Edeka-Tochter Lunar feilt am Konzept

von Redaktion LZ
Freitag, 26. Oktober 2012
Eng verzahnt: Einheitliche Stammdaten ermöglichen den Zugriff auf Produkt-Informationen über unterschiedlichste Standorte und Endgeräte.
Edeka
Eng verzahnt: Einheitliche Stammdaten ermöglichen den Zugriff auf Produkt-Informationen über unterschiedlichste Standorte und Endgeräte.
LZnet. Die IT-Tochter der Edeka, Lunar, hat großen Personalbedarf. Vielfältige Aktivitäten sollen die Aufmerksamkeit bei Berufseinsteigern und Professionals wecken. Ein neues Arbeitszeitmodell zielt auf die Mitarbeiterbindung.
Für den Handel ist es überlebenswichtig, ausreichend viele qualifizierte Mitarbeiter für die IT zu finden, sagt Dr. Reinhard Schütte, der im Edeka-Vorstand unter anderem die Bereiche Personal und IT verantwortet: "Stillstand in der Weiterentwicklung von Systemen und Prozessen bedeutet auch Stillstand im gesamten Unternehmen – denn Handelsprozesse sind heute vor allem technologiegesteuert."

Christoph Diekmeyer, Geschäftsführer Lunar
Der Personalbedarf an den Standorten Hamburg und Mannheim ist groß: In den vergangenen zwei Jahren wurden 200 von aktuell 560 Mitarbeitern eingestellt.

Doch insbesondere IT-Fachkräfte sind am Arbeitsmarkt Mangelware. Darunter leidet der Handel noch stärker als andere Branchen. "Absolventen denken zuerst an technologieorientierte Unternehmen wie etwa die Automobilhersteller, wenn sie sich den ersten Job suchen", weiß Lunar-Geschäftsführer Christoph Diekmeyer aus Erfahrung. Dass es im Handel eine Vielzahl interessanter Stellen in dem Bereich gibt, sei den meisten nicht bewusst.

Verstärkte Präsenz an Hochschulen

Um das zu ändern, hat Lunar die Präsenz an den Hochschulen deutlich verstärkt. Das Unternehmen ist bei Recruiting-Events vor Ort und engagiert sich darüber hinaus durch direkte Kooperationen und Praxisvorträge – zumeist tritt Lunar gemeinsam mit der bekannteren Mutter Edeka auf.

Dr. Reinhard Schütte, Vorstand Edeka-Gruppe
Der Nachwuchs wird über Ausbildungsangebote, duale Studiengänge, ein Traineeprogramm und die Möglichkeit zum Direkteinstieg herangezogen. Darüber hinaus setzt Lunar auf interne Weiterentwicklung, die auf fachliche Karrieren und auf Führungslaufbahnen abzielt. In regelmäßigen Mitarbeitergesprächen geht es um die Perspektiven jedes Einzelnen, erläutert Diekmeyer.

Doch selbst interessante Entwicklungsmodelle kombiniert mit "guten Gehältern" reichen heute nicht mehr aus, um als Arbeitgeber wirklich attraktiv für die junge Zielgruppe zu sein.

"Wir brauchen eine neue Kultur im Handel", fordert Edeka-Topmanager Schütte schon seit längerem mit Blick auf die nachwachsende Generation Y, die sich nur bedingt mit der handelstypischen Hierarchie anfreunden will und zudem ein eigenes Verständnis von Work-Life-Balance hat.

Überstunden landen auf Langzeitkonten

Bei Lunar ist jetzt ein Arbeitszeitmodell in Planung, das nicht nur innerhalb der Genossenschaft, sondern im Handel insgesamt seinesgleichen sucht: Voraussichtlich ab Anfang kommenden Jahres werden Langzeitkonten eingerichtet, auf denen Überstunden auch über Jahre hinweg gesammelt werden können.

In Absprache mit dem Arbeitgeber soll es dann möglich sein, diese nach Belieben abzufeiern – als Urlaub, Sabbatical oder vorgezogener Renteneintritt.

"Die zeitkritische Projektarbeit verlangt unseren Mitarbeitern einiges ab", zollt Schütte dem Team Anerkennung. Denn manche technologische Neuerung könne nur durchgeführt werden, wenn die Läden geschlossen sind.

Das erfordere regelmäßig Einsätze am Abend oder Wochenende. "Doch heutzutage hat kaum jemand mehr Interesse daran, sich die Überstunden ausbezahlen zu lassen." Freizeit werde von vielen höher bewertet als zusätzliches Geld.

Vereinbarkeit von Familie und Beruf

Um die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben zu vereinfachen, habe man am Standort Hamburg außerdem einen Familien- und Concierge-Service eingeführt, der bei Bedarf die Kinderbetreuung erleichtert beziehungsweise bei der Auto- oder Wäschepflege unterstützend eingreift.

Positiv auf die Mitarbeiterbindung soll sich auch die geplante Möglichkeit auswirken, einen Tag pro Woche im Home-Office zu arbeiten. Die Unternehmensführung stehe der Neuerung grundsätzlich offen gegenüber. Wie dies in der Praxis umgesetzt werde, sei allerdings noch nicht ganz ausdiskutiert, gibt Schütte offen zu.

Bei berufserfahrenen Fachkräften sieht sich der Edeka-Vorstand auf dem richtigen Weg: Der zunehmende Erfolg des "größten SAP-Projekts im Handel" mache Lunar auch als Arbeitgeber interessanter, ist Schütte überzeugt. Denn Technologen seien grundsätzlich interessiert, an erfolgreichen Großprojekten mitzuwirken, bei denen sie etwas bewegen können.

Die Zahl der Bewerbungen steigt

Und Diekmeyer bestätigt, dass die Zahl der Initiativbewerbungen erheblich zugenommen habe, seit erste Lunar-Implikationen auch auf der Handelsfläche funktionieren. Während Lunar für manchen potenziellen Mitarbeiter lange als kaum umsetzbare Vision galt, belege der fortschreitende Rollout die Machbarkeit. So sind inzwischen kompetente Leute an Bord, die ein entsprechendes Angebot vor wenigen Jahren noch abgelehnt hatten.

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