E-Commerce-Kaufmann "Kaufmännische Ergänzung zu IT- und Logistik-Berufen"

von Redaktion LZ
Donnerstag, 18. Juni 2015
Wilfried Malcher , Bildungsexperte des HDE
LZ-Archiv
Wilfried Malcher , Bildungsexperte des HDE
LZnet. Der HDE hat ein Konzept zum neuen Berufsbild "Kaufmann im E-Commerce" vorgelegt. Details nennt HDE-Geschäftsführer Wilfried Malcher.




Herr Malcher, wie weit ist der Prozess fortgeschritten, einen eigenständigen kaufmännischen Beruf für E-Commerce zu schaffen?


Der Handelsverband Deutschland hat jetzt ein gut abgestimmtes und sehr stimmiges Konzept für einen Ausbildungs- und einen Fortbildungsberuf vorgelegt. Damit ist eine ganz wichtige Aufgabe geschafft. Es kann nicht mehr schlagwortartig über das Pro und Contra der Berufsausbildung im E-Commerce diskutiert werden. Die Debatte sollte sich am Konzept des HDE orientieren.





 



Bitte skizzieren Sie die nächsten Schritte.


Bis in den Sommer 2015 hinein soll das HDE-Konzept in den interessierten Unternehmen und den für die Ordnung der Berufsbildung wichtigen Organisationen beraten werden, damit noch 2015 eine Entscheidung für die Einleitung der beiden Ordnungsverfahren getroffen werden kann. 2016 sollen dann von Fachleuten der Sozialpartner im Rahmen des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) die Ausbildungs- und die Fortbildungsordnung erarbeitet werden. So lautet jedenfalls der Plan des HDE, der durchgesetzt werden soll.



Wer sind die wesentlichen treibenden Kräfte?


Das sind HDE und verschiedene Handelsunternehmen, die E-Commerce bereits jetzt intensiv nutzen und künftig zum guten Teil noch deutlich stärker im Rahmen einer Multi-Channel-Strategie ihren Schwerpunkt auf Online-Handel legen wollen.







Gibt es auch Interessenvertreter, die sich gegen diesen neuen Beruf aussprechen?


Mir sind keine bekannt. Aber im E-Commerce-Bereich gibt es zum Teil die Auffassung, dass ein spezieller Ausbildungsberuf nicht erforderlich sei. Immerhin ist der Online-Handel ohne eigenen kaufmännischen Ausbildungsberuf groß geworden. Diese Skepsis sollte aber jetzt abnehmen.







Wann werden voraussichtlich die ersten Azubis eingestellt?


Der oben skizzierte Zeitplan führt dazu, dass die Ausbildungsordnung für den Beginn des Ausbildungsjahres 2017/18, also zum 1. August 2017, in Kraft gesetzt werden wird. Mit der Verkündung der Verordnung wäre Anfang 2017 zu rechnen. Die verbleibende Zeit ist sicher notwendig, um über den neuen Beruf zu informieren. Die Betriebe benötigen ebenso Vorbereitungszeit wie die Berufsschulen, die sich auf einen neuen Ausbildungsberuf mit einem Rahmenlehrplan der Kultusministerkonferenz einrichten müssen. Im Sommer 2020 stehen dann die ersten ausgebildeten E-Commerce-Kaufleute zur Verfügung.







Mit wie vielen Ausbildungsplätzen rechnen Sie?


 

E-Commerce hat noch einiges an Potenzial, wird zur Zeit aber stark von akademisch Qualifizierten gestaltet. Also wird es in den nächsten Jahren auch darum gehen, für die Aufnahme der dualen Ausbildung im Geschäftsfeld E-Commerce zu werben und die damit verbundenen Chancen hervorzuheben. Bei MultiChannel-Händlern mit fundierter Ausbildungserfahrung sollte das mit einem guten Ausbildungskonzept keine besondere Herausforderung sein. Bei Startups aber wohl eher doch. Wenn es 2017 gelingen sollte, an die 1.000 Ausbildungsplätze zu aktivieren und zu besetzen, kann man sicher von einem sehr sehr erfolgreichen Start dieses Berufs sprechen.

 





Wo werden die Auszubildenden tendenziell eingesetzt?


Der neue Beruf wird in Unternehmenszentralen ausgebildet und beschäftigt, nicht auf der Fläche, wo der Einzelhandel die meisten Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen einsetzt. Zu berücksichtigen ist auch, dass für den E-Commerce wichtige Berufe wie die IT- und die Logistikberufe ja nicht ersetzt, sondern im kaufmännischen Bereich ergänzt werden sollen.



Welche Unternehmen sind besonders interessiert an der neuen Ausbildung?


 

Insbesondere solche, die ihren E-Commerce-Bereich auf- und ausbauen und die auf eine Multi-Channel-Strategie setzen, müssten an diesem neuen Beruf interessiert sein. Im Lebensmitteleinzelhandel sehen wir derzeit angesichts des Ausbaustandes von E-Commerce verständliche Zurückhaltung. Aber in den E-Commerce-starken Sortimentsbereichen gibt es reges Interesse an diesem Beruf.



 



Wann rechnen Sie mit Ergebnissen für das Wahlfach E-Commerce für klassische Kaufmanns-Azubis?


Das kommt sehr darauf an, welche Regelungsform ein solches Wahlfach haben soll. Im Rahmen der jetzt beginnenden Neuordnung der Einzelhandelsberufe wird es für die Kaufleute im Einzelhandel eine neue Wahlqualifikation mit dem Arbeitstitel "E-Commerce anwenden" geben. Hierfür sind drei Monate Bruttoausbildungszeit im dritten Ausbildungsjahr vorgesehen. Damit ist klar, dass hierdurch kein eigenständiger E-Commerce-Beruf ersetzt werden kann. Die beiden Einzelhandelsberufe haben eben ihren Tätigkeitsschwerpunkt im stationären Einzelhandel. Aber auch diese Wahlqualifikation wird im Rahmen eines Verfahrens zur Ordnung von Ausbildungsberufen erarbeitet. Sie wird Teil einer Ausbildungsordnung sein, die – so ist es geplant – Anfang 2017 veröffentlicht und zum 1. August 2017 in Kraft gesetzt werden wird.







Wer fragt dieses Wahlfach vor allem nach?


 

Das wird sich erst noch zeigen. Wir wenden uns mit dieser neuen Wahlqualifikation vorwiegend an mittelständische Einzelhandelsunternehmen, in denen einzelne Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen sowohl im stationären wie auch im Online-Handel unmittelbar tätig sind. Diese Unternehmen benötigen für die effiziente Nutzung eines Online-Shops Mitarbeiter, die zusammen mit externen Dienstleistern den Online-Handel organisieren und umsetzen.sb/lz 25-15

 

Sie haben Fragen oder Anmerkungen zu diesem Artikel?
Schicken Sie eine Email an die Redaktion.

Hier können Sie die Nutzungsrechte an diesem Artikel erwerben.

Meistgelesen

stats