Talentmanagement mit System

von Judit Hillemeyer
Freitag, 23. Oktober 2009
Was-wäre-wenn? Die langfristige Förderung von Nachwuchskräften stellt internationale Unternehmen vor große Herausforderungen. Vorausschauendes Talentmanagement bedarf einer strategischen Systematik, wie das Beispiel Kellogg zeigt.



Talentmanagement ist eineReaktion auf veränderte Bedingungen in globalen Märkten, die insgesamt dazu beitragen, dass sich der Wettbewerb um talentierte Mitarbeiter verschärft. Betroffen sind vor allem die westlichen Industriestaaten.

Kellogg setzt beim Besetzen von Funktionen, die für das Unternehmen besonders kritisch sind, auf strategische Planung. In Europa baut der Cerealienhersteller interne Talentpools auf - gestützt von einer Softwarelösung des Dienstleisters Success Factor. Das Projekt ist Teil der Unternehmensstrategie.

Die Kernaufgabe besteht darin, langfristig vielversprechende Mitarbeiter für die Besetzung von Schlüsselpositionen zu finden. Extern geschieht dies durch aktive Maßnahmen des Personalmarketings. Intern erfolgt eine Identifikation talentierter Beschäftigter meist im Rahmen sogenannter "Talent Review Meetings", in welchen Mitarbeiter durch Manager bezüglich ihrer Qualifikation, ihrer Leistung und ihres künftigen Potenzials eingeschätzt werden.

"Unser europäisches Managementteam trifft sich zweimal im Jahr, um sich über die Top-Perfomer und die Nachfolgeplanung auszutauschen", erklärt Cath Bailey, europäische Personaldirektorin bei Kellogg, Manchester. Um die Expansion des Unternehmens zu unterstützen, wurden im vergangenen Jahr Talentpools in Europa aufgebaut - als ein Instrument des Personalmanagements.

Einsatz von Informationstechnologie

Viele Unternehmen setzen dabei zunehmend Informationstechnologie ein. Dabei handelt es sich im Wesentlichen um eine Datenbank - bestehend aus Profilen von Bewerbern und vielversprechenden Mitarbeitern. Wenn Arbeitgeber eine offene Stelle zu besetzen haben, können sie auf den Talentpool zurückgreifen und mittels Profilabgleich nach geeigneten Mitarbeitern suchen. Zu den entsprechenden Technologieanbietern gehören beispielsweise SAP, Stepstone, Oracle Peoplesoft und Org Plus.

"Wir waren auf der Suche nach einer Softwarelösung, die es uns ermöglicht, interne Talente besser zu präsentieren, einzuplanen und zu verwalten, um vakante Positionen schneller zu besetzen", erklärt die Personaldirektorin Bailey. "Vorher haben wir diese Daten manuell mit Hilfe von Power Point zusammengestellt." Das Resultat: Eine Präsentation mit über 100 Folien - ein langwieriger und personalintensiver Prozess.

Kellogg entschied sich für das Succession-Management-Modul von Success Factor. In acht Ländern arbeiten 1.500 Kellogg-Manager aus der oberen und mittleren Führungsebene mit der Lösung. Das Programm ermöglicht die Simulation von Was-wäre-wenn-Szenarien. Im ersten Projektschritt wurde das Modul für die obere und mittlere Führungsebene bei Kelloggs in Großbritannien, Deutschland, Irland, Frankreich, den Benelux-Staaten, Spanien, Italien, Skandinavien und Griechenland implementiert.

Schrittweise Systemnutzung

Im zweiten Schritt werden die Module Performance- und Compensation-Management für insgesamt 4.500 Mitarbeiter integriert. Der Echtbetrieb der beiden Lösungen ist in den USA für Oktober 2009 und in Europa 2010 geplant. Diese zusätzlichen Module bieten die Möglichkeit, übergeordnete Geschäftsziele effektiv auf alle Ebenen der Organisation herunterzubrechen.

Für Kellogg ist die Fähigkeit, Potenzialträger im eigenen Unternehmen zu identifizieren, ein Wirtschaftsfaktor. Das schließt Entwicklungsmaßnahmen ein. Das Talentmanagement als strategisches Instrument ist keine Aufgabe nationaler Abteilungen, sondern hat zentrale Bedeutung im Hinblick auf die Wettbewerbsfähigkeit. Zum Gestaltungsrahmen gehören Führung, Organisation, Technologie und Integration in das Personalmanagement. (juh)

Sie haben Fragen oder Anmerkungen zu diesem Artikel?
Schicken Sie eine Email an die Redaktion.

Hier können Sie die Nutzungsrechte an diesem Artikel erwerben.

Meistgelesen

stats