Keine Revolution Führungskräfte werden analog rekrutiert

von Silke Biester
Freitag, 20. Mai 2016
Persönlich: Bei der Suche nach Führungskräften zählt der direkte Kontakt. Online-Assessments sind eine Ausnahme.
Rido/Shutterstock
Persönlich: Bei der Suche nach Führungskräften zählt der direkte Kontakt. Online-Assessments sind eine Ausnahme.
Obwohl die Digitalisierung die Personalarbeit stark verändert, hat sie in Handel und Konsumgüterindustrie bisher nur begrenzte Auswirkungen auf die Gewinnung von Führungskräften. Das zeigt eine aktuelle Studie von Signium Executive Search exklusiv für die Lebensmittel Zeitung.

Digital Recruiting, Social Media, Bewerbermanagement, Big Data – neue Technologien verändern die Personalarbeit. Wie wirkt sich das auf die Gewinnung von Führungskräften aus? Dem sind die Branchenspezialistinnen Ann Frances Kelly und Margareta Glass von Signium International in einer Befragung von Unternehmen der Konsumgüterwirtschaft nachgegangen. Zentrales Ergebnis: Anders als bei Nicht-Führungspositionen kann von einer digitalen Revolution bei der Besetzung im oberen und mittleren Management nicht die Rede sein.

-
-
-
Grundsätzlich haben sich die Unternehmen auf einen technologisch gesteuerten Prozess umgestellt: Zwei Drittel akzeptieren Online-Bewerbungen per Mail als auch über ein standardisiertes Formular, 8 Prozent möchten nur über das Bewerbungsformular und 26 Prozent am liebsten per Mail angeschrieben werden. Zugleich erhalten jedoch nur 16 Prozent der Befragten,Bewerbungen von Führungskandidaten über die Online-Plattform. Ein Viertel interpretiert den "eher seltenen" Digitalkontakt als Zufallstreffer. 20 Prozent stellen fest, dass Führungskräfte sich"nie" auf dem Weg ins Spiel bringen, 40 Prozent sagen "sehr selten".

Bei Führungskräften zählt Diskretion

Die Hälfte der Unternehmen veröffentlicht Führungsvakanzen gar nicht erst auf der eigenen Homepage und weitere 30 Prozent tun dies nur "sehr selten". "Die meisten Führungskräfte-Rekrutierungen werden zumindest anfänglich diskret abgewickelt", begründet Kelly die Zurückhaltung. "Man möchte eine Instabilität im Führungsteam nicht voreilig publik machen oder strategische Neuausrichtungen möglichst lange geheim halten." Diese Argumente überträfen positive Effekte wie den Erhalt von Zufallsbewerbungen oder Homepage-Talentmarketing, ist sie überzeugt: "So schnell erwarten wir kein signifikantes Umdenken."

Ein Drittel (35 Prozent) bevorzugt die Besetzung ohnehin über interne Kandidaten und 5 Prozent über Mitarbeiterempfehlungen. Mehr als die Hälfte (56 Prozent) besetzt Führungspositionen vorzugsweise mit Unterstützung externer Dienstleister. "Nach wie vor ist es für FMCG- und Handelsunternehmen üblich, Führungskräfte aus eigenen Reihen zu rekrutieren", stellen die Studienmacherinnen fest. Auch von der Möglichkeit, Online-Assessments durchzuführen, sieht die große Mehrheit (89 Prozent) ab.

Social Media kann auch hinderlich sein

Dass neue Medien das Führungskräfte-Recruiting grundsätzlich einfacher oder schneller machen, glaubt knapp die Hälfte der Befragten. Doch nur jeder Fünfte findet zugleich, dass die Rekrutierungsprozesse dadurch qualitativ verbessert wurden. "Wir befinden uns in einer Phase, in welcher der Führungskräfte-Talentmarkt immer enger wird und die Flexibilität und Mobilität der Führungskräfte gleichzeitig abnimmt", sagt Glass. "Vertraulichkeit und Branchenkompetenz spielen eine ganz entscheidende Rolle. Der Einsatz neuer Medien erweist sich in solchen Prozessen eher als hinderlich."

Knapp 30 Prozent halten die Netzwerkpflege zu Führungstalenten für wichtig. Fast die Hälfte der Befragten hat allerdings kein Interesse daran oder hält es nicht für möglich. Die gezielte Auswertung der im Recruiting-Prozess gewonnenen Daten halten 19 Prozent der Befragten für "nicht verwaltbar". Doch knapp die Hälfte (siehe Grafik) hält dies zumindest für nützlich und steuert den entstandenen Datenpool mit externer Hilfe, eigenen Mitarbeitern oder hat eigene IT-Kapazitäten dafür geschaffen.

Sie haben Fragen oder Anmerkungen zu diesem Artikel?
Schicken Sie eine Email an die Redaktion.

Hier können Sie die Nutzungsrechte an diesem Artikel erwerben.

Meistgelesen

stats