"Bei manchen Entscheidungen ist man einsam"

von Tanja Fries
Freitag, 22. September 2006
Martina Sandrock, Geschäftsführerin Sara Lee Deutschland
Martina Sandrock, Geschäftsführerin Sara Lee Deutschland
Mit Zielstrebigkeit und Disziplin hat sie es nach ganz oben geschafft: Martina Sandrock ist Geschäftsführerin von Sara Lee in Deutschland. Dort bringt sie nicht nur das Geschäft mit Kosmetik- und Haushaltsprodukten nach vorne. Sie ist auch federführend bei der hiesigen Umstrukturierung von Sara Lee hin zu einem straff organisierten und effizienten Konsumgüterhersteller. Sandrock ist die diesjährige "Managerin des Jahres".



"Do it now" steht in großen Lettern unter einem Foto, das in Martina Sandrocks Büro hängt. Darauf zu sehen ist eine gewaltige Welle, die sich mit immenser Kraft an Land spült. Dort, wo andere Manager ihrer Leidenschaft für ausgefallene Bilder internationaler Künstler Ausdruck verleihen, hat sich die 46-Jährige auf eine simple Botschaft verlegt: Die Dinge anpacken!

Martina Sandrock ist eine Macherin. Von sich selbst sagt sie, fester Wille, eiserne Disziplin und Zielstrebigkeit hätten sie nach oben gebracht. "Ich hatte Hunger auf Karriere und habe nie einen Hehl daraus gemacht." Wer als Frau ins Top-Management wolle, der müsse diese Ambition auch mitteilen. "Für mich stand schon zu Beginn des Studiums fest: Ich will in eine geschäftsführende Position."

Im Alter von 41 Jahren ist sie an ihrem Ziel angekommen. 2001 übernimmt die gebürtige Bielefelderin den Posten der Geschäftsführerin von Sara Lee in Deutschland und Österreich. Zwischen dem Beginn ihrer beruflichen Laufbahn als Trainee bei Unilever und dem Anruf des Headhunters liegen knapp 17 Jahre, in denen Sandrock den klassischen Karriereweg eines Managers gegangen ist. BWL-Studium in Deutschland, MBA in den USA, Traineeship bei einem namhaften internationalen Konzern.

Erfahrungen sammeln

Die junge Brand Managerin macht sich bei Unilever schnell einen Namen, es folgen Beförderungen im Abstand von jeweils drei Jahren. Mit 39 wird sie Marketing Direktorin von Unilever Bestfoods. "Ich habe mir bei Unilever einen großen Rucksack voll Erfahrungen und Know-how geschnürt", sagt Sandrock. Für die ersehnte Geschäftsführerposition verlässt sie die bekannte Reiseroute und begibt sich auf neues Terrain.

Zur Zeit des Wechsels von Martina Sandrock braucht Sara Lee Deutschland vor allem eines: Einen radikalen Kurswechsel. Das Marken-Portfolio reicht von Haushalts- und Körperpflegeprodukten über Schuhsohlen der Marke Bama bis hin zu Wurstwaren von Aoste.

Insbesondere in der Sparte Haushaltswaren und Körperpflege, die hierzulande nach LZ-Schätzungen mit Marken wie Duschdas, AmbiPur und Natreen rund 150 Mio. Euro umsetzt, greifen die Konzepte auf dem deutschen Markt nicht. Keine klare Fokussierung, keine klare Strategie. Die Folge sind stark rückläufige Umsätze, Geschäftsführer und Marketingchef müssen ihren Hut nehmen.

Martina Sandrock, Geschäftsführerin Sara Lee Deutschland
Mit Martina Sandrock soll ein harter Schnitt her. Die als argumentationsstark geltende Managerin erarbeitet einen stringenten Zehn-Punkte-Plan. Um die Neuausrichtung zügig voranzutreiben, soll jeder Stein im Unternehmen umgedreht werden. "Vollkommene Orientierung am Konsumenten" lautet die Devise. Sandrock setzt damit um, was spätestens Anfang 2005 als offizielle Leitlinie von der Konzernzentrale in Chicago ausgegeben wird: Der rund 19 Mrd. US-Dollar Umsatz schwere Riese, der sich zuletzt als unaufgeräumter Gemischtwarenladen präsentierte, soll komplett umgekrempelt werden.

Straffes Sortiment

Für Martina Sandrock und ihre 150 Mitarbeiter heißt das vor allem, die Organisation effizienter und schlanker aufzubauen. Dazu gehört auch, Standorte zu schließen oder zu verlegen und Ballast abzuwerfen. Die Hauptverwaltung in Chicago macht es vor: Sara Lee trennt sich vom europäischen Fleisch- und Wurstwarengeschäft, veräußert den Snack-Bereich und verkauft die Sonnenpflegemarke "Delial" an den französischen L'Oréal-Konzern.

Den Umbau in Deutschland zu meistern, hält man Sandrock für die richtige Frau. Von den damals vier gleichberechtigten Deutschland-Geschäftsführern ist sie es, die 2005 von Konzernchefin Branda Barnes mit der Führung des Transformationsprozesses beauftragt wird. Noch steckt Sara Lee mitten in der Umstrukturierung. Vor wenigen Wochen erst wurde die Führungsriege in Deutschland weiter gestrafft: Sandrock bekam zusätzlich zu ihrer Sparte Household & Body Care nun auch die Verantwortung für das Kaffee-Retail-Geschäft unter der Marke Senseo.

In dieser "harten Phase" ist es der 46-Jährigen besonders wichtig, eine motivierende Arbeitsatmosphäre zu schaffen. "Ich setze meinem Team einen sehr klaren Rahmen. Bei der Ausführung der Aufgaben lasse ich aber sehr viel Freiraum", erklärt sie. Die sportinteressierte Managerin lebt nach eigenen Angaben einen "jungen" Führungsstil: "Begeistern und inspirieren" lautet dabei ihr Motto.

Die Mischung macht es

In ihrem Unternehmen achtet sie auf ein gute Mischung im Team. "Diversity Management wird bei Sara Lee gelebt", betont Sandrock. So habe etwa Konzernchefin Barnes in den USA ein 12-köpfiges Führungsgremium nach eben diesen Vorgaben um sich geschart: Frauen wie Männer finden darin ihren Platz, verschiedene Nationalitäten sowie Altersstufen. Auch außerhalb des Unternehmens engagiert sich Martina Sandrock für die Idee des Diversity Managements, an die sie fest glaubt. Im Rahmen eines Mentoring-Programms des Landes Nordrhein-Westfalen fördert sie junge Frauen in ihrem beruflichem Werdegang.

"Ich bin ein sehr aktiver Mensch", erklärt die Managerin, die jeden Tag joggt und Rad fährt. Energie schöpft sie dabei gemeinsam mit ihrem Ehemann Pieter Nota an den Wochenenden. Beim Hamburger Kosmetik-Konzern Beiersdorf ist er im Vorstand zuständig für die Bereiche Marketing, Vertrieb sowie Forschung und Entwicklung. Während der Woche sind für Martina Sandrock die Treffen mit Freunden besonders wichtig.

"Es tut gut, auch mal mit Branchenfremden zu sprechen. Denn bei manchen Entscheidungen im Unternehmen ist man einsam", sagt sie. Dass sie es als Frau bis ins Top-Management geschafft hat, stellt Sandrock dabei ungern in den Vordergrund. Sie weiß, dass Ihre Leistung überzeugt hat. "Ich fühle mich weniger als Frau denn als Managerin." (tt)

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