Managemententscheidungen

von Redaktion LZ
Freitag, 01. Dezember 2006
LZ|NET. Man spricht Deutsch! Trotz internationaler Geschäftsstrategien sitzen an den Konzernspitzen des deutschen Lebensmittelhandels fast nur Deutsche.



Das ist hierzulande kaum anders als in Großbritannien, Italien, Spanien und Frankreich. Dagegen ist die Markenartikelindustrie in den Spitzen ihrer Unternehmenszentralen durchaus multinational aufgestellt. Sie nimmt, gemessen an ihrem Auslandsumsatz, 'Ausländer' mit auf die Kommandobrücke und lässt sie auch ans Steuer.

Im Vergleich dazu zeigt sich der Lebensmitteleinzelhandel eher spröde. Dessen Spitzenmanager bleiben gern unter sich. Das tun offensichtlich die meisten europäischen Unternehmen dieser Branche. Daran ändert auch der internationale bisweilen globale Expansionskurs nichts.

Der Managementnachwuchs wird in Deutschland gern aus den eigenen Reihen rekrutiert. Man kennt sich. Gelernte Kaufleute werden intern für Managementaufgaben qualifiziert. Gegenüber Quer- und Außeneinsteigern wird Distanz gewahrt. Bis vor wenigen Jahren galt das auch für Hochschulabsolventen. Branche schmort im eigenen Saft #/ZT# Dass man letztere zum Navigieren braucht, ist keine Neuigkeit. Doch lediglich Aldi stellt Akademiker in großem Stil ein und hält damit Kurs. Was allerdings kein Einzelhändler goutiert, sind berufserfahrene Bewerber, die vom Wettbewerb kommen. Das ist ein unerklärlicher Dünkel.

Gefördert wird das Lernen von der Pike auf. So können es Kaufleute mit und ohne Diplom bis an die Unternehmensspitze schaffen. Mag sein, dass diese Form der Mitarbeiterförderung demokratisch und leistungsorientiert ist. Sie ist aber vor allem tradiert.

In der Nachkriegszeit haben hemdsärmelige Pragmatiker in diesem Metier Karriere gemacht. Heute fordern sie ihren Tribut vom Nachwuchs, der aus dem gleichen Schrot und Korn sein soll wie sie selbst. So gesehen schmort eine ganze Branche im eigenen Saft.

Weniger Misstrauen und mehr Offenheit bei Personalentscheidungen im Management ermöglicht eine größere Palette an beruflichen Karrieren und Nationalitäten an der Hierarchiespitze. Eine europäische Führungsriege würde der internationalen Unternehmensstrategie deutscher Händler personell entsprechen - auch wenn deutsch gesprochen wird. (Judit Hillemeyer)

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