Büffeln und praktisch arbeiten

von Judit Hillemeyer
Freitag, 04. August 2006
Kreative Impulse und Nachwuchstalente sucht Media-Saturn und startete 2005 den Studiengang "Internationales Handelsmanagement" an der FH Ingolstadt. Nach den ersten zwölf Monaten zieht der Elektronikfachmarktbetreiber eine positive Bilanz.



"Wir haben die richtige Wahl getroffen", sagt Prof. Dr. Oliver Hackl, Leiter Hochschulkontakte und Nachwuchssicherung. Der duale Studiengang an der FH Ingolstadt kombiniert Theorie und Praxis. In sieben Semestern wird der "Bachelor of Arts" erworben.

Kontakt zu Hochschulen

Der Einzelhandel sieht sich häufig an den Universitäten wissenschaftlich unterrepräsentiert. Umgekehrt hat auch vielfach er Berührungsängste mit Vollakademikern. "Wir nicht", meint Hackl. "Allerdings brauchen wir Menschen, die zupacken können und wollen". Die Kooperation mit Ingolstadt wurde gezielt gesucht.

Nichtsdestotrotz werden ebenso Kontakte zu anderen Hochschulen aufgenommen. "Aufgrund der demographischen Entwicklung ist es wichtig, früh potenzielle Talente zu erkennen und für sich zu gewinnen", so Hackl. Deshalb werde Personalmarketing auch an anderen Hochschulen betrieben.

An der FH Ingolstadt werden internationale Handelsmanager ausgebildet. Die Studentenschar ist gemischt. So absolvieren neben Deutschen, Russen, Polen und Ungarn, aber auch Franzosen und Spanier das theoretische Studium in Ingolstadt und die Praxisphasen in ihren Heimatländern.

Ein Viertel der Teilnehmer des kommenden Jahrgangs sind Ausländer. Diese Quote wird mittelfristig erhöht. "Durch dynamische Expansion haben wir einen sehr hohen Bedarf an Talenten mit Führungsperspektive", sagt Hackl.

Der Studiengang steht allen Studenten und weiteren Handelsunternehmen offen, betont Hackl. Die Media-Saturn-Gruppe wählt die entsprechenden Studenten aus. An diese vergibt die Erich-Kellerhals-Stiftung Stipendien.

Studieren und praktizieren

Die Studierenden erhalten einen Praktikumsvertrag. Diese Vertragsform beinhalte keine Regressforderungen, wenn sich die Absolventen später für einen anderen Arbeitgeber entscheiden.

Zu den Auswahlkriterien gehören unter anderem Kommunikationsfähigkeiten, Verantwortungsbereitschaft, eine Affinität zu Consumer Electronics sowie mehrere Fremdsprachen. Getestet wird über Assessment-Center und Interviews unter Mithilfe erfahrener Media-Saturn-Geschäftsführer.

Das Handelsunternehmen unterstützt nach eigenen Angaben die Praxisbezogenheit der von der Fachhochschule festgelegten Inhalte. Darüber hinaus stellt die Unternehmensgruppe regelmäßig Gastdozenten aus dem Kreise der eigenen Führungskräfte.

"Uns geht es darum zu zeigen, welche Karrierechancen es bei uns gibt", sagt Hackl. Gute Leute könnten bei positiv verlaufender Karriere als geschäftsführende Gesellschafter ihren {sbquo}eigenen' Markt leiten. In dieser Funktion tragen sie die gesamte Personal-, Sortiments- und Umsatzverantwortung für ein Haus. Sie sind ebenso für die Weiterqualifizierung der Mitarbeiter und die Gehaltsverhandlungen bei Neueinstellungen zuständig.

Bei der Steuerung der Karrierewege setzt das Unternehmen auf "Management by Delegation". Wer sich engagiert, dürfe bereits während der Ausbildung bestimmte Bereiche eigenverantwortlich übernehmen. Personalverantwortung sei allerdings ein sensibles Thema. Angehende Führungskräfte würden langsam an diese Aufgabe herangeführt.

Die Ingolstädter Fachhochschule fungiert nicht nur als eine Talentschmiede, sondern auch als ein Quell der Ideen - auch wenn nicht alle umsetzbar sind, berichtet Hackl. So möchte etwa eine Gruppe von Studentinnen das Konzept eines Consumer-Electronic-Marktes für Frauen entwickeln. (juh)

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