Manager wollen den Vertrieb stärken

von Redaktion LZ
Freitag, 25. Juni 2010
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LZnet. Die deutsche Konsumgüterindustrie hat das Krisenjahr 2009 überraschend gut überstanden und blickt wieder optimistischer in die Zukunft. Für Vertrieb und Marketing sind nach den Einsparungen des Vorjahres wieder verstärkt Einstellungen geplant.
Die Krise hat kaum Spuren hinterlassen. Mehr als 80 Prozent der Unternehmen waren im vergangenen Jahr profitabel, nahezu die Hälfte erzielte eine positive Rendite von bis zu 5 Prozent, jeder zehnte Konsumgüterhersteller machte sogar zweistellige Renditen. Das ergab eine Umfrage der Managementberatung Kienbaum unter Vorständen und Geschäftsführern von 500 deutschen Konsumgüterproduzenten. Lediglich 16 Prozent mussten laut der Studie "Chancen in der Konsumgüterindustrie 2010/2011", die der Lebensmittel Zeitung exklusiv vorliegt, Verluste einstecken.

"Die Unternehmen erweisen sich offenbar als vergleichsweise krisenresistent oder haben sich einfach gut auf die wirtschaftliche Talfahrt vorbereitet", kommentiert Ralph Hartmann, Geschäftsführer Kienbaum Management Consultants, das Ergebnis der Erhebung, die erstmals in dieser umfassenden Form nach Trends und Erfolgsfaktoren der Branche fragte. Dabei konnten die FMCG-Hersteller 2009 deutlich höhere Umsatzrenditen vorweisen als die Produzenten langsam drehender Güter wie Textilien, Bekleidung, Schuhe, Spielwaren und Möbel, die zudem doppelt so häufig Verluste hinnehmen mussten.

Personalwechsel
Für dieses Jahr erwarten die Topmanager sowohl beim Konsumklima als auch bei der Entwicklung der Profitabilität der Branche eine Stagnation auf ähnlichem Niveau wie in den Vorjahren. Mit Blick auf 2011 jedoch macht sich auf den Führungsetagen wieder Optimismus breit: Sieben von zehn Befragten rechnen mit einer Verbesserung des Konsumklimas, und mehr als 40 Prozent sehen die Branchenprofitabilität im Aufwind. Dementsprechend erwarten nahezu 70 Prozent der Hersteller, dass ihr Umsatz 2011 wächst. Zudem rechnen drei Viertel mit einer steigenden Rendite. Besonders positiv schauen Vorstände und Geschäftsführer von Großunternehmen mit einem Jahresumsatz von mehr als 1 Mrd. Euro aufs kommende Jahr.

Gleichwohl steht das Thema Kostensenkung weiterhin oben auf der Agenda: 41 Prozent räumen ihm 2010 und 2011 eine hohe Priorität ein, 2009 waren es noch zwei Drittel. Die Optimierung der Supply-Chain ist dabei für fast jedes zweite Unternehmen die zentrale Herausforderung. Beim Vertrieb hingegen sind die Einsparungen weitgehend abgeschlossen. Hier setzen die meisten wieder auf Wachstum und Wertsteigerung. Jedes zweite Unternehmen will mit Investitionen in den Vertrieb seine Marktanteile steigern. In gleichem Umfang planen die Hersteller gezielte Marketing- und Werbeaktionen. Die beliebteste Wachstumsstrategie ist jedoch die Investition in neue Produkte: Hier wollen 70 Prozent der Studienteilnehmer künftig verstärkt tätig werden. Analog zum geplanten Wachstum wollen die Unternehmen in den Jahren 2010 und 2011 vor allem im Bereich Vertrieb kräftig rekrutieren: Knapp die Hälfte der Befragten plant dort Einstellungen. Daneben liegt der Recruiting-Schwerpunkt für immerhin 30 Prozent auf dem Marketing, gefolgt von Supply Chain und Produktion mit jeweils 22 Prozent. Allerdings bleibt der Faktor Arbeit teuer: Der durchschnittliche Personalkostenanteil gemessen am Umsatz lag 2009 branchenweit bei 20 Prozent. Mit steigender Umsatzgröße sinkt er tendenziell. Unternehmen, die 500 Mio. Euro und mehr erlösen, müssen davon für Personal nur 14 Prozent aufwenden. Übereinstimmend rechnen die Befragten damit, dass die Personalkosten in den nächsten Jahren steigen werden.

Mit 27 Prozent erfolgte ein "auffallend" hoher Prozentsatz der Neubesetzungen von Toppositionen 2009 "leistungsbedingt", fand also aufgrund von schlechter Performance des Vorgängers statt. Nur die Hälfte der Einstellungen waren klassische Nachfolgebesetzungen. 23 Prozent der Spitzenpositionen wurden neu geschaffen.

Die Fluktuation pendelte sich laut der Untersuchung 2009 bei 4 Prozent auf einem recht geringen Level ein. Sechs von zehn befragten Unternehmen nannten sogar eine noch darunter liegende Quote. Dabei erzielten insbesondere die Unternehmen mit einer Fluktuation unter 2 Prozent tendenziell höhere Renditen.

"Dieses Ergebnis lässt sich dadurch erklären, dass Humankapital relativ teuer ist", analysiert Hartmann. Einstellung und Bindung talentierter Mitarbeiter zahle sich für Unternehmen offensichtlich aus.

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