Wachstumsgarant Innovation

von Judit Hillemeyer
Freitag, 03. August 2007
Systematisches Innovationsmanagement wirkt sich positiv auf den Unternehmenserfolg aus. Dies ergab eine Vergleichsstudie der Wirtschaftsuniversität Wien und des Mittelstandsprojektes "Top 100".



Basis der Untersuchung waren 100 Betriebe, die im Juni 2007 von Mentor Lothar Späth für ihr herausragendes Innovationsmanagement mit dem "Top 100"-Gütesiegel ausgezeichnet wurden. Die meisten stammen aus den Branchen IT und Maschinenbau.

Der Handel ist nur mit vier Unternehmen vertreten, der Konsumgüterbereich mit drei. Bei ihrer Studie analysierten die Wissenschaftler den Innovationserfolg sowie die Firmenleistungen in den vier Kategorien Innovationsförderndes Topmanagement, Innovationsmarketing, Innovationsklima sowie Innovative Prozesse und Organisation.

Diese Werte wurden mit einer strukturgleichen Gruppe anderer mittelständischer Betriebe verglichen. Wichtigstes Ergebnis: Die Top 100 erreichen durchweg erheblich bessere Werte als die Vergleichsgruppe.

So erzielen die ausgezeichneten Unternehmen durchschnittlich 66 Prozent ihrer Umsätze und 69 Prozent ihres Gewinns mit Neuentwicklungen und innovativen Verbesserungen aus den vergangenen drei Jahren. In der Vergleichsgruppe beträgt dieser Anteil gerade einmal 30 beziehungsweise 35 Prozent.

Der Umsatzanteil radikaler Innovationen war sogar um das Dreifache höher. Zudem gelang es den Top 100, im vergangenen Jahr insgesamt 12 Prozent der Kosten einzusparen. Dieser Wert ist ebenfalls um das Dreifache höher als bei den anderen Firmen.

Ihr Erfolg ist ein Ergebnis zielgerichteten Engagements. Die geehrten Innovatoren investieren wesentlich mehr Zeit und Geld in diesen Bereich: Im Mittel werden jährlich 9,5 Prozent der Erlöse in Innovationen gesteckt. Zudem stehen jedem Mitarbeiter 11 Prozent seiner Arbeitszeit zur freien Verfügung, um eigene Ideen zu entwickeln und zu verfolgen.

Darüber hinaus haben 78 Prozent ein institutionalisiertes Anreizsystem etabliert, um ihre Mitarbeiter dazu zu motivieren, auch besonders kreative oder unkonventionelle Vorschläge einzubringen. Die anderen Unternehmen sind bei ihren Innovationstätigkeiten mit 3,1 Prozent des Umsatzes und 5 Prozent der Arbeitszeit bei weitem nicht so aktiv.

Besonders eklatant fällt der Unterschied im Bereich "Innovative Prozesse und Organisation" aus: Während etwa fast alle "Top 100"-Unternehmen (94 Prozent) ein systematisches Markt- und Technologiemonitoring durchführen, verfolgen dies lediglich knapp ein Drittel der restlichen Mittelständler.

Ähnlich sieht es beim Innovationsprozessdesign aus: Praktisch alle Innovationsführer (99 Prozent) gehen neue Projekte mit einer detaillierten Ideenprüfung, einer Wirtschaftlichkeitsanalyse und einem Konzepttest sehr strukturiert und strategisch an. Bei den übrigen Betrieben tun das lediglich ein Drittel.

Eine eigene Abteilung für neue Ideen leisten sich nur 34 Prozent der nicht ausgezeichneten Firmen, aber ganze 87 Prozent der Top-Innovatoren. Bemerkenswert sind in diesem Zusammenhang auch die Kooperationsaktivitäten.

So arbeitet die Innovationselite zu 70 Prozent mit Forschungseinrichtungen und Universitäten zusammen, fast jedes fünfte Unternehmen öffnet seine Entwicklungsprozesse sogar für Wettbewerber. Diese Umsetzung von "Open Innovation" scheint den übrigen Mittelständlern hingegen noch weitgehend unbekannt zu sein.

Rudolf Dömötör, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Wirtschaftsuniversität Wien und Projektbetreuer, rät Unternehmern, die künftig verstärkt auf Neuheiten setzen wollen, strukturiert vorzugehen und den Markt immer im Auge zu behalten: "Gerade in den frühen Phasen eines Innovationsprojekts kann durch den Einsatz von systematischen Bewertungsmethoden und durch das Einbinden von Kunden das Risiko von kostspieligen Fehlentwicklungen minimiert werden." Wer dann noch für jeden Schritt bis zur Markteinführung Meilensteine festlege und laufend analysiere, befinde sich auf einem sehr guten Weg. (juh)

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