Ausbildung soll zur Marke werden

von Redaktion LZ
Freitag, 03. Juni 2005
LZ|NET. Berufsausbildung ist Vermögensbildung - sowohl aus betriebs- als auch aus volkwirtschaftlicher Perspektive. So wurde im vergangenen Sommer die überfällige Neuordnung der Einzelhandelsberufe verabschiedet. Unternehmen wie Kaufhof befinden sich mitten in der praktischen Umsetzung.



"Wir wollen mit der Ausbildung bei Kaufhof zur Marke werden und haben ein einheitliches Konzept entwickelt, das sowohl unseren als den gesetzlichen Rahmenbedingungen gerecht wird", sagt Anja Kiehne-Neuberg.

Sie ist Leiterin des Bereichs Personal- und Organisationsentwicklung bei der Kaufhof Warenhaus AG in Köln. Anlass und Chance bot die reformierte Berufsverordnung für den Einzelhandel.

Sie ist seit neun Monaten in Kraft. Abgelöst wurden damit Bestimmungen aus den Jahren 1987 (Einzelhandelskaufmann) und 1968 (Verkäufer).

Kern der Neugestaltung ist die Einführung von Pflicht- und Wahlqualifikationen. DieBausteine der Wahlqualifikationen bestimmen die Handelsunternehmen selbst.

"Kaufmännische Kompetenz sowie Kunden- und Serviceorientierung sind deutlich stärker in den Mittelpunkt gerückt. Die klassische Warenkunde hat nicht mehr den zentralen Stellenwert.

"Heute geht es vielmehr darum, welche Argumente ich dem Kunden liefern kann, um seine Kaufentscheidung positiv zu beeinflussen", so Kiehne-Neuberg.

Zu den neuen Ausbildungsinhalten gehören weniger tief als breit angelegte Kenntnisse im Warensortiment, im Rechnungswesen als Steuerungs- und Kontrollinstrument anstelle der Dokumentation sowie in computergestützter Warenwirtschaft und Gesprächsführung.

Organisatorisch und konzeptionell sind die ersten beiden Ausbildungsjahre für den Kaufmann im Einzelhandel und den Verkäufer identisch. Sie setzen sich aus einer Reihe von Pflichtqualifikationen, die der Gesetzgeber vorschreibt, und Wahlqualifikationen zusammen.

In den beiden ersten Ausbildungsjahren fokussiert Kaufhof als Schwerpunkt "Beratung und Verkauf". Zu den Pflichtqualifikationen gehören unter anderem Warensortiment, Grundlagen in Verkauf und Beratung sowie in Marketing, Warenwirtschaft sowie Information und Kommunikation.

Im dritten Ausbildungsjahr (Einzelhandelskaufmann) hat Kaufhof die Wahlqualifikationen "Beratung, Ware, Verkauf" sowie "warenwirtschaftliche Analyse" und "Marketing" gewählt. Zur Pflichtqualifikation gehört die Vermittlung von Einzelhandelsprozessen.

Interner Unterricht

Kaufhof beschäftigt rund 80 Personalentwickler, die bundesweit tätig sind. Etwa 40 Prozent ihrer Ressourcen verwenden sie auf die rund 2 000 Auszubildenden. Für jedes Ausbildungsjahr sind durchschnittlich zwölf betriebsinterne Unterrichtstage vorgesehen.

Jedem Ausbilder werden dafür entsprechende Lehrpläne samt Material zur Verfügung gestellt. Festgelegt ist, welche Inhalte mit welchen Materialien in welchen Zeitrahmen vermittelt werden - in Ergänzung zur Berufschule.

Die Hälfte des Weges ist laut Kaufhof geschafft: Die Ausbildungskonzepte für die ersten eineinhalb Lehrjahre sind erstellt. Bis Ende des Jahres soll das Konzept für die drei Ausbildungsjahre stehen - inklusive Lerninhalte und Material.

Anja Kiehne-Neuberg, Leiterin des Bereichs Personal- und Organisationsentwicklung bei Kaufhof
"Insgesamt hat Kaufhof die Gelegenheit genutzt, neue Lern- und Lehrmethoden wie die Suggestopädie einzusetzen. Sie vermittelt Inhalte auf spielerische Art und Weise.

Bei der Umsetzung der neuen Ausbildungsverordnung unterhält das Untenehmen enge Kontakte zu den Personalabteilungen anderer Vertriebsschienen der Metro Group. Verbünde gibt es jedoch weder intern noch extern.

Das Kaufhof-Konzept gilt im Konzern als vorbildlich, so die Personalleiterin. Darüber hinaus engagiert sich das Unternehmen in verschiedenen Gremien wie der IHK und Verbänden.

"Die Neuordnung der Berufsausbildung zum Verkäufer und Kaufmann im Einzelhandel ist eine Modernisierung und ein Schritt in die richtige Richtung", sagt Kiehne-Neuberg.

Langfristig könne sie zur Attraktivität im Einzelhandel beitragen. Der Gesetzgeber habe hier die Rahmenbedingungen geschaffen. "Akzente zur Imageverbesserung müssen die Handelsunternehmen selbst setzen."

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