Lernen und üben mit dem digitalen Lehrer

von Redaktion LZ
Freitag, 30. Juli 2004
LZ|NET. Die Vorteile elektronischen Lernens sind unbestritten. Die Qualifizierung von Mitarbeitern kann nahezu zeit - und ortsunabhängig realisiert werden. Karstadt setzt in Ergänzung zum klassischen Präsenzunterricht auf den Digitalunterricht.



Das Training am PC dient der Vorbereitung auf Systemumstellungen im großen Stil. Beim Einsatz des elektronischen Lernens verfolgen Handelsunternehmen unterschiedliche Strategien - inhaltlich, technisch und konzeptionell.

Das Potenzial dieser Lernform ist bei Weitem noch nicht ausgeschöpft. Von einem experimentellen Charakter lässt sich jedoch nicht mehr sprechen, denn alle Lösungen werden erfolgreich eingesetzt.

Wer sich auf den elektronischen Lernpfad begibt, sucht sich entweder Partner oder geht den Weg allein. Kaiser's Tengelmann, Rewe und Wal-Mart setzen in Kooperation mit der Berufsgenossenschaft auf eine Lernsoftware in Sachen Gesundheit und Arbeitsschutz.

Die Lösung dient als breitgefächerte Unterweisung, die jährlich wiederholt wird. In den USA plant Wal-Mart seine Angestellten mit Hilfe des E-Learnings in sozialer Kompetenz zu schulen.

Lehren in Kooperation

Dabei geht es um Personalthemen wie Entwicklung, Zeitmanagement sowie um die Erarbeitung beruflicher Ziele. Kaiser's Tengelmann und Ikea sind mit einem elektronischen Lernprogramm für Auszubildende gestartet.

Per CD werden Lehrlingen Grundqualifikationen vermittelt. Die didaktische und technische Umsetzung leistet ein auf elektronische Fortbildung spezialisiertes Softwarehaus.

Karstadt geht einen anderen Weg. Der digitale Unterricht wird vor allem bei Projektarbeiten eingesetzt wie der Einführung neuer Systemlösungen.

Die Mitarbeiter werden im Zusammenspiel von Präsenzunterricht und elektronischem Lernen auf neue technische Systeme und damit veränderte Arbeitsabläufe vorbereitet, erläutert Sylvie di Giusto, Leiterin des Competence-Centers E-Learning der KarstadtQuelle New Media AG.

Der Qualifizierungsbedarf ist akut, wenn beispielsweise ein neues Warenwirtschaftssystem eingeführt wird. Damit die Produktivität des Unternehmens bei der Systemumstellung gewährleistet bleibt, lernen die Angestellten sukzessive mit den neuen Programmfunktionen umzugehen.

Ungestörtes Arbeiten

Der Anteil der Projektarbeit beim E-Learning beträgt bei Karstadt zwischen 70 bis 80 Prozent, schätzt di Giusto. Den Rest machen allgemeine Weiterbildungsprogramme wie Sprachkurse aus, die auf spezielle sprachliche Anforderungen zugeschnitten sind.

Die Form des digitalen Unterrichts kommt vor allem bei drei Großprojekten zum Tragen - der Einführung eines neuen Logistik-, Warenwirtschafts- und Kassensystems.

Im April wurde die erste Pilotfiliale auf das neue Kassensystem umstellt. Andere Filialen und deren Mitarbeiter werden sukzessive darauf vorbereitet. In den Warenhäusern gibt es für diesen Zweck zwischen einer und zehn PC-Lernstationen - je nach Größe des Standortes.

Wer nicht am Arbeitsplatz, sondern ungestört und in Ruhe lernen möchte, kann in der Essener Zentrale ein so genanntes E-Learning-Center aufsuchen, wo verschiedene Computer inklusive Kopfhörer zur Verfügung stehen.

Dort können beispielsweise Sprachkurse absolviert werden, die auch mittels CD zu Hause am heimischen Computer absolviert werden dürfen. Der silberne Datenträger eignet sich gerade bei Sprachkursen als Medium, weil sich die Lernhalte nicht grundsätzlich ändern, so di Giusto.

Bei den Großprojekten sind die Lernprogramme über das Intranet zugänglich. Damit können Änderungen leichter aktualisiert werden. Fortgeschrittene, die sich zum Lernen anmelden, werden automatisch auf ihren aktuellen Lernstand geführt.

Alles aus einer Hand

Über das Intranet können sich die Mitarbeiter auch zum entsprechenden Präsenzunterricht anmelden.

Didaktik und Methodenkompetenz der Lernprogramme liegen in den Händen der KarstadtQuelle New Media AG. Die technische Umsetzung wird innerhalb des Konzerns realisiert.

Das Competence-Center bündelt alle Aktivitäten rund um das elektronische Lernen - übergreifend für alle Abteilungen und Vertriebsschienen des Konzerns.

Diese Aufgabe hat die Gesellschaft seit April vergangenen Jahres übernommen und bislang mehr als ein Dutzend Projektlösungen umgesetzt. Lerninhalte und Anforderungen werden grundsätzlich mit den Fachabteilungen besprochen.

In Absprache mit dem Betriebsrat werden von den Lernenden keine personalisierten Daten ermittelt. Lediglich die Zahl der "digitalen Klicks" wird dokumentiert. Wie Karstadt haben alle anderen Unternehmen, die elektronische Lernprogramme einsetzen, ihre Projekte im Vorfeld mit den Betriebsräten abgestimmt.

Das Lernen am Computer bietet die Möglichkeit, möglichst viele Mitarbeiter in einem bestimmten Zeitraum zu qualifizieren oder auf bestimmte Themen vorzubereiten.

Auf Präsenzunterricht will Karstadt dabei grundsätzlich nicht verzichten.

Sie haben Fragen oder Anmerkungen zu diesem Artikel?
Schicken Sie eine Email an die Redaktion.

Hier können Sie die Nutzungsrechte an diesem Artikel erwerben.

Meistgelesen

stats