Julia Wittenhagen

Kommentar Arbeitgeber müssen präsent sein

Freitag, 29. April 2016
Die Liste der diesjährigen Lieblingsarbeitgeber von Studienabsolventen mit Affinität zu Handel und Konsumgüterbranche birgt Überraschungen: Während die meisten Markenartikler ihren Rankingplatz aus dem Vorjahr bestenfalls halten, gehören Aldi Süd und Lidl zu den klaren Aufsteigern. Sie belegen die Plätze 22 und 24 und lassen damit Vollsortimenter wie Rewe und Edeka hinter sich, aber auch die Otto Group und Amazon.
Verdient, könnte man sagen. Denn die beiden Discounter bieten Hochschulabsolventen ein genau definiertes, gut bezahltes Einstiegspaket und zeigen unermüdlich Präsenz auf Absolventenmessen. Metro dagegen, die einst Furore machte mit ihrem Riesen-Party-Event bei Deutschlands größtem Absolventenkongress in Köln, hat das Bewerbermarketing zurückgefahren. Nun schafft sie es gerade noch auf Platz 50 in der Liste der Top-Arbeitgeber des Trendence-Instituts.

In grausamen Zahlen ausgedrückt heißt das, dass von den 1470 Branchenaffinen nur 0,8 Prozent diesen Arbeitgeber für attraktiv halten. Knapp 10 Prozent ziehen dagegen für ihren Karrierestart dm-Drogeriemarkt in Erwägung. Das Unternehmen hat es als einziger Händler in die Top Ten der Liste geschafft.

Lockt das nachhaltige Image von dm die Absolventen? Schrecken Meldungen über die Aufspaltung der Metro ab? Relevant ist nicht nur, welches Unternehmen tatsächlich die besten Karriere- und Entwicklungsmöglichkeiten anbietet: Was zählt, ist die Botschaft, die bei den Studierenden ankommt. Und dafür können und müssen Unternehmen einiges tun. Ohnehin ordnet Meinungsforscher Trendence nur ein Zehntel der befragten Absolventen der Wirtschaftswissenschaften der Untergruppe "konsumgüter- und handelsaffin" zu. In der Top-Ten-Arbeitgeberliste aller Business-Absolventen kommen Nahrungsmittelproduzenten und Handel gar nicht erst vor.

Gehälter werden wieder wichtiger, heißt es. Doch nur 18 Prozent derjenigen, die sich eine Karriere in Handel oder FMCG-Industrie vorstellen können, würden in einem Unternehmen mit schlechtem Image arbeiten. Deshalb muss die Branche konsequent und transparent an Klima, Kultur und Kommunikation weiterarbeiten.

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