Kronenbrot kündigt Haustarif

von Judit Hillemeyer
Freitag, 06. Mai 2005
Rückwirkend zum 1. April 2005 hat Kronenbrot den Haustarifvertrag gekündigt. Der Brothersteller übernimmt den Flächentarifvertrag des Bäckerhandwerks. Betroffen sind davon rund 1.200 Angestellte in den Werken Würselen, Köln und Witten.



"Die Produktion ist handwerklicher geworden, und dieser Veränderung wollen wir tarifpolitisch Rechnung tragen", erklärt Lothar Mainz, geschäftsführender Gesellschafter der Kronenbrot KG, seine Entscheidung für den Bäckerhandwerkstarif.

Dem widerspricht die Gewerkschaft Nahrung-Gaststätten-Genussmittel (NGG) in Aachen: "Die ganze Fertigung der Produkte hat einen Industrie- und keinen Handwerkscharakter mehr", heißt es in einer Pressemitteilung. Mainz betonte, der bisherige Haustarifvertrag wurde nur für ein Jahr abgeschlossen.

"Unser Ziel ist es, wieder in den Flächentarifvertrag zurückzukehren", obwohl der Wettbewerb überwiegend auf Firmentarife setzt.

Den bisherigen Haustarif hatte Kronenbrot Mitte April gekündigt. Bei den Verhandlungen über dessen Fortsetzung konnte Kronenbrot keine Einigung mit der Gewerkschaft erzielen.

Keine Einigung erzielt

Diese forderte für den fortgesetzten Firmentarif eine Anhebung der Einkommen um 50 Euro und einen Mitgliederbonus von 37 Euro für die betriebliche Altersvorsorge.

Dies wollte Kronenbrot nicht akzeptieren und bot stattdessen eine Einkommenserhöhung von 1 Prozent für das Jahr 2006 an, nachdem im Jahr 2005 eine Nullrunde vorgesehen war.

Nach den gescheiterten Verhandlungen entschied sich der Unternehmer für den Bäckerhandwerkstarif. Dieser hat noch eine Laufzeit bis zum 30. Juni 2005. Bis dahin wird man sich auf einen neuen Tarif verständigen müssen.

Laut NGG stellen sich die Kronenbrot-Mitarbeiter mit dem Bäckertarif finanziell schlechter. "Diese Differenz werden wir bei unseren bisherigen Mitarbeitern ausgleichen", versichert Mainz. Außerdem würden weder Zuschläge noch Weihnachtsgeld gekürzt.

Nur neue Mitarbeiter will das Unternehmen gemäß den Bedingungen im Bäckertarif einstellen.

Künftig wird für alle die 38,5- anstelle der 38-Stunden-Woche gelten, die ursprünglich im Haustarif vereinbart war. Mit dem Bäckertarif würden jedoch die Angestellten bei Sonntags- und Nachtarbeit besser gestellt. (juh)

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