Manager unter die Lupe genommen

von Redaktion LZ
Freitag, 10. Juni 2005
Robert Czichos, assoziierter Partner, MR Personalberatung GmbH
Robert Czichos, assoziierter Partner, MR Personalberatung GmbH
LZ|NET. Firmenverschmelzungen, veränderte Führungsstrukturen sowie Neustrukturierungen bergen dynamische Spannungsfelder. Eine Richtschnur bietet ein Management-Audit, damit Personalentscheidungen nicht zu Irrläufern werden.



Personalbeurteilungen sind ein zentrales Führungsinstrument. Irrtümer kann und will sich heute kein Unternehmen mehr leisten. Unter dieser Prämisse entschied sich Ende 2004 ein norddeutscher Lebensmittelimporteur, seine erste und zweite Führungsriege sowie den potenziellen Nachwuchs mittels eines Management-Audits beurteilen zu lassen.

Problematische Fusion

Zum Hintergrund: Ein zwei Jahre zurückliegender Fusionsprozess "verlief bei dem Handelshaus nicht unproblematisch", erläuterte Robert Czichos, assoziierter Partner der MR Personalberatung GmbH, Hamburg.

Patriarchalische Führungsstrukturen prägten über Jahrzehnte alle Personalentscheidungen. Befördert durch einen Wechsel an der Unternehmensspitze sollte ein langfristiges, strategisches Personalmanagement eingeführt werden.

"Zehn Manager erhielten ein Einzelaudit, 30 Nachwuchskräfte wurden im Gruppenverfahren auf ihre Managementkompetenzen hin analysiert.

Gemeinsame Ziele

"Im Kern geht es darum, persönlich angestrebte Karrieren der Manager und deren tatsächliches Leistungspotenzial mit den Interessen des Unternehmens in Einklang zu bringen", so Heinz-Dieter Hestermann, geschäftsführender Gesellschafter der MR Personalberatung.

Im Vorfeld wird ein Kriterien- und Anforderungskatalog erstellt. Mittels strukturierten Interviews, Fallstudien, 360-Grad-Beurteilungen, Interviews, Präsentationsübungen, Rollenspielen und Testverfahren werden die Führungs-, Fach-, Methoden- sowie unternehmerischen Kompetenzen der Kandidaten analysiert.

"Fachliches Wissen steht dabei nicht im Mittelpunkt, sondern das Managementpotenzial in Relation zu den unternehmerischen Zielen", so Czichos.

Auf dieser Basis wird ein Entwicklungs- und Nachfolgeplan erstellt sowie eine langfristige Besetzungsempfehlung ausgesprochen.

Die Ergebnisse der individuellen Profilanalysen werden den Kandidaten persönlich vermittelt. Mit dem normierten Verfahren sollen laut Czichos subjektive Bewertungskriterien ausgeschaltet werden. Die skalierte Vorgehensweise sei für alle Beteiligten transparent und nachvollziehbar.

"Der Haupteffekt eines Management-Audits besteht vor allem in der Bewusstseinsbildung bezüglich der Stärken und Schwächen des Managements", betont Czichos.

Dabei stimmen Fremd- und Selbsteinschätzung nicht immer überein. Ein Beispiel: Bei dem Großhändler bewertete sich ein Manager als "durchschnittlich". Mittels des Audits wurde ermittelt, dass dieser Mitarbeiter ein außergewöhnliches Potenzial besitzt und zu den "Top-Performern" des Unternehmens zählt.

Neues Bewusstsein schaffen

Zu den weiteren Bewertungskategorien, mit denen die MR Personalberatung arbeitet, gehören die Gruppen "High Potentials" sowie "Performer mit Potenzial" und "Leistungsträger".

Diejenigen, die diesen Kategorien zugeordnet werden, können über verschiedene Maßnahmen geschult und gefördert werden. Die "Under-Performer" sind diejenigen, die unterdurchschnittliche Leistungen erbringen.

Natürlich könne eine "negative" Beurteilung zu einem internen "Beben" führen, weiß Hestermann. Doch in der Regel würden die Ergebnisse auf Akzeptanz stoßen.

Vor der Auditierung werden alle Kandidaten mit der durchschnittlichen Note "befriedigend" bewertet. "Uns interessieren die Abweichungen." Die Auditierung bei dem Großhändler dauerte bis zum letzen Feedback ein halbes Jahr.

Schulungsbedarf ermitteln

Ein solches Verfahren dient jedoch nicht nur der Bewertung hochrangiger Manager. Ein Cerealienhersteller ließ vor zwei Jahren seinen Außendienst auditieren. Ermittelt wurde ein Schulungsbedarf, weil leitende Angestellte der Feldorganisation mit dem Begriff ECR (Efficient Consumer Response) nichts anzufangen wussten.

Grundsätzlich sollte ein Management-Audit vorab mit dem Betriebsrat geklärt werden, der auch in den Prozess integriert werden sollte.

Ein Management-Audit ist ein Analyseinstrument, das Entscheidungshilfe bieten kann, vor allem dort, wo aktive Personalarbeit bislang unterentwickelt ist oder ein stiefmütterliches Dasein fristet. Konsequenzen müssen die Unternehmen selbst daraus ziehen

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