Ein Lehrstuhl für Convenience

von Judit Hillemeyer
Freitag, 16. November 2007
Christian Berner
Christian Berner
Lekkerland gründet an der European Business School (EBS) das Competence Center Convenience und finanziert einen Lehrstuhl. Ziel ist die Verknüpfung von Forschung, Personalmarketing und Rekrutierung von akademischem Nachwuchs.



Das Lekkerland Competence Center for Convenience (CCC) an der EBS ist die erste Forschungsstelle dieser Art, sagt Christian Berner, Vorstand der Lekkerland AG&Co.KG, Frechen.

Bislang gab es kaum systematische, wissenschaftliche Untersuchungen in diesem Segment, klagt das Handelsunternehmen und griff zur Eigeninitiative. Ziel ist es, die Entwicklung und Erforschung des Themas voranzutreiben. "Uns ging es darum, mit dieser Einrichtung Lekkerland als Marke im Convenience-Geschäft auch in der öffentlichen Wahrnehmung zu untermauern", sagt Inga Koenen, Unternehmenssprecherin.

Roland Mattmüller
Als Kooperationspartner fiel die Wahl auf die EBS. "Unsere Kernaufgabe ist die Forschung und Lehre", betont Roland Mattmüller, Direktor des Market Management Institute an der EBS in Oestrich-Winkel. Schon in der Vergangenheit bestanden Kontakte zu der Hochschule, die nun ausgebaut werden. "Die praxisnahe und leistungsorientierte Ausbildung sowie das Gesamtkonzept, das auch Eigeninitiative abseits der universitären Pfade von den Studenten fordert, kommen uns entgegen", betont Berner.

Das Handelsunternehmen kooperiert seit längerem mit verschiedenen Hochschulen zur Förderung von Diplomarbeiten und Promotionen sowie Praktikanten, um den Nachwuchs bereits während des Studiums für das Unternehmen zu interessieren und sich als attraktiver Arbeitgeber zu positionieren. Dieses Engagement soll nun an der EBS konzentriert werden.

Die European Business School hat sich in Hochschul-Rankings bereits einen Namen gemacht. Künftig will sie über die fachliche Ausbildung hinaus an Profil gewinnen. Die Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung durch Unternehmensmanager wird zunehmend zum Kriterium für deren Akzeptanz und damit auch für den wirtschaftlichen Erfolg ihrer Unternehmungen.

Die EBS will ihre Studenten frühzeitig mit sozialen Erfahrungen konfrontieren, um sie so auf die Wahrnehmung ihrer gesellschaftlichen und sozialen Verantwortung als Führungskräfte vorzubereiten.

Dazu entwickelt die Hochschule derzeit ein Zusatzangebot für Studenten, das in Zusammenarbeit mit den Lehrstühlen und wissenschaftlichen Instituten der EBS sowie öffentlichen Einrichtungen und privaten Unternehmen durchgeführt werden soll.

Das Kompetenz-Zentrum wird seinen Platz unter dem EBS-Dach haben. Es dient als Forschungsstätte und der Nachwuchsförderung. Der Absolventenbedarf Lekkerlands liegt pro Jahr derzeit bei fünf bis sechs Akademikern, hauptsächlich für das internationale Trainee-Programm.

Organisatorisch ist das CCC innerhalb der Hochschule im "Department für Marktorientierte Unternehmensführung und Marketing" angegliedert, dem Roland Mattmüller als Inhaber des Lehrstuhls für Strategisches Marketing vorsteht.

Sabine Möller
Im CCC ist die Professur für Convenience und Marketing angesiedelt. Den Lehrstuhl wird Sabine Möller besetzen. Sie studierte Betriebswirtschaftslehre mit den Schwerpunkten Dienstleistungsmanagement und Organisation/Personal an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt und war wissenschaftliche Mitarbeiterin am Douglas-Stiftungslehrstuhl für Dienstleistungsmanagement an der Fern-Universität Hagen. Seit 2003 ist sie Assistentin und Habilitandin am Lehrstuhl für Marketing der WHU - Otto Beisheim School of Management.

Als Leiterin des Competence Centers wird sie für den Forschungsauftrag einer europäischen Convenience-Studie verantwortlich sein. Die Untersuchung soll erstmals 2008 in Deutschland, den Niederlanden und Rumänien durchgeführt werden. "Das ist unser Fokus, weil wir in diesen Ländern aktiv sind", formuliert Berner. Untersucht wird der Entwicklungsstand des Convenience-Segments in diesen drei Ländern. Dass Lekkerland nur thematisch auf ihre Forschungsarbeit und nicht in Ergebnis und Methodik Einfluss nimmt, hält Möller aus wissenschaftlicher und praxisorientierter Sicht für erfreulich.

Die Studie soll sich den Erwartungen des Verbrauchers bei den Themen Produkt-, Einkaufs- oder auch Entscheidungs-Convenience widmen. Die Ergebnisse werden voraussichtlich Mitte bis Ende nächsten Jahres vorliegen. Es ist geplant, die Analyse auf einer regelmäßigen Basis weiterzuführen und möglicherweise auch weitere Länder aufzunehmen. Lekkerland will die Forschungsergebnisse in das Unternehmenswissen einfließen lassen und künftig für die eigene Firmenstrategie nutzen.

"Mit diesem Engagement an einer deutschen Hochschule wollen wir unseren Teil zur Förderung des Wirtschaftsstandortes Deutschland beitragen, sagt Berner. Lekkerland finanziert das Competence Center und den Lehrstuhl über eine Stiftung. (juh)

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