Hertie-Bewerber bevorzugt

von Judit Hillemeyer
Freitag, 21. August 2009
Jobpleiten im großen Stil: In diesem Jahr sind Unternehmen wie Arcandor, Woolworth und Hertie in die Insolvenz gegangen. Den Mitarbeitern wurde gekündigt. Drei Häuser hat Kaufland von Hertie übernommen. Eine Übernahmegarantie für ehemalige Angestellte gibt es nicht.



Vergangenen Samstag wurden die letzten verbliebenen Hertie-Häuser geschlossen. Insgesamt 2 600 Beschäftigte erhielten die Kündigung. Die Hintergründe sind bekannt: Die Finanzkrise, ein ausgeprägtes Missmanagement und Altlasten aus der Karstadt-Ära hatten dafür gesorgt, dass es für Hertie keine Rettung gab.

Die Immobilien werden verkauft. Erfolgreich war man bisher in einem Dutzend Fällen. Bester Kunde ist Kaufland. Der SB-Warenhaus-Betreiber signalisiert, für die drei übernommenen Standorte, Bewerbungen ehemaliger Hertie-Beschäftigter bevorzugt zu behandeln.

Der zur Schwarz-Gruppe gehörende Filialist hat je ein Haus in Dortmund-Aplerbeck, Hamburg-Bramfeld und -Langenhorn erworben. Die Umbauten werden demnächst beginnen. Kaufland rechnet mit schnellen Baugenehmigungen. In gut einem Jahr, nämlich im Herbst 2010, sollen die Märkte wieder eröffnet werden.

"Mit Inbetriebnahme der Kaufland-Verbrauchermärkte werden neue Arbeitsplätze zur Verfügung gestellt", betont das Unternehmen gegenüber der LZ. Es gebe nur Neueinstellungen und "keine Änderungsverträge" für ehemalige Angestellte. Für die bevorzugte Behandlung der Hertie-Bewerber "gibt es Absprachen zwischen den Arge und uns", bestätigt Kaufland.

Geplante Bewerbergespräche

Die Arbeitsgemeinschaften (Arge) sind zuständig für die Arbeitsvermittlung der Bezieher von Arbeitslosengeld II. Sie bereiten mit den Ex-Hertie-Leuten die Bewerbungen und Gespräche vor. Dieser Prozess findet in einem "abgestimmten Verfahren" statt, betont Kaufland. Eine Beschäftigungsgarantie gibt es nicht. Beide Seiten müssen sich im gegenseitigen Einverständnis auf ein Arbeitsverhältnis verständigen.

Für die bevorzugte Behandlung im Bewerberprozess haben sich Lokalpolitik und Gewerkschaft engagiert. "Unser Interesse ist es, dass Kaufland möglichst viele der ehemaligen Hertie-Mitarbeiter einstellt", hofft Brigitte Nienhaus, Landesfachbereichsleitung bei Verdi in Hamburg.

"Dass Mitarbeiter aus den übernommenen Häusern eingesetzt werden, ist im Handel durchaus üblich", weiß Norbert Hüwel, Sekretär für den Fachbereich Einzelhandel bei Verdi Dortmund. Erfahrungsgemäß würden diese zunächst in bestehenden Kaufland-Häusern eingesetzt, damit sie das neue System verstehen.

Dass Kaufland Probleme mit den einst traditionell stark gewerkschaftlich organisierten Hertie-Beschäftigten hat, kann Hüwel nicht bestätigen. Das Unternehmen verhalte sich wie jeder andere Arbeitgeber.

Bedarf an neuen Mitarbeitern

Doch nicht alle Menschen der ehemaligen Hertie-Belegschaft wollen künftig bei Kaufland arbeiten. In Dortmund-Aplerbeck waren laut Gewerkschaft bis zum Schließungstag zum 7. August knapp 70 Frauen und Männer beschäftigt. Alle sind arbeitslos gemeldet. Davon hätten 26 ihr Interesse an einer Neubeschäftigung bei Kaufland geäußert, so Hüwel. Andere sind nahe am Rentenalter oder wollen nicht im Kaufland-System arbeiten. Ähnlich scheint die Situation in Hamburg.

Der Bewerbungsprozess ist noch in einem frühen Stadium. "Die ersten interessierten Hertie-Mitarbeiter erhalten in Hamburg in den nächsten Tagen ihre Einladung zum Vorstellungsgespräch", heißt es bei Kaufland. In Dortmund fand am vergangenen Dienstag ein Kick-off-Meeting statt.

Der eigentliche Mitarbeiterbedarf ist höher und abhängig von der Betriebsgröße der Kaufland-Verbrauchermärkte: "Wir benötigen zwischen 80 und 120 Mitarbeiter je Standort".

In Hamburg hofft Verdi, dass der überwiegende Teil der Ehemaligen nicht auf 400-Euro-Basis beschäftigt wird. Noch ist alles offen und die Chancen stehen gut: "Wir bieten feste sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse sowohl in Voll- als auch Teilzeit an", sagt Kaufland. Allerdings könne man "Mitarbeitern, die einen geringfügig beschäftigten Job suchen, ebenfalls einen Arbeitsplatz anbieten." (juh)

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