Weniger Fehlzeiten

von Judit Hillemeyer
Dienstag, 20. Dezember 2005
In Deutschland fehlen die Arbeitnehmer immer seltener. Der Krankenstand soll den niedrigsten Stand seit der Wiedervereinigung erreicht.



Im Vergleich zu 1995 seien die Fehlzeiten im abgelaufenen Jahr sogar um 35 Prozent gesunken. Insgesamt fehlten die Arbeitnehmer nach den neuesten Erhebungen des Bundesgesundheitsministeriums (BMG) im Jahr 2005 durchschnittlich 3,3 Prozent der Sollarbeitszeit.

Das entspricht 7,3 Arbeitstagen. Für die alten Bundesländer sei dies der niedrigste Jahreswert seit Einführung der Lohnfortzahlung im Jahr 1970.

Arbeitsmarktexperten nennen als wichtigste Gründe für das Rekordtief beim Krankenstand die schwache Konjunktur und Angst der Arbeitnehmer, in Zeiten hoher Arbeitslosigkeit im Krankheitsfall den Job zu verlieren.

Laut BMG-Statistik waren die Krankenstände in diesem Jahr im März am höchsten: Die westdeutschen Beschäftigten fehlten in diesem Monat 4,98 Prozent der Sollarbeitszeit, ihre Kollegen in den neuen Bundesländern 5,04 Prozent.

Dagegen waren die Arbeitnehmer im Oktober am wenigsten krank (2,55 Prozent der Sollarbeitszeit).

Insgesamt seien die Krankenstände in den vergangenen Jahren tendenziell immer weiter gesunken. Die Gründe für diese Entwicklung sind vielfältig.

Neben der anhaltend hohen Arbeitslosigkeit sind vor allem Veränderungen in der Beschäftigtenstruktur für die niedrigen Fehlzeiten verantwortlich

Der Arbeiteranteil in Industrie und Bau mit schwerer körperlicher Arbeit und relativ hohen Krankenständen geht zurück, und die Beschäftigung im Dienstleistungsbereich steigt.

Zudem wirke sich die gestiegene Beschäftigung von Frauen und Teilzeitarbeitern sowie eine bessere Gesundheitsprävention in den Betrieben günstig auf den Krankenstand aus.

Ein weiterer Grund für den äußerst niedrigen Krankenstand im Jahr 2005 sei auch, daß sich viele Unternehmen in den vergangenen Jahren wegen des verschärften Wettbewerbs von Mitarbeitern mit schwächerer Gesundheit getrennt hätten.

Nach einer Studie der Bundesagentur für Arbeit (BA) weisen Arbeitslose im Vergleich zu Beschäftigten einen "deutlich schlechteren Gesundheitszustand auf".

Am häufigsten würden dabei psychische Erkrankungen und Rückenleiden diagnostiziert. Die Autoren der Studie kritisieren, daß Arbeitslose bei der Gesundheitsprävention vernachlässigt würden. (juh)

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