Logistik kämpft um die Besten

von Redaktion LZ
Freitag, 04. November 2011
Warenströme steuern: Die Logistikbranche sucht immer mehr hochqualifizierte MItarbeiter, die den Überblick über komplexe Prozesse behalten.
Reinhard Rosendahl
Warenströme steuern: Die Logistikbranche sucht immer mehr hochqualifizierte MItarbeiter, die den Überblick über komplexe Prozesse behalten.
LZnet. Die Bundesvereingung Logistik belegt in einer aktuellen Studie, dass der Engpass an qualifizierten Mitarbeitern bereits in der Branche spürbar ist. Drei Viertel der Befragten rechnen mit negativen Auswirkungen auf das Geschäft.
Der Wirtschaftsbereich Logistik ist aktiv in den Kampf um die besten Köpfe eingestiegen. Dies ist ein zentrales Ergebnis der Umfrage der Bundesvereinigung Logistik (BVL) zum Thema "Fachkräftemangel in der Logistik", an der sich 129 Unternehmen mit Tätigkeitsschwerpunkt im Bereich Supply Chain Management und Logistik beteiligten.

 82 Prozent der Befragten geben an, bereits konkrete Maßnahmen ergriffen zu haben, um die Attraktivität des eigenen Unternehmens für Fachkräfte zu steigern.

Drei Viertel erwarten Umsatzeinbußen

Engpass bedroht die Branche
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Engpass bedroht die Branche

75 Prozent haben bereits Schwierigkeiten, offene Stellen adäquat zu besetzen. Das hat Folgen für den Erfolg: 73 Prozent der Unternehmen erwarten durch den Fachkräftemangel bedingte Einbußen.

Ähnlich wie am gesamten Arbeitsmarkt zeigt sich ein starkes Defizit in den Fächern Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik: 42 Prozent führen an, Probleme bei der Suche nach Ingenieuren zu haben, 32 Prozent beklagen das Fehlen von IT-Fachkräften.

Im Unterschied zu vielen anderen Wirtschaftssektoren fehlen in der Logistik aber nicht nur hochqualifizierte Kräfte. Auch Arbeitnehmer mit passender Berufsausbildung werden umworben: 26 Prozent der Befragten finden nicht genügend Fahrer und Zusteller. Auch Fachkräfte mit kaufmännischer oder technischer Ausbildung sind gesucht.

Viele machen die fehlende Wahrnehmung der Berufs- und Karrierechancen in der Logistik für die geringe Anzahl an geeigneten Bewerbern verantwortlich. "Das Berufsfeld ist wenig bekannt und hat gerade bei jungen Leuten keine hohe Reputation", sagt einer der Antwortenden.

"Arbeitsbedingungen, Verdienstmöglichkeiten und Karrierechancen erscheinen nicht so attraktiv." Ein knappes Fünftel der Umfrage-Teilnehmer sieht außerdem die geringe Bekanntheit des eigenen Unternehmens als Hindernis.

Investitionen in Image und Weiterbildung

Als Antwort auf das Wahrnehmungsproblem reagieren viele Unternehmen mit konkreten Maßnahmen. Immerhin 68 Prozent investieren in die Steigerung der Bekanntheit und des Images. Fast genauso viele (65 Prozent) gaben an, das Weiterbildungsangebot gezielt auszubauen.

Welche Stellen können nicht mehr wunschgemäß besetzt werden?
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Welche Stellen können nicht mehr wunschgemäß besetzt werden?

Die Einführung flexibler Arbeitszeitmodelle zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist ebenfalls ein wichtiger Baustein zur Steigerung der Attraktivität: 37 Prozent der Befragten sind hier aktiv. 30 Prozent der Unternehmen setzen auf monetäre Anreize.

Gering ist der Anteil derer, die gezielt auf die Förderung von Frauen setzen. Obwohl ihr Anteil auf nur 25 Prozent der in der Logistik beschäftigten Arbeitnehmer geschätzt wird, planen nur 16 Prozent der Unternehmen, an der Anziehungskraft speziell für Frauen zu arbeiten. Bei Führungskräften geht der BVL sogar von nur rund 10 Prozent Frauenanteil aus.

Fachkräftesuche im Internet

Beim Anwerben von Fachkräften bevorzugen viele der Befragten das Internet: 69 Prozent suchen ihre Bewerber über Jobportale. Insbesondere Studenten sind im Fokus bei den ergriffenen Personalmarketingmaßnahmen: 47 Prozent betreiben aktives Hochschulmarketing, 58 Prozent haben eigene Diplomanden- und Praktikantenprogramme. Doch auch die Präsenz an Schulen ist für ein gutes Drittel der im Wirtschaftsbereich Logistik tätigen Unternehmen eine wichtige Maßnahme zum Rekrutieren neuer Mitarbeiter.

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