Lidl geht neue Wege bei der Bewerberauswahl

von Judit Hillemeyer
Freitag, 07. Juli 2006
Lidl Karriere
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"Testen Sie uns!" fordert Lidl den akademischen Nachwuchs. Unter diesem Slogan lud der Discounter Studenten und Hochschulabsolventen zu Bewerberwochenenden ein. Mit dieser Aktion geht der Discounter neue Wege bei der Rekrutierung.



"Wir haben Bedarf an qualifizierten und motivierten Mitarbeitern", sagt Unternehmenssprecher Thomas Oberle. Um sie bemüht sich der Discounter mit einem innovativen Informations- und Unterhaltungsprogramm. Mit der Bewerberveranstaltung betritt Lidl Neuland. Das Personalmarketing hat zwei Antriebsfedern: Die eigene Wachstumsstrategie befriedigen und positives Image bilden, denn der Wettbewerb um Talente hat längst begonnen.

Unter dem Motto "Andere testen Sie - testen Sie uns!" setzt das Unternehmen auf Transparenz. In großformatigen Zeitungsanzeigen lud Lidl den akademischen Nachwuchs ein. Zur Auswahl standen vier Austragungsorte: München, Berlin, Hamburg, Düsseldorf. Das zweitägige Programm setzt sich aus Unternehmenspräsentation, Fragestunden, Workshops und einem Unterhaltungsprogramm zusammen.

Karrieremöglichkeiten

250 Bewerber waren Lidls Gäste. Ihnen wurden Firmenstruktur, Hierarchieaufbau, Sortiments- und Personalpolitik sowie Karrieremöglichkeiten erläutert. Dem akademischen Nachwuchs bieten sich verschiedene Funktionsbereiche.

Im Vertrieb übernimmt er als angehender Verkaufsleiter Umsatz und Personalverantwortung für fünf bis sechs Filialen, in denen je nach Größe bis zu einhundert Menschen arbeiten. Vor diesem Hintergrund wird von den Bewerbern eine hohe Sozialkompetenz erwartet. Acht Monate werden sie stufenweise eingearbeitet.

Darüber hinaus gibt es für Nachwuchskräfte in der Lidl-Zentrale internationale Arbeitsfelder in Verwaltung, Organisation und Projektarbeit.

Geworben wird auch um Berufsakademiestudenten. Sie können ihr Studium mit einem Auslandsaufenthalt verbinden wie Benjamin Weismann. Er studiert Betriebswirtschaftslehre in Ravensburg und absolviert seine Arbeitsphasen bei Lidl in Spanien. Er ist für insgesamt 70 Mitarbeiter verantwortlich und sieht sich als "Kleinunternehmer".

Das Konzept "Bewerberwochenende" entwickelte die Lidl-Zentrale. Ziel ist es, die Bewerbungssituation auf beiden Seiten zu entspannen. Und: Sie bietet ungewohnte Perspektiven: "Wir erleben bei sportlichen Aktivitäten die Teamfähigkeit und Sozialkompetenz der Kandidaten", so Oberle.

Ski-Spaß in Neuss

Ein Aspekt, auf den es dem Discounter ankommt. So ging es Ende April in Düsseldorf am Samstag in die Neusser Ski-Halle mit 300 Meter Kunstschneepiste, während in Hamburg in der AOL-Arena Fußball gespielt wurde. Das stärke die Gruppendynamik, bringe Spaß und lasse einen Blick darauf zu, wie die Bewerber mit der "neuen" Situation umgehen, so Arnd Wiebking, Geschäftsführer Betriebs- und Vertriebsorganisation. Am Abend stieg in Düsseldorf die Aprés-Ski-Party.

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Oberle bezeichnet den Discounter als eine "lernende Organisation", die "flexibel auf den Markt reagieren muss". Diese Beweglichkeit wird auch von den Mitarbeitern erwartet, ohne dabei die Firmenphilosophie aus den Augen zu verlieren: Einfacheit, Pragmatismus, Gradlinigkeit. Dabei dürften auch Fehler gemacht werden, denn das größte Risiko ist, kein Risiko einzugehen.

Rund zehn Lidl-Führungskräfte, vom Bezirksleiter bis zum Geschäftsführer, standen den Fragen der Teilnehmer Rede und Antwort. Auf Wunsch konnten die Kandidaten auch Einzelgespräche vereinbaren, was reichlich genutzt wurde. Derzeit läuft das Auswahlverfahren, wer zum klassischen Einstellungsgespräch eingeladen wird.

Ausbilden und fördern

Zur Umsetzung seiner Wachstumsstrategie braucht der Einzelhändler nicht nur qualifizierten akademischen Nachwuchs, sondern auch Mitarbeiter auf der Fläche. Die Strategie lautet immer: rekrutieren und fördern aus eigenen Reihen. Lehrlinge für den Ausbildungsberuf Kaufmann/-frau für den Einzelhandel sucht Lidl bereits zum zweiten Mal via TV-Spots auf den Musiksendern MTV, Viva sowie RTL und DSF.

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Die Kampagne startete Anfang dieses Jahres unter dem Motto "Lidl-Dreamteam 2006" und brachte dem Unternehmen 60 000 Bewerbungen ein. Für das aktuelle Ausbildungsjahr werden mehr als 600 Ausbildungsplätze vergeben.

Auf der eigens eingerichteten Homepage füllten die Schüler spezielle Bewerbungsformulare aus. Bei der hohen Resonanz wird elektronisch selektiert. Hinterlegt wurden mehr als zwanzig Kriterien. Auch hier ist der Selektionsprozess noch nicht abgeschlossen. Rund 10 Prozent der Bewerber kommen in die engere Wahl.

Die Ausbildungsquote beträgt bei Lidl gemessen an der Zahl der Vollbeschäftigten mehr als 8 Prozent. Damit liegt der Discounter über dem Branchendurchnitt, der bei 7 Prozent liegt. Lidl übernimmt gut 60 Prozent seiner Zöglinge. (juh)

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