Auszubildende mit Migrationshintergrund Kulturelle Vielfalt ist im Handel normal

von Silke Biester
Freitag, 20. Februar 2015
Aus dem Irak zu Edeka: Die Initiative „Geh deinen Weg“ unterstützt Azubi Alaa Kasto.
Edeka/Axel Griesch
Aus dem Irak zu Edeka: Die Initiative „Geh deinen Weg“ unterstützt Azubi Alaa Kasto.
Im Lebensmittelhandel wurde die aktuelle Studie der Bertelsmann-Stiftung zum Thema Migration und Ausbildung eher mit Verwunderung aufgenommen. Herkunft spielt bei der Auswahl von Auszubildenden keine Rolle. Das zeigt ein Branchenrundruf der LZ.
Jugendliche mit ausländischen Wurzeln haben es schwer, in Deutschland einen Ausbildungsplatz zu finden. Die Bertelsmann-Stiftung belegte diese These kürzlich mit der Studie "Berufsausbildung junger Menschen mit Migrationshintergrund", die zu dem Ergebnis kommt, dass nur 15 Prozent der ausbildenden Betriebe diese Zielgruppe aktuell beschäftigt.

Rund 60 Prozent haben auch in den vergangenen fünf Jahren ausschließlich deutschen Nachwuchs ausgebildet. Die Studienmacher empfehlen deshalb, die Unternehmen sollten "Vorbehalte abbauen".

Diversity ist im Handel Alltag

Mit dieser Aussage konfrontiert, zeigen sich Personal- und Ausbildungsfachleute des Handels verwundert. "Im Lebensmittelhandel werden überdurchschnittlich viele junge Menschen mit Migrationshintergrund ausgebildet", stellt der Geschäftsführer Bildung und Berufsbildung des Handelsverbands Deutschland (HDE), Wilfried Malcher, klar. "Die Frage ist nicht, wo jemand herkommt, sondern was er kann und welche Motivation er mitbringt."

Diversity ist in der Branche Alltag. Das zeigt der Anteil an Auszubildenden ohne deutsche Staatsbürgerschaft. In den Vertriebslinien der Metro Group sind Azubis aus 69 Nationen am Start. Bei Galeria Kaufhof sind knapp 18 Prozent nicht deutsch, bei Real 12 Prozent und bei Metro C&C rund 10 Prozent.

Zum Vergleich: Über alle Beschäftigten in Deutschland liegt der Ausländeranteil bei rund 8 Prozent. Menschen mit Zuwanderungsgeschichte dürfte es geschätzte 20 Prozent geben. Dies wird statistisch nicht erfasst, wenn sie einen deutschen Pass haben.

Vielfalt ist Bereicherung

Bei Kaufland verweist man darauf, dass die Beschäftigtenstruktur die gesellschaftliche Wirklichkeit im lokalen Umfeld eines Standortes widerspiegelt. Insgesamt finden sich unter den aktuellen Azubis 49 Nationalitäten. "Diese Vielfalt ist eine Bereicherung und wesentliches Merkmal des Handels."

Zwar gebe es auch bei Migranten Konflikte, doch diese unterscheiden sich nur in der Art, nicht in der Menge: "Azubis haben es dann etwas schwerer, in Ausbildung zu gelangen und diese erfolgreich abzuschließen, wenn ihre Eltern Ausbildung für nicht so wichtig halten wie Arbeit oder Familie und selbst keinen beruflichen Abschluss haben", erläutert Malcher.

"Das ist bei Migranten etwas häufiger der Fall, da das System der beruflichen Bildung in anderen Ländern nicht so ausgeprägt ist." Darüber hinaus können Sprachbarrieren ein Thema sein, das aber durch gezielte Förderung kein größeres Problem darstelle.

Heterogene Belegschaft als Ziel

Damit der Handel langfristig seinen Fachkräftebedarf sichern kann, sei Integration wichtig, sind sich die von der LZ befragten Personalexperten einig. Einige setzen auf spezielle Konzepte. Der Edeka-Verbund und der Discounter Netto engagieren sich bei der Initiative "Geh deinen Weg", die Talente mit Zuwanderungsgeschichte beim hiesigen Berufseinstieg unterstützt.

Und die Metro Group verfolgt als Partner der "Charta der Vielfalt" das Ziel, "ein integratives Arbeitsumfeld und eine offene Kultur zu schaffen und eine heterogene Belegschaft zusammenzustellen". "Unsere Ökonomie ist auf Vielfalt angewiesen", fasst der HDE-Manager Malcher zusammen.

 

 

 

 

 

(sb)

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