Arbeitgeber fordern und fördern gutes Benehmen

von Judit Hillemeyer
Freitag, 24. August 2007
Jenny Dietrich, Henkel-Azubi
Jenny Dietrich, Henkel-Azubi
Benimm ist wieder in. Bei Henkel lernen Auszubildende des ersten Lehrjahres in einem Knigge-Seminar einen Tag lang den Erfolgsfaktor "gute Manieren" kennen.



"Ich habe mich auf das Seminar gefreut, denn mir ist es wichtig, dass ich mit meinem Benehmen bei den anderen gut ankomme." Jenny Dietrich, Henkel-Azubi.

Viele Manager sehen einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen persönlichem Erfolg als Ergebnis fachlicher Qualifikation und gutem Benehmen. Auch bei Henkel ist das so. Gute Manieren als Kommunikationsform sorgen nicht nur für ein angenehmes Arbeitsklima, sondern auch für wirtschaftlichen Erfolg.

"Gute Umgangsformen sind nichts, was man nur im Bedarfsfall zückt", findet Dr. Brigitte Hielscher, Geschäftsführerin der Imago Agentur für Kommunikation in Köln. Sie startete vor einem Jahr bei Henkel über die IHK Düsseldorf das eintägige Benimm-Seminar bei dem Konsumgüterhersteller. Zu den Teilnehmern gehörte der erste Ausbildungsjahrgang der gewerblichen und kaufmännischen Lehrlinge. Die Veranstaltung stieß auf so positive Resonanz, dass sie im September bei den Neuzugängen wieder angeboten wird.

Swetlana Stichling, Henkel-Azubi
"Ich hatte ein eher strenges Seminar erwartet und war überrascht von derlockeren und fröhlichen Art der Darstellung." Swetlana Stichling, Henkel-Azubi

In diesem Alter nehmen Jugendliche Verhaltensregeln lieber auf Augenhöhe an. Hielscher hat dafür geeignete junge Studenten und Studentinnen in Rhetorik und Präsentationstechniken geschult. Einer davon ist Stephan von Delft. Er führte durch den ersten Knigge-Tag bei Henkel. "Im Großen und Ganzen ist diesen Azubis der Zusammenhang zwischen beruflichem Erfolg und guten Manieren bewusst. Wenn sie höflich mit Kunden und Kollegen umgehen, hat das direkte Auswirkungen auf die wirtschaftliche Situation des Unternehmens und den eigenen Arbeitsplatz", so der Student.

Da die meisten Lehrlinge das Basiswissen in Sachen guter Manieren beherrschen, ging es im Wesentlichen um den Feinschliff - zum Beispiel eine Einladung ins Restaurant. "Grundsätzlich betritt der Mann vor der Frau das Lokal", erklärt Hielscher. Diese bis heute gültige Regel stammt aus dem Mittelalter, wo häufig "Gesindel" im Gasthaus verkehrte. Das Vorangehen des Herrn hatte eine deutliche Schutzfunktion. Im Lokal führt der Kellner an den Tisch, gefolgt vom Gastgeber. In der Mitte gehen die Frauen. Wenn kein Kellner führt, geht der Gastgeber oder die Gastgeberin voran. Theorie und Praxis: Am Übungstag wurden bei Henkel die neu gewonnenen Kenntnisse direkt in der Kantine geübt.

Guiseppe Lancellotti, Henkel-Azubi
"Über vieles hatte ich vorher nie nachgedacht, wie die von Land zu Land unterschiedlichen Gepflogenheiten bei Trinkgeldern." Guiseppe Lacellotti, Henkel-Azubi

Gesellschaftliche Benimmregeln sollten eigentlich im Elternhaus vermittelt werden. "Doch nach 1968 entwickelte sich in Deutschland ein Misstrauen gegenüber bürgerlicher Etikette", kritisiert die Trainerin. Heute besinnen sich immer mehr junge Menschen auf alte Sekundärtugenden. Vor allem in Bewerbungsgesprächen können sie bei nicht ganz so guten Schulnoten zum Erfolg beitragen. "Man kann damit seine Persönlichkeit unterstreichen", weiß Hielscher, die Persönlichkeitstrainings in Schulen vermittelt. Es geht darum, Sympathien zu wecken.

Um eine Lehrstelle zu bekommen, ist die Kleiderfrage wichtig. "Tabu sind in einem Bewerbungsgespräch Turnschuhe, auf halb acht sitzende Jeanshosen, ein schlunziger Gang, ein schlaffer Händedruck und Kopfbedeckungen." Gefordert sind ein freundliches Lächeln und eine optimistische Ausstrahlung. "Gerade junge Männer tun sich damit schwerer als Mädchen", zeigt ihre Erfahrung.

"Mit fachlicher Qualifikation und guten Manieren als Ausdruck der eigenen Person gewinnen Berufseinsteiger die Sympathie des Arbeitergebers", so Hielscher. Grundsätzlich gelte es, zielstrebig statt verbissen, selbstbewusst statt arrogant, sorgfältig statt penibel aufzutreten. (juh)

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