Meister werden für Sandwich-Position trainiert

von Redaktion LZ
Freitag, 15. Juli 2005
Meister und Schichtführer, Foto: Meggle
Meister und Schichtführer, Foto: Meggle
Die Meister und Schichtführer der Molkereiunternehmen Zott und Meggle werden systematisch qualifiziert, damit sie als Führungskräfte mit schwierigen Situationen klar kommen.



Im Fokus der "schwierigen Situationen" stehen bei beiden Unternehmen so genannte "Krankenrückkehrgespräche" . Die werden dann geführt, so Rita Buchner, Leiterin Personalverwaltung bei Meggle, wenn sich Mitarbeiter innerhalb von vier Wochen drei Tage krank melden.

Es ginge dann darum, dass die Meister und Schichtführer Mitarbeitern gegenüber, die oft und lange fehlen, ihre Fürsorgepflicht wahrnehmen. So müssten sie den Gründen auf die Spur kommen, welches Problem tatsächlich hinter der Krankmeldung steckt. Und vor allem vermitteln, "dass es einfach auffällt, wenn jemand oft fehlt".

Bei Zott führen jeder Meister und Schichtführer zwischen zehn und 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Jede Konfliktsituation wird zuerst an diese Führungsebene herangetragen.

Umgang mit Mitarbeitern

"Vor allem der richtige Umgang mit schwierigen Mitarbeitern brennt den Meistern unter den Nägeln", stellt Susanne Oßwald, Personalentwicklerin bei Zott, fest.

"Deshalb war es uns wichtig, diesen Führungskräften eine Hilfestellung anzubieten und diese Situationen zu trainieren," so Dieter Wiedenmann, Personalleiter der Zott GmbH & Co. KG, Mertingen.

Die Fähigkeit der Meister und Schichtführer, die Mitarbeiter zielgerichtet zu führen, sei ausschlaggebend dafür, die gewünschte Qualität und Quantität zu erreichen. Selbst dann, wenn die Teams Krankheitsausfälle kompensieren müssten.

"Meister sind in einer schwierigen Sandwich-Position", weiß auch Heinz Brylla, Personalchef bei Meggle. "Sie spüren den Druck von oben, das Ergebnis zu steigern.

Gleichzeitig müssen sie trotz immer komplexerer Rahmenbedingungen und verschärfter Hygiene-, Arbeitssicherheits- wie Umweltvorschriften ihre Teams motivieren und deren Einsatzbereitschaft fördern."

Damit sie ihren Aufgaben gerecht werden können, beauftragten die Verantwortlichen bei Meggle und Zott die Trainer der Steinbeis Beratung, Rosenheim, die Meisterseminare inhaltlich zu planen und durchzuführen.

Meister der Führung

Das Team hatte sich bereits in anderen Qualifizierungsmaßnahmen der beiden Mopro-Hersteller bewährt. "Bei der Seminarkonzeption galt es zu beachten, dass die Meister im Rahmen ihrer Ausbildung eine Grundqualifizierung in Sachen Führung erhielten, die vertieft werden sollte", erklärt Steinbeis-Geschäftsführerin Anne Wegele.

Bei den Schichtführern und Gruppenleitern hingegen, die sich oftmals von unten hochgearbeitet haben, fehle aber sogar dieses Basiswissen.

So wurden bei Zott 86 Meister und Schichtführer des Produktions-/Technik- und Logistikbereichs in den Grundlagen der Kommunikation, der Gesprächsführung und der Anwendung des Krankenrückkehrgesprächs geschult. In einer Praxiswerkstatt mit Videofrequenz wurden in Rollenspielen brenzlige Situationen eingeübt.

Im Sommer 2003 fanden sowohl bei Zott als auch bei Meggle die ersten zweitägigen Trainings statt. "Inhaltlich vermittelten wir den Teilnehmern das kleine und große Führungseinmaleins, etwa wie sie situativ führen, Aufgaben delegieren und zielgerichtet motivieren", berichtet Trainerin Anne Wegele. Praxisnähe war dabei oberste Devise.

Klare Schichtübergabe

Drei Monate nach dem ersten Training folgte das Aufbauseminar mit dem Ziel, Lösungen für ganz spezielle Führungsthemen aus dem Tagesgeschäft zu vermitteln. Konkrete Beispiele aus dem Alltag der Meister wurden gemeinsam erörtert, Lösungswege kollegial diskutiert und eingeübt.

Etwa zum Problem, wenn Mitarbeiter trotz mehrmaliger Ermahnung keine den Vorgaben entsprechende Schichtübergabe machen oder wenn Mitarbeiter des Öfteren zu spät kommen, ansonsten aber sehr gut arbeiten.

Bei Meggle wurde mit den 60 Schulungsteilnehmern zudem das Thema "persönliche Qualität" des Mitarbeiters angesprochen, denn "Werte und Tugenden wie Loyalität, Rechtschaffenheit, Fleiß, Einsatzbereitschaft, Ordnungssinn, und Kostenbewusstsein beeinflussen unmittelbar die Wertschöpfungskette", erklärt Personalchef Heinz Brylla.

Die Meister, die in Projekte mit anderen Abteilungen eingebunden waren, qualifizierte Anne Wegele zudem in Moderations-, Präsentations- und Visualisierungstechniken. Auch nach Seminarende kann jeder, der ein konkretes Führungsproblem hat, die Steinbeis-Hotline anrufen und sich Unterstützung holen.

Intensiv genutzt wurde die Hotline allerdings noch nicht, bestätigt Anne Wegele. Zudem stärkten die Trainings die Netzwerkbildung unter den Meistern, so dass wechselseitige Hilfe heute selbstverständlich sei.

Der Meggle-Personalchef ist zufrieden: "Betriebsklima und Motivation stimmen bei uns", berichtet Heinz Brylla. Erkennbar sei dies daran, dass die Bereitschaft, Überstunden zu leisten, stets vorhanden ist.

Krankenstand überprüfen

Zudem wurde hier inzwischen ein Mechanismus zur Überprüfung des Krankenstandes eingeführt. Krankentagebücher geben Auskunft über Dauer und Gründe der Abwesenheit.

Anfängliche Befürchtungen, man wolle damit die Mitarbeiter überwachen, sind ausgeräumt. "Wir sind in den ersten Zügen der Umsetzungsphase. Der Praxistest wird zeigen, wie sicher die Mitarbeiter schon sind", so Dieter Wiedenmann.

Die Durchführung dieser Trainings ist bei Zott für alle weiteren Bereiche vorgesehen. "Wir werden auch hier die Teamleiter ansprechen, da wir überzeugt sind, die richtige Führungsebene dadurch zu schulen". Für die bereits Geschulten wird es einen eintägigen Refresher-Workshop geben. Er soll dem Erfahrungsaustausch dienen. (ba)

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