Werben um akademischen Nachwuchs

von Judit Hillemeyer
Freitag, 06. Juni 2008
Foto: Uni Köln
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"Careers in Retailing" - Handel und Konsumgüterhersteller warben an der Fakultät für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften der Kölner Universität um akademischen Nachwuchs.



Insgesamt 17 Unternehmen gewährten 125 Studierenden am Seminar für Handels- und Kundenmanagement der Kölner Universität unternehmerische Innenansichten und zeichneten internationale Karrierewege vor. Im Mittelpunkt standen die Wachstumsmärkte Osteuropa und Asien. Die Initiative dient auch der Überzeugungsarbeit, neigt doch der deutsche Hochschulabsolvent tendenziell zum Stubenhocker statt zum Globetrotter.

Unter den Arbeitgebern ist die Konkurrenz groß, der Anspruch hoch. Gesucht werden innovative, flexible, teamfreudige Wirtschaftswissenschaftler, die mindestens zwei Fremdsprachen beherrschen.

Karstadt: Studentinnen informieren sich bei dem Warenhaus-Betreiber über Einstiegsmöglichkeiten.

Das Image der Handelsbranche ist eher schlecht als recht. Jüngst stand die Branche wieder mit Skandalen im Licht der Öffentlichkeit. Doch "Schönheit kommt von innen", versicherte René Jerusalem, Personalleiter von Lekkerland.

Verantwortung übernehmen

"Unser Kandidat ist der impulsive Macher", sagte Eckard Otte, Geschäftsführer Aldi Süd in Kerpen, den interessierten Studenten. "Wir arbeiten hart, sind aber keine Workaholics". Er schilderte die Aldi-Hierachiestufen und bekräftigte, dass er persönlich auf die Einhaltung von Verhaltens- und Führungsregeln achte. Hochschulabsolventen starten in der Funktion des Bereichsleiters. Das erste Jahr dient dem "Training on the Job". In dieser Phase lernen sie Verantwortung für sechs bis acht Filialen und 60 bis 80 Mitarbeiter zu übernehmen. Darüber hinaus "nehmen wir sie an die Hand und führen Sie zwei Jahre ins Ausland", so Otte.

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Konzentriert: Prof. Werner Reinartz im Gespräch mit Teilnehmern.

"Wer im Ausland arbeiten will, braucht Pioniergeist und kulturelle Offenheit", forderte Michael Wiedemann, General Manager Metro C+C, sowie eine Affinität zu Lebensmitteln. Der Konzern fördert Begabte im Rahmen seiner Personalentwicklung - vom Apollo-, über das Management-Development- bis zum internationalen Talent-Programm.

Wer im Ausland Karriere machen will, müsse Märkte lokal und global betrachten, denn nationale Entscheidungswege unterscheiden sich, sagte Martin Reinicke von Henkel. Für Obi und Douglas sind im Ausland vor allem das Immobilienmanagement sowie ein analytisches Kundenverständnis wichtig. Auch die Logistik sei für eine effiziente Warenbündelung von entscheidender Bedeutung, betonte Dieter Messner, Obi-Vorstand International. Für die Douglas-Gruppe haben Innenstadtlagen höchste Priorität, sagte Klaus Eckmann.

Die Angebotspalette

Als Arbeitgeber bieten Handel und Industrie gleichermaßen Praktika, Examensarbeiten, den Direkteinstieg oder ein Trainee-Programm - wie es Peek & Cloppenburg, Toys'R  us, Fressnapf und Douglas praktizieren. Lekkerland setzt beispielsweise auf ein 18 Monate dauerndes Trainee-Programm inklusive eines Auslandsaufenthalts. Bei Rewe gliedert es sich in drei Phasen und mündet in die Zielfunktion, erklärte Guido Palmersheimer den Studenten. In der Regel konzentrieren sich die gesuchten Funktionen auf Vertrieb, Einkauf und Marketing.

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Auf der Podiumsdiskussion rieten die Personaler persönliche und individuelle Bewerbungsschreiben zu verfassen und keine "Postwurfsendungen". Kritisiert wurde von Studenten, dass eine elektronische Bewerbungsmaske aber genau das verhindere.

Mit dem Verlauf der Veranstaltung "Careers in Retailing" zeigte sich Werner Reinartz, Professor für Marketing und Handel an der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät und Gastgeber der Veranstaltung, zufrieden. "Mit dem Bedarf an akademischem Nachwuchs wächst die Professionalisierung der Rekrutierung", sagte er. Reinarzt will das Konzept des Karrieretags, das sein Vorgänger Lothar Müller-Hagedorn vor vier Jahren einführte, fortsetzen und weiter ausbauen. Flankiert wurde die Veranstaltung von Informationsständen der Unternehmen. (juh)

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