Mit Herzblut für Ausgewogenheit

von Redaktion LZ
Donnerstag, 23. Dezember 2004
"Diversity" - Kultur der Vielfalt - ist Teil der Unternehmenskultur bei Kraft Foods. Der Markenartikler bringt damit unterschiedliche Lebens- und Arbeitsmodelle mit unternehmerischen Ansprüchen in Einklang.



Das Engagement wird honoriert - der Konzern zählt zu den besten Arbeitgebern in Deutschland und Europa. "Ausschlaggebend dafür, den Diversity-Gedanken 1999 im Konzern zu verankern, waren drei Strömungen", so Nicola Oppermann, Unternehmenssprecherin des Konzerns.

Da war zunächst die Vorgabe von Philip Morris - seit 1988 gehört die Kraft Inc. zur Philip-Morris-Holding und hat 1993 die Unternehmen General Foods Europe und Jacobs Suchard zu Kraft Jacobs Suchard verschmolzen, 2000 folgte der nächste Wechsel der Firmenschilder zu Kraft Foods. Wie in amerikanischen Unternehmen üblich, sollte der Diversity-Gedanke auch in Deutschland umgesetzt werden.

Zudem hatten Mitarbeiterbefragungen 1998 ergeben, dass Maßnahmen für eine Work-Life-Balance den Mitarbeitern "sehr wichtig" waren. Parallel dazu planten sechs Frauen, nach dem Mutterschutz/Elternzeit wieder ins Berufsleben einzusteigen. Doch zu diesem Zeitpunkt war die Wiedereingliederung in der Personalpolitik noch nicht strategisch verankert.

So konstituierte sich das "Diversity Council", das als eine Gruppe von Mitarbeitern zu verstehen ist, die "Work-Life-Balance-Maßnahmen" vorantreibt. Heute besteht das Gremium aus zirka zehn Mitarbeitern: Mitglieder des Betriebsrates sind genauso vertreten wie Mitarbeiter aus den Abteilungen Marketing, Personal, Corporate Affairs, Logistik und Sozialberatung.

Nicola Oppermann, selbst Mutter, ist Mitglied des Diversity Councils. Sie setzt sich genauso wie der seit 1. Dezember amtierende Human-Resources-Direktor Hartmut Schröder dafür ein, dass sich die Mitarbeiter von Kraft Foods "als eine Leistungs- und Sozialgemeinschaft verstehen, denen verantwortungsvoll die Balance zwischen Arbeit und Freizeit ermöglicht wird".

Flexibilität und Offenheit

Für Hartmut Schröder heißt das konkret, dass man die Arbeitszeit individuell gestalten kann. "Einem Mitarbeiter muss es ermöglicht werden, neben seiner Tätigkeit für Kraft Foods sein Kind in den Kindergarten zu bringen oder es abzuholen oder auch seine Freizeit zu gestalten."

Die Diversity-Maßnahmen fördern eine familienfreundliche Arbeitsumgebung. "Das Ergebnis ist eine hohe Flexibilität und Offenheit - dies ist Voraussetzung für die Leistungsfähigkeit und -bereitschaft unserer Mitarbeiter", so der neue HR-Direktor Hartmut Schröter.

Die Mitglieder des Diversity Councils arbeiten freiwillig an der Umsetzung der Kultur der "Vielfältigkeit" bei dem Markenartikler mit. "Sie legen ihr Herzblut in diese Aufgabe, es ist ihnen einfach ein Anliegen, etwas zu tun", so Nicola Oppermann.

Jedes Mitglied sei authentischer Botschafter im Unternehmen. Das gewährleiste, dass der Gedanke der Sozial- und Leistungsgemeinschaft im Konzern gelebt werde.

Die Gruppe hat schon viel auf die Beine gestellt: So gibt es keine starren Zeitregelungen mehr. In der Bremer Verwaltung gelten flexible Arbeitszeiten von montags 6 bis freitags 15 Uhr. An den Produktionsstandorten wird in modernen Schichtmodellen gearbeitet.

Variable Teilzeitregelungen, insbesondere auch während der Elternzeit werden angeboten. Auch Teleheimarbeit ist möglich. Zwar müsse man hier sehen, dass es Verantwortungsbereiche gibt, die dafür ungeeignet sind. "Betriebliche Anforderungen haben immer Priorität, aber sie lassen sich sehr oft mit privaten Bedürfnissen koordinieren."

Derzeit befinden sich zwei Kraft-Foods-Mitarbeiter im Sabbatical, seit 1999 haben fünf vom Ausstieg auf Zeit (max. ein Jahr) mit unbezahltem Urlaub Gebrauch gemacht. Die Erfahrungen sind gut: Die Mitarbeiter kommen "mit freiem Kopf zurück", sagt Schröter.

Familienservice für Notfälle

Für wichtig erachtet er, dass vor Beginn der Auszeit der berufliche Wiedereinstieg festgelegt wird. "Man kann diese Zeit nur wirklich nutzen, wenn man sich keine Sorgen um seinen Arbeitsplatz machen muss", weiß er. Ein Sabbatical ist mit einer Wiedereinstellungsgarantie zu unveränderten Vertragskonditionen verbunden.

Ein weiterer Verdienst des Diversity Councils ist die Kindergruppe "Kraft Kids": Hier werden Mitarbeiter-Kinder unter drei Jahren in der Kinderkrippe der evangelischen Zionsgemeinde im Bremer Stadtteil Neustadt betreut.

Kraft Foods sponsert seit August 2003 jeden Krippenplatz mit 200 Euro im Monat. Auch für Unvorhersehbares ist vorgesorgt: In der flexiblen Notfallbetreuung "Bremer Kids" verfügt der Markenartikler über ein Kontingent.

Dort hat jeder Mitarbeiter einen Anspruch auf fünf Tage Betreuung pro Jahr. "Was darüber hinaus geht, muss er selber zahlen", so Oppermann. Das Council hat zudem einen Familienservice in Bremen ins Leben gerufen, der Kinderbetreuung, Haushaltshilfen und Betreuungspersonen für Angehörige organisiert.

Mitarbeiter in Elternzeit werden zweimal im Jahr zu einem Round Table eingeladen. Hier werden Geschäftsergebnisse und andere relevanten Themen präsentiert, ein Mitglied der Geschäftsleitung ist anwesend.

Derzeit heißen die Themenschwerpunkte des Councils: Mitarbeiter älter als 45 Jahre, Behinderung und Interkulturalität. (ba)

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