Bei Kaufhof sind die Mitarbeiter voll im Bild

von Redaktion LZ
Mittwoch, 14. April 2004
LZ|NET. Was machen die Deutschen am liebsten: fernsehen. Kaufhof setzt daher bei der Mitarbeiterkommunikation auf ein eigenes TV-Programm.



Der Spartenkanal dient der audiovisuellen Information. Was derzeit über die Fernsehapparate flimmert, könnte künftig über den Multimedia-PC individuell und zeitunabhängig abgerufen werden.

Auch wenn Deutsche gerne vor der Glotze sitzen - beim Unternehmensfernsehen geht es nicht um eine Flimmerstunde im Büro, sondern um interne Kommunikation.

Management-Informationen, Verkaufsschulungen, Seminare, Produkteinführungen und Aktionen werden einer geschlossenen Zielgruppe vermittelt.

Kaufhof hat ein klares Wertschöpfungsinteresse: TV-Informationen kurbeln den Verkauf an; Schulfernsehen spart Reisekosten. Mit dem eigenen Kanal setzt das Handelshaus auf Schnelligkeit, Effizienz und Effektivität.

TV und Mitarbeiterzeitung gibt es bei Kaufhof

Das Medium ersetzt nicht das vierteljährlich erscheinende Mitarbeiter-Magazin, so Bettina Busch und Mario Römer, beide sind für die interne Kommunikation bei der Kaufhof Warenhaus AG in Köln zuständig.

Die eigenproduzierten Programme werden live an rund 150 Filialen und Lagerstätten über Satellit ausgestrahlt. Wo heute Mitarbeiter im Schichtbetrieb in die Röhre schauen, könnten künftig einzelne Sendungen online gezielt über Multimediaterminals abgerufen werden.

Das würde Video-Archivierungen vor Ort ersparen. Doch zunächst ist ein Intranet-Relaunch für 2005 geplant. Kaufhof versteht das eigene Spartenprogramm namens KTV, dessen Initialien angelsächsisch ausgesprochen werden, als integrative Kommunikationsform.

Das audiovisuelle Medium informiert, unterhält und bindet Mitarbeiter an das Unternehmen. Drei verschiedene Sendeformate à 20 bis 30 Minuten werden nahezu wöchentlich ausgestrahlt.

Die Sendezeit wird bei der Deutschen Telekom gebucht. Damit tatsächlich nur die autorisierte Benutzergruppe, nämlich das Kaufhof-Personal, die Sendungen empfängt, werden diese kodiert ausgestrahlt und beim Empfänger wieder dekodiert.

Die Verschlüsselung der Signale soll Wirtschaftsspionage verhindern, vor allem wenn es um vertrauliche Informationen wie Umsatzzahlen geht.

Bei Business-TV-Projekten wird in der Regel mit mobiler Technik und angemieteten Studios gearbeitet. Zwei Mitarbeiter der Tochtergesellschaft Kaufhof Innovation und Medien sind für die Produktion verantwortlich.

Verschiedene Formate bringen Information und Unterhaltung

Für die Organisation vor Ort in den Filialen und Lagerstätten sind jeweils zwei Mitabeiter zuständig.

Im Rahmen der Mitarbeiterinformation finden die aus dem klassischen Fernsehen bekannten Formate wie Nachrichten, Gesprächsrunden, Magazine und Serien, aber auch Ansprachen der Geschäftsführung mit anschließender interaktiver Diskussion via Telefon Verwendung.

Mischformen werden vor allem im Sinne eines Infotainments realisiert. Kaufhof bietet drei verschiedene Formate: Die "Rolltreppe" informiert über allgemeine Neuerungen im Unternehmen und aktuelle Themen im Personalwesen.

Außergewöhnliche Themen und Aktionen werden über "Rolltreppe Spezial" vermittelt. "IQ" heißt das Weiterbildungsprogramm. Dabei geht es um Informationen über das operative Tagesgeschäft und Sendungen zur Aus- und Weiterbildung.

"Alligator" wird von und für Azubis gemacht - ein buntes Programm, das sich aus Information und Unterhaltung zusammensetzt. Im Sinnes des Infotainments wird auch eine Seifenoper in Fortsetzung ausgestrahlt: "Das Kaufhaus in der Mitte der Stadt".

Schauspieler stellen Liebe, Leid und Lohnarbeit im Stil von "Marienhof" und "Lindenstraße" dar. Derzeit wird unter den Kaufhof-Azubis der "Superstar" zum Mitspielen gesucht.

Die eigentliche Initialzündung für KTV war 1996 - nach amerikanischem Vorbild. Bereits 1995 gab es dort 112 Unternehmen und Organisationen, die Business-TV nutzten.

Unternehmensfernsehen nach amerikanischem Vorbild

Die Anwenderstruktur zeigt eine deutliche Affinität zu den Branchen Handel, Automobilindustrie und dem Dienstleistungsbereich. Der Vertrieb hat für diese Branchen eine strategische Bedeutung.

Alle haben einen hohen räumlichen Dezentralisierungsgrad wie Filialen und Niederlassungen. Kaufhof ist laut Busch und Römer das einzige Handelsunternehmen in Deutschland, das aktiv ein Unternehmensprogramm unterhält.

Trotz anfänglicher Euphorie ist das reine Unternehmensfernsehen in Deutschland nur mäßig vorangekommen. Zu weiteren Akteuren beim Business-TV gehören beispielsweise DaimerChrysler, Schwäbisch Hall und die Bayrische Vereinsbank.

Auch diese Sendungen setzen sich aus verschiedenen Programmen und Features zusammen. Voraussetzung ist, dass Unternehmensfernsehen auf breite Zustimmung und Akzeptanz bei den Mitarbeitern stößt und fester Bestandteil der Unternehmenskommunikation ist.

Kaufhof hat seit 2003 den hauseigenen Kanal strategisch in die interne Kommunikation integriert und zeigt sich mit dem Erfolg zufrieden. Die Sendung "Rolltreppe" erreiche jeden dritten Mitarbeiter und "Alligator" fast alle Auszubildenden, so Busch und Römer.

Ihre Zielsetzung ist es nun, die Zuschauerzahl weiter zu erhöhen. Vielleicht kann eine moderne multimediale Technik dazu beitragen.













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