Aus einer Schwäche kann keine Stärke werden

von Redaktion LZ
Donnerstag, 13. Mai 2004
LZ|NET. "Spaß im Job impliziert Spaß an der Leistung" lautet die Devise bei der Media-Saturn-Gruppe. So erfolgen Rekrutierung und Personalentwicklung durch das "Strengths-Finder"- Konzept: Jeder Mitarbeiter wird gemäß seinen Talenten eingesetzt und gefördert.

"Gut bin ich nur dort, wo ich meine Talente einbringen kann", weiß Prof. Dr. Utho Creusen. Als er vor zwei Jahren als Mitglied der Geschäftsleitung bei der Media-Saturn-Holding GmbH, Ingolstadt, einstieg, um den Bereich Personal zu verantworten, führte er die vom Gallup-Institut, Wien, entwickelte Strengths-Finder-Methode ein, um hochqualifiziertes Führungspotenzial zu akquirieren, es weiterzubilden und an das Unternehmen zu binden.

Das Web-basierte Analyse-Instrument misst 34 Themenbereiche, wiederkehrende Gedanken und Verhaltensmuster, die die Talente einer Person charakterisieren. Dabei werden die Stärken des Einzelnen ermittelt, um sie weiter zu entwickeln.

"Ziel dieses Prozesses ist ein stärkenorientiertes Unternehmen, das mit der Optimierung des Humankapitals zu Umsatzwachstum und nachhaltiger Wertsteigerung geführt wird," so der Professor.

Für die Entwicklung der Führungskräfte von Media-Saturn werden Fähigkeiten und Erfahrungen antrainiert, die zu den vorhandenen Fähigkeiten und Talenten passen. Die so geförderten Mitarbeiter werden dann in produktiven Teams zusammengeführt - mit der Maßgabe, persönliche und Unternehmensziele in Einklang zu bringen.

Das angewandte Konzept bei Media-Saturn fußt auf Forschungsergebnissen des Psychologen Mihaly Csikszentmihalyi, der untersucht hat, unter welchen Umständen Menschen glücklich sind.

Den Glückszustand, genannt "Flow", erreichen Mitarbeiter demnach dann, wenn alles reibungslos funktioniert, wenn sie in eine Tätigkeit versunken sind und alles um sich herum vergessen. Creusen nennt als Beispiel dafür einen Mitarbeiter, der sich zum Feierabend hin wundert, wie schnell der Tag verflogen ist.

Glückliche arbeiten gerne

Er war also glücklich und zufrieden mit seiner Tätigkeit, hat sich engagiert. Das Gegenteil dazu ist ein Mitarbeiter, der ständig auf die Uhr schaut und meint, der Tag verginge im Schneckentempo.

Das Rezept der Media-Saturn-Gruppe, Menschen zu beschäftigen, die gerne und leistungsorientiert arbeiten, ist, ihnen eine Tätigkeit anzubieten, die die richtige Mischung zwischen Talent und Anforderung ist. "Dann entstehen Flow-Gefühle", so der Personalchef. "Die Mitarbeiter suchen sich selber Herausforderungen, es entsteht das Bedürfnis zu lernen".

Auf das Unternehmen Media-Saturn und das dort herrschende Menschenbild übertragen, heißt das: Menschen müssen sich selbst Ziele stecken können. "Durch Weiterentwicklung ihrer Stärken erlangen Menschen Zufriedenheit, weil sie so die Gelegenheit haben, über sich hinaus zu wachsen.

Somit steigern sie ihre Produktivität und Effizienz", sagt Creusen. Im Bereich der Schwächen würden Menschen niemals wirklich stark werden. Zur Entwicklung ihrer Talente bedarf es der Freiräume. Die gebe Media-Saturn, indem die Metro-Vertriebslinie ihre Führungskräfte in Prozesse einbezieht und beteiligt: Marktgeschäftsführer seien zudem mit 10 Prozent an ihrem Markt und damit am Ergebnis beteiligt.

Maßvolle Ziele stecken

Die gesteckten Ziele müssen allerdings das richtige Maß haben, so Prof. Creusen. Damit das gegeben sei, brauchen die Menschen Rückmeldung - und die bekommen sie über ihre Talente. "Wenn die Anforderungen zu hoch sind, entwickelt sich Angst, sind sie zu niedrig, wird die Arbeit langweilig".

Für die tägliche Arbeit bedeutet das: "Wer seine eigenen Stärken kennt, kann diese bewusst zur Steigerung der Führungsqualität einsetzen und seine Mitarbeiter besser coachen. Wer zudem die Stärken seiner Mitarbeiter kennt, kann sein Team optimal einsetzen und entwickeln", weiß er aus eigener Erfahrung.

So gehört er selber nach der Analyse zur Kategorie "Lerner". "Ich mag neue Situationen und muss sie ständig suchen, um ein Flow-Gefühl zu haben". Selbstkritisch fügt er hinzu: "Ich bin vor allem in neuen Situationen gut." Die Kehrseite der Medaille: Er sei in Routine-Aufgaben eher schlecht, hasse Routine geradezu. Also brauche er in seinem Umfeld Mitarbeiter, die das erledigen.

So etwas herauszufinden, ist der Zweck des psychologischen Auswahlverfahrens Strengths-Finder: Anhand von 180 Aussagepaaren, die der Mitarbeiter per PC bewerten muss, ermitteln "Strengths-Coaches" die wichtigsten zehn Talente. In einem Feedback-Gespräch wird besprochen, was die Auswertung bedeutet und wie die Talente des Mitarbeiters für Media-Saturn genutzt werden können.

Entscheidend, so der ehemalige Obi-Geschäftsführer, sei es, bei den Mitarbeitern eine hohe Zufriedenheit zu erreichen, die eben dann bestehe, wenn ein Gleichgewicht zwischen Anforderungen und Qualifikation herrscht. Weil die Mitarbeiterzufriedenheit im Unternehmen einen großen Stellenwert genießt, wird sie anhand von Fragebogen durch die Personalverantwortlichen regelmäßig gemessen.

Zufriedenes Personal ist engagiert

Die insgesamt 12 Fragen umfassen die Bereiche Erwartung, Anerkennung, Entwicklung und Fortschritt. Das Ergebnis dieses Instrumentes kann sich sehen lassen: Während 2003 durchschnittlich 15 Prozent der deutschen Arbeitnehmer als engagiert galten, sind es bei Media-Saturn 41 Prozent. 39 Prozent der Befragten am Standort Ingolstadt waren mit ihrem Arbeitsplatz "äußerst zufrieden".

Aber nicht nur aus diesem Grund bezeichnet Prof. Dr. Utho Creusen Media-Saturn als "Vorzeigeunternehmen": Der weltweit zweitgrößte Anbieter in der Elektronik-Fachbranche zählt mit einer Quote von fast 20 Prozent zu den großen Ausbildern in Deutschland. "Bei einer Ausbildungsquote von 6 Prozent im Einzelhandel liegen wir weit über dem Durchschnitt", so Creusen.

Während in der Regel durchschnittlich 750 bis 800 Lehrlinge pro Jahr eingestellt werden, wurden im vergangenen Jahr über 1 000 Lehrstellen besetzt. Im Rahmen ihrer Mitarbeit bei der Initiative Team-Arbeit für Deutschland, ins Leben gerufen durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit zusammen mit Kirche, Politik, Kultur, Wirtschaft und Gesellschaft, hatte Media-Saturn sein Stellenkontingent deutlich aufgestockt.

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