Neue Bewerber gewinnen

von Judit Hillemeyer
Freitag, 16. Mai 2008
Trotz der sich positiv entwickelnden Lehrstellensituation in Deutschland hat die Lebensmittelindustrie Sorge, alle Plätze qualifiziert besetzen zu können. Die Arbeitgebervereinigung Nahrung und Genuß hat nun eine bundesweite Internetpräsenz gestartet., um Ausbildungsplätze in der Ernährungsindustrie den Jugendlichen besser zu präsentieren.



"Unser Ziel ist es, mit der Initiative einerseits freie Lehrstellen zu lancieren und anderseits Marketing in eigener Sache für unsere Mitglieder zu betreiben", sagt Michael Andritzky, Hauptgeschäftsführer der Arbeitgebervereinigung Nahrung und Genuß e.V. (ANG).

Die Branche leide darunter, dass sich trotz gesteigerter Ausbildungszahlen tendenziell weniger qualifizierte Schulabgänger für eine Lehre zur Fachkraft in der Lebensmitteltechnik interessierten. Das Problem zeichne sich seit ein bis zwei Jahren in Ostdeutschland ab und sei nun im Westen angekommen.

"Bislang wurden hier überwiegend Hauptschüler ausgebildet - doch die Ansprüche steigen derart, dass künftig auch Realschüler und Abiturienten für diesen Berufszweig gewonnen werden können."

Hinzu kommt die drohende Verknappung der Bewerber in den kommenden Jahren. Die Unternehmen der Ernährungsindustrie stehen außerdem in Konkurrenz zu anderen Industriebranchen wie der Metall- und Elektroindustrie und hätten dabei das Nachsehen.

In eigener Sache

Auf der Ausbildungshomepage www.ausbildung-ernaehrungsindustrie.de können kurze Beschreibungen der wesentlichen Ausbildungsberufe in der Ernährungsindustrie als Informationshilfe abgerufen werden. Das Angebot umfasst ebenfalls gewerblich-technische Berufe, solche zur Qualitätssicherung und kaufmännische Berufe. Herzstück der Initiative ist die bundesweit agierende Ausbildungsplatzbörse.

Diese Plattform bietet den Unternehmen ein Forum, um einerseits sich selbst und andererseits ihre Ausbildungsplätze vorzustellen. Dies soll auch mittelständischen Unternehmen der Ernährungsindustrie helfen, den Bekanntheitsgrad in ihrer Region unter den Jugendlichen zu stärken. Die Bewerber können durch die Eingabe ihrer Postleitzahl Ausbildungsplätze in ihrer Region eruieren. Die Ernährungsindustrie ist die erste Industriebranche, die ein derartiges Angebot ihren Mitgliedsunternehmen anbietet.

Informationsdefizite

Beklagt wird, dass Schüler ein Informationsdefizit bezüglich der Ausbildungsbandbreite in ernährungstypischen Berufen haben. Moderne Ausbildungsgänge wie die Fachkraft für Lebensmitteltechnik kennen viele Ausbildungsbewerber gar nicht und würden bei den Berufsberatungen kaum eine Rolle spielen. "Das wollen wir ändern", so Andritzky, denn "die Ernährungsindustrie bietet moderne zukunftssichere Berufsbilder, die an die Bedürfnisse der Industrie angepasst sind".

Die Fachkraft für Lebensmitteltechnik mache mittlerweile mehr als die Hälfte der ernährungstypischen Ausbildungsplätze aus. Laut des DIHK waren im Jahr 2001 gerade etwas über 1.300 Auszubildende für dieses Berufsbild bei den Industrie- und Handelskammern gemeldet. Sechs Jahre später sind es schon 2.357. Das ist eine Steigerung um fast 80 Prozent.

Zum Vergleich: Bäcker und Fleischer machen in der Industrie insgesamt gerade mal etwas über 15 Prozent der ernährungstypischen Ausbildungsplätze aus. 2001 war sogar noch jeder vierte Auszubildende in der Industrie Bäcker oder Fleischer. Die Zahl der Auszubildenden sank im gleichen Zeitraum von 923 auf 690. (juh)

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