Mittelstand mangelt es an Strategieplänen

von Judit Hillemeyer
Freitag, 08. Juli 2005
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Strategische Unternehmensplanung ist nicht nur eine Sache der Konzerne. Doch dem Mittelstand fehlen in diesem Feld häufig das Fachwissen und die Personalressourcen.



Anforderungen an das strategische Management vermittelt die Fachhochschule Bonn-Rhein-Sieg in ihrem MBA-Studiengang.

Kürzlich hat die Fachhochschule Bonn-Rhein-Sieg eine Befragung unter rund 1 000 kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) in Deutschland durchgeführt.

Ein wesentliches Ergebnis der Untersuchung: "Die strategische Planung ist ein bis heute nur schwach ausgeprägtes Führungsinstrument in mittelständischen Unternehmen."

Etwa drei Viertel der Befragten kleinen und mittelständischen Firmen halten eine strategische Unternehmensplanung für wichtig.

Dennoch ist sie in diesen Unternehmen nach wie vor unterentwickelt. So gaben 74,5 Prozent an, strategische Unternehmensplanung für "wichtig" oder "sehr wichtig" zu halten.

Nur etwa 10 Prozent waren der Meinung, sie sei im Mittelstand "unwichtig" oder "völlig unwichtig". Gut 15 Prozent billigten der strategischen Planung zumindest einen mittleren Stellenwert zu.

Trotz dieser überwiegend positiven Grundeinstellung gab mehr als die Hälfte der Befragten (51 Prozent) an, über keinerlei schriftlich fixierte Unternehmensplanung zu verfügen.

40 Prozent gaben an, eine Planung durchzuführen, 9 Prozent beabsichtigen, dies zu tun. Fehlende Zeit- und Personalressourcen und mangelndes Know-how sind nach dieser Studie die Haupthinderungsgründe für die Durchführung strategischer Planung in kleinen und mittleren Unternehmen.

An diesem Punkt setzt der MBA-Studiengang "Strategic Management" der Fachhochschule Bonn-Rhein-Sieg, Sankt Augustin, an. Das von der FIBAA akkreditierte berufsbegleitende Studium will - auf Basis einer grundlegenden General-Management-Ausrichtung - alle relevanten strategischen Kenntnisse vermitteln.

"Das beinhaltet Sozial-, Methoden- und Problemlösungskompetenzen, die heute für eine erfolgreiche Führung von Unternehmen unerlässlich sind", sagt Prof. Dr. Klaus Deimel, Lehrstuhlinhaber für Betriebswirtschaftslehre an der Fachhochschule Bonn-Rhein-Sieg.

Die Absolventen sollen über das Qualifizierungsprogramm das Handwerkszeug erhalten, um eine Erfolgsbasis für ihre Unternehmen zu schaffen.

Prof. Dr. Klaus Deimel
Die Ausbildung ist in verschiedene Module gegliedert. Vermittelt werden u.a. im Rahmen des Kurses "Corporate Strategy" strategische Methoden und Kenntnisse auf der Ebene des Gesamtunternehmens.

Dazu gehören die Entwicklung von Visionen sowie die Verknüpfung von finanziellen und personellen Ressourcen. Auch die richtige Unternehmensorganisation und die Besetzung von Führungspositionen ist ein Thema.

Im Rahmen der Kurse "Business Strategy" und "International Strategy" geht es um das Profil im internationalen Wettbewerb. Ein weiteres Thema ist die Globalisierung und der Umgang mit unterschiedlichen Kulturen.

"Gerade hier werden viele Fehler begangen", sagt Deimel und nennt das Beispiel Wal-Mart. Ohne Rücksicht auf deutsche Kultur und deutsches Einkaufsverhalten wurde das amerikanische Handelskonzept auf den deutschen Markt übertragen.

Zusätzlich war der Markteintritt der Amerikaner mit der Verschmelzung zweier Unternehmen verbunden. "70 bis 80 Prozent aller Fusionen scheitern an einem fehlenden professionellen Integrationsmanagement." Unter dem Begriff "Human Ressource Management" werden Mitarbeiterführung und Arbeitsorganisation vermittelt.

Digitales Planspiel

Zum Abschluss des Studiums gibt es eine so genannte Business Simulation. In dem virtuellen Unternehmensplanspiel sollen alle Aspekte des Studiums aktiv eingebracht werden. Es bilden sich fünf Gruppen, die gemeinsam auf einem fiktiven Markt agieren.

"Das von uns vermittelte Wissen um das strategische Planungsverhalten bezieht sich nicht ausschließlich auf Konzerne, sondern auch auf den Mittelstand", erklärt der Hochschullehrer.

Viele betreiben zwar eine erfolgreiche Nischenpolitik, doch auch die müsse strategisch geplant und umgesetzt werden. Dazu gehöre eine Analyse der Stärken und Schwächen des eigenen Unternehmens.

Bei der Strategieplanung würden mittelständische Firmeninhaber häufig zu "ich-zentriert" agieren, während Konzerne die Planung auf mehrere Köpfe verteilen.

"Den Mittelstand drücken in erster Linie Preis und Wettbewerb - darüber klagen Konsumgüterhersteller ebenso wie der Einzelhandel." Deimel rät, sich stärker strategisch vom Wettbewerb abzusetzen und dafür eine systematische Planung zu betreiben.

Visionen entwickeln

Aldi verfolge sehr erfolgreich die Strategie: "Kostenvorteile nutzen und keinen Speck ansetzen." Auch Franchisekonzepte hätte sich erfolgreich auf dem deutschen Markt durchgesetzt. Strategisches Management ist ein kreativer Entscheidungsprozess, für den man Visionen braucht.

Der berufsbegleitende Studiengang wendet sich an Berufstätige mit einem Hochschulabschluss. Die Zusammensetzung der Teilnehmer ist interdisziplinär und international.

Darunter sind Ingenieure, Informatiker, Juristen, Mediziner, Natur- und Geisteswissenschaftler sowie Wirtschaftswissenschaftler, die aus unterschiedlichen Branchen kommen - auch aus der Konsumgüterindustrie, so Deimel. Voraussetzung sind zwei Jahre Berufserfahrung.

Die Teilnahme kostet pro Semester 800 Euro. Rund 80 Prozent des Unterrichts an der Fachhochschule werden auf Englisch gehalten. Komplexe Themen wie Bilanzen werden allerdings auf Deutsch unterrichtet.

Keine schriftliche Fixierung
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