeigt dabei ein eigenes Profil.

Das scheint sowohl bei Aldi Süd als auch bei Rewe gelungen. Alle Bewerbergruppen erhalten ein greifbares Bild ihrer Aufgaben, Aufstiegschancen, Entwicklungsmöglichkeiten und freie Stellen.

"Das Konzept der echten Mitarbeiter hat uns am meisten überzeugt, weil wir unseren Bewerbern auf Augenhöhe begegnen wollen", heißt es bei Rewe. Das Prinzip ist nicht neu. Angewendet wird es auch von Otto (lz 18-08), Bertelsmann und Ikea, die vom Erfolg überzeugt sind.

(juh)

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